Mein Leben als Papa

Ein Leben ohne Hühnersuppe ist möglich, aber sinnlos

Die Mama bei der Zubereitung ihrer berühmten Hühnersuppe – schon ein paar Jahre alt, dieses Foto.
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Die Mama bei der Zubereitung ihrer berühmten Hühnersuppe – schon ein paar Jahre alt, dieses Foto.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (7) und Michel (4).

Wir haben es alle: Dieses eine Gericht, das nur von dieser einen Person genau richtig schmeckt. Ein Wohlfühlgericht sozusagen. Bei Hannes und Michel besteht kein Zweifel, um welche Speise es sich dabei handelt. Natürlich stehen sie auch auf Pommes, Pizza und Eis, ihr „Soul Food“ ist aber Hühnersuppe. Und zwar die von ihrer Mama.

Die Liebesgeschichte begann in irgendeinem Winter, als meine Frau die gute Idee hatte, den Erkältungssymptomen in unserer Familie mit einer frischen Hühnersuppe zu Leibe zu rücken. Für den damals noch kleinen Hannes eine Geschmacksexplosion. Mit Strohhalm schlürfte er erst die Brühe genussvoll aus – und ließ sich anschließend auch den Rest schmecken.

Hühnersuppe geht seitdem immer. Nicht nur im Winter. Ich kann mich noch gut an einen heißen Tag im Zoo erinnern. Hochsommer, mindestens 30 Grad. Irgendwann bekam Hannes Hunger und wollte nach Hause – Hühnersuppe essen. Die Zeit reichte nur für eine Dosensuppe aus dem Supermarkt.

Damals fiel ihm der Unterschied noch nicht so auf, heute wäre das Gemecker groß. Als meine Frau neulich kränkelte, brachte uns ihre Schwester eine von ihr frisch zubereitete Hühnersuppe vorbei, was Hannes und Michel, der längst mindestens genauso sehr auf Hühnersuppe steht wie sein großer Bruder, zunächst sehr erfreute. Am Tisch dann die Ernüchterung: „Die schmeckt überhaupt nicht wie deine“, stellten die beiden Kritiker in Richtung ihrer Mutter enttäuscht fest. „Vielleicht hat sie das Lorbeerblatt vergessen“, mutmaßte Michel, der über die Rezeptur schon sehr genau Bescheid weiß. Für Hannes ist es manchmal das Größte, das Fleisch von den Hühnerknochen abzurupfen und in die Brühe zu geben – oder gleich selbst zu vertilgen. Für beide Jungs ist es übrigens das Normalste der Welt, Möhren, Sellerie und Porree in der Hühnersuppe mitzuessen. Ohne Suppe würden sie diese Zutaten links liegenlassen. Ich frage sie allerdings nicht, warum das so ist. Bei mir war es früher nämlich auch nicht anders, hält mir meine Mutter jedenfalls vor.

Wir freuen uns einfach darüber, dass Hühnersuppe zu den wenigen gesunden Gerichten gehört, die alle vier Freudenbergs gerne essen. Dass das etwas Außergewöhnliches ist, fiel auch Michel letztens auf. „Wir haben ja heute alle das Gleiche auf dem Teller“, stellte er erstaunt fest.

Ich bin mir sicher: Den Geschmack von Mamas Hühnersuppe werden Hannes und Michel in ihrem Leben nie mehr vergessen. Weil Essen in direkter Verbindung mit Emotionen steht, die durch Erinnerungen hervorgerufen werden. Hat sich einmal eine Emotion mit einem Geschmack verknüpft, wird bei jedem zukünftigen Schmecken die Erinnerung an dieses Gefühl selbst wach. An das Gefühl von wohliger Hühnersuppe. Und das ist irgendwie ein schöner Gedanke.

Verlosung

Lesung: Gunnar Freudenberg liest am Freitag, 10. März, in der Stadtbibliothek Solingen aus seinem Papa-Buch.

Karten gewinnen: Wir verlosen 2 x 2 Eintrittskarten für die Lesung „Mein Leben als Papa“. Dazu einfach bis kommenden Montag, 6. März, 12 Uhr, eine E-Mail samt Namen schicken an: 
gunnar.freudenberg@
solinger-tageblatt.de

Bedingungen: Gewinner werden aus allen Einsendungen ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Mitarbeiter des Medienhauses B. Boll dürfen nicht teilnehmen. Umtausch, Barauszahlung und Rechtsweg sind ausgeschlossen. Alle Infos zum Datenschutz: solinger-tageblatt.de/datenschutz

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