Verwirrung um umgeleitete Buslinien

Lennestraße in Ohligs: Ärger über gesperrte Parkbuchten

Die gesperrten Parkbuchten an der Lennestraße werden mit Genehmigung genutzt.
+
Die gesperrten Parkbuchten an der Lennestraße werden mit Genehmigung genutzt.

Die Ohligser Jongens sehen die verkehrsberuhigte Probephase, die nach dem Dürpelfest startet, in Gefahr. Auch wegen einer Buslinie.

Von Björn Boch

Solingen. In der Ohligser Lennestraße sind einige Parkbuchten mit einem absoluten Halteverbot beschildert – gültig noch bis Ende September. Laut Pressestelle der Stadt werde der Platz für Materiallieferungen im Zuge von Bauarbeiten genutzt. Das steht aber den Plänen der Ohligser Jongens entgegen, die verkehrsberuhigte Lennestraße während einer Probephase bis Ende Oktober zu verschönern – etwa mit Pflanzkübeln und Außengastronomie.

Das Tageblatt hatte bereits vor der Sitzung der Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid berichtet, in der Michael Vermoehlen von den Jongens dem Unmut des Vereins nun erneut Luft machte. Auch darüber, dass nicht alle Busse aus der Lennestraße herausgehalten werden. „Unser Bestreben ist eine moderne Stadtpolitik mit mehr Grün, weniger Lärm und Abgasen. Wir wollen ein schönes Kneipenviertel, denn die Menschen, die hierher ziehen, müssen irgendwo essen und trinken gehen können“, sagte er als Gast in der BV-Sitzung.

Hintergrund: Nach dem Dürpelfest beginnt eine Testphase, in der die Rheinbahnlinien 782, 783, 791 und 792 nicht mehr durch die Lennestraße fahren – auch der Autoverkehr soll rausgehalten werden, um Erfahrungen zu sammeln für eine Gastromeile, die viele Ohligser anstreben. Eine Buslinie der Solinger Stadtwerke (691) aber bleibt. „Warum fahren die Buslinien des eigenen Verkehrsbetriebs noch durch?“, fragte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Marc Westkämper (CDU). Auch die Deponierung von Baustellenmaterial laufe den Wünschen der Bezirksvertretung entgegen. „Ich bin sehr enttäuscht“, so Westkämper in Richtung der Stadtverwaltung. „Da wird Bürgerengagement mit Füßen getreten.“

Carsten Knoch, Leiter der Abteilung für Mobilität und generelle Planung, antwortete für die Verwaltung. Jeder, der im Bereich der Parkstände etwas plane, könne einen Sondernutzungsantrag stellen. Die Pressestelle erklärte auf ST-Nachfrage, dass die aktuelle Sondernutzung von der Sparkasse für noch laufenden Innenausbau beantragt worden sei. Auch die Jongens könnten jederzeit für eine Nutzung, etwa mit Pflanzkübeln, einen Antrag stellen, so Knoch.

„Wir brauchen eine innerstädtische Anbindung.“

Martin Schlücking (SPD)

Er wies darauf hin, dass die Straße, unabhängig von der Linie 691, nicht komplett für Gastronomie genutzt werden könne – etwa wegen der Baufahrzeuge für den Wohnkomplex O-Quartier und den Ohligser Markt. Auch die Feuerwehr müsse jederzeit durchfahren können. „Es ist aber möglich, die Gastronomie zu stärken. Wir halten nur den Zeitpunkt nicht für gut gewählt und haben das auch in der Sitzung zuvor gesagt“, erklärte Knoch mit Blick auf die Baustellen. Zu den Buslinien erklärte er: „Das ist genau so von der Politik beschlossen worden. Die städteübergreifenden Linien werden aus der Straße verlegt, unmittelbar nach dem Dürpel.“ Die Verwaltung habe sich exakt an die Vorgabe der Politik gehalten.

Unterstützung erhielt Knoch von Grünen und SPD. Bezirksvertreter Christian Wendel (Grüne) wies darauf hin, dass der Fahrgastbeirat sowie Vertreter von Behinderten- und Seniorenbeirat für die Haltestelle der 691 plädiert hätten. Die Jongens führen dagegen „geringe Fahrgastzahlen“ ins Feld und regten eine Verlegung der Haltestelle „um nur 100 Meter an“. Für alte Menschen und Behinderte sei das aber schon weit, bemerkte Michael Bender (BfS).

SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Schlücking sah einen gelungenen Kompromiss, der wie geplant die großen Gelenkbusse raushalte, aber bald weitergedacht werden müsse. „Wir brauchen eine innerstädtische Anbindung. Die Frage ist, wie können wir das machen?“ So seien zum Beispiel Kleinbusse denkbar. Die Ausweisung der Parkflächen für Baufirmen dagegen sah auch er als „schwierig“ an.

Da sich die Debatte erst am Ende der Bezirksvertretung entzündete – unter „Mitteilungen der Verwaltung“ – waren aus formalen Gründen keine politischen Beschlüsse mehr möglich. Das Thema Lennestraße soll erneut auf die Tagesordnung. Die nächste planmäßige Sitzung der BV ist allerdings erst im September.

Passend zum Thema: Berliner Brücke - Stadt tauscht Ampeln aus | Ohligs: Hotelbau soll im Sommer starten

Standpunkt von Björn Boch: Zu viel auf einmal

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Es tut sich eine Menge in Ohligs: im O-Quartier, auf dem Markt, an der Düsseldorfer Straße. Selbst der Hotelneubau soll endlich starten. Dass zu viel auf einmal los sein kann, müssen die Ohligser Jongens gerade leidvoll erfahren. Ihre Pläne für die Lennestraße sind unterstützenswert – und viele Ohligser stehen dahinter. Allerdings machen den Jongens die vielen anderen Projekte einen Strich durch die Rechnung. Selbst der längst eröffnete Neubau der Sparkasse führt zu Kapazitätsengpässen, bei Markt und Fußgängerzone wird es erst nach dem Dürpel richtig losgehen.

Es sieht so aus, als ob sich die Jongens in Geduld üben müssen – was (glücklicherweise!) sonst nicht ihre Stärke ist. Wichtig ist, dass einstweilen keine Fakten geschaffen werden, die einer verkehrsberuhigten Lennestraße entgegenstehen, etwa durch den Nahverkehrsplan oder bauliche Eingriffe. Damit eine Probephase für die Gastromeile kommt, die den Namen verdient.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Merscheid verabschiedet sich von Kita
Merscheid verabschiedet sich von Kita
Merscheid verabschiedet sich von Kita
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
So rüstet sich die Stadt Solingen für hohe Energiepreise
So rüstet sich die Stadt Solingen für hohe Energiepreise
So rüstet sich die Stadt Solingen für hohe Energiepreise

Kommentare