Rathaus widerspricht

Lehrer: In den Schulen wird schlecht geputzt

putzen
+
Im Bezug auf die Sauberkeit gebe es an Grundschulen ein „strukturelles Problem“.

Die Gewerkschaft GEW kritisiert Probleme mit der Sauberkeit in den Grundschulen.

Von Andreas Tews

Solingen. Im Bezug auf die Sauberkeit gebe es an Grundschulen ein „strukturelles Problem“, berichtet Dirk Bortmann von der Lehrergewerkschaft GEW. Vor allem in der Zeit nach Ferien sei dies ein großes Thema. Die Folge sei, dass Lehrer und Eltern nicht selten selbst zu Besen und Lappen greifen. Diese Kritik weist die Stadtverwaltung zurück. Dass die Grundreinigung während der Ferien ausgefallen wäre, sei nicht bekannt, berichtet Rathaussprecherin Sabine Rische. Beschwerden erklärt sie unter anderem mit Missverständnissen: „Schulen erwarten Reinigungsleistungen, die über den Umfang der Unterhaltsreinigung hinausgehen.“

Dirk Bortmann kritisiert die Zustände an den Solinger Grundschulen.

Bortmanns Kritik richtet sich vor allem gegen Zustände an den Schulen, in denen Firmen im Auftrag der Stadt reinigen. Für ein Drittel der Schulen werden die Leistungen seit mehr als 20 Jahren an Privatunternehmen vergeben. In den anderen Schulen reinigen städtische Bedienstete die Fußböden.

Bortmann berichtet unter anderem von einem Lehrertreffen, bei dem Grundschullehrer berichtet hätten, dass die Grundreinigungen ausgefallen seien und dass Fenster oft nicht geputzt würden. Auch seien die Intervalle zwischen den Reinigungen zeitlich verlängert worden.

Auch Bortmann bemängelt, dass zum Beispiel die Fußböden oft nur grob und nicht feucht gereinigt würden, Ecken würden oft ausgelassen. „Die Schulen sind dreckig, die Leute werden mies bezahlt“, bemängelt der Gewerkschafter vor allem mit Blick auf die Privatunternehmen. Nach Angaben der Lehrer sei es auch vorgekommen, dass Putzkräfte Verwandte mitbringen, damit die Arbeit in der vorgegebenen Zeit erledigt werden könne. Bortmann fordert: „Lasst uns das wieder komplett durch städtische Kräfte machen lassen.“ Dies hätte möglicherweise auch den Vorteil, dass der personelle Wechsel bei den Reinigungskräften nicht so groß wäre.

„Die Schulen sind dreckig, die Leute werden mies bezahlt.“

Dirk Bortmann (Gewerkschaft GEW) über den Einsatz von Privatfirmen an Schulen

„Die Kritik der GEW teilen wir nicht“, hält Rische dem entgegen. Der städtische Dienstleistungsbetrieb Gebäude kontrolliere die Qualität der Reinigung mit Unterstützung der eigenen Reinigungsgesellen und der Hausmeister, die vor Ort seien. Die Rathaussprecherin berichtet weiter: „Wenn es Beschwerden von Schulleitungen gibt, geht man ihnen umgehend nach und Mängel werden noch am gleichen Tag beseitigt. Das gilt für die Fremdfirmen genauso wie für die eigenen Kräfte.“

Zu den vereinbarten Leistungen gehöre neben dem regelmäßigen Putzen eine gründliche Reinigung aller Flächen in den Schulen etwa zwei bis drei Tage vor Schuljahresbeginn. Darüber hinaus würden alle vier Jahre die Böden in einem aufwendigen Verfahren neu beschichtet. Der Leistungskatalog entspreche den allgemein geltenden Reinigungsstandards. Die Fensterreinigung gehöre nicht dazu.

Risches Kollege Daniel Hadrys räumt ein, dass es bei kurzfristigen, krankheitsbedingten Ausfällen zu Vertretungsregelungen und „in nicht sensiblen Bereichen“ zu Intervalländerungen kommen könne. Sanitäre Anlagen und Küchen würden aber immer täglich gereinigt. Seit Beginn der Sommerferien habe es zudem eine Änderung gegeben: Die wegen der Pandemie eingeführte tägliche Kontaktflächenreinigung sei entfallen.

Den Einsatz von Fremdfirmen verteidigt Rische. Dies sei preiswerter als der Einsatz eigener Kräfte. Bei der Vergabe sei zu 70 Prozent der Preis und zu 30 Prozent die Qualität entscheidend. Laut Rische verpflichten sich die Firmen dazu, sich an das Tariftreue- und Vergabegesetz NRW zu halten.

Hintergrund

Grundreinigung: Die Grundreinigungen in den Schulgebäuden finden nach Angaben von Rathaussprecher Daniel Hadrys üblicherweise in den Oster- und Sommerferien statt. Bei Schulen, in denen Privatfirmen mit der Reinigung beauftragt sind, könne dies nach individueller Absprache auch in den Herbstferien erfolgen.

Passend zum Thema: Schulen machen gute Erfahrungen - Studenten springen an Grundschulen ein

Standpunkt von Andreas Tews: Schule muss sauber sein

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Über die Leistungen von Putzkräften externer Firmen wird nicht nur in Schulen und Verwaltungshäusern, sondern nicht selten auch in Unternehmen der freien Wirtschaft diskutiert. Wenn es Grund zu Beschwerden gibt, ist dies zumeist nicht auf eine mangelhafte Arbeitsauffassung der Reinigungskräfte zurückzuführen. Diese Menschen sind zwar nicht überall, aber doch in etlichen Firmen die Leidtragenden mangelhafter Arbeitsbedingungen.

Unter Zeitdruck leidet oft die Gründlichkeit. In den Solinger Schulen gehen zwischen Lehrern und Rathaus die Meinungen über die Sauberkeit zwar weit auseinander. Doch selbst wenn die Wahrheit „nur“ in der Mitte liegen sollte, besteht Handlungsbedarf. Schüler und Lehrer brauchen vernünftige Arbeitsbedingungen. Dazu gehören auch saubere Klassenräume, ganz gleich, wer jeweils für einzelne Leistungen zuständig ist. Dafür muss die Stadt als Schulträger sorgen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Der Weyersberg birgt Brisanz
Der Weyersberg birgt Brisanz
Der Weyersberg birgt Brisanz
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen

Kommentare