Hochwasserkatastrophe 2021

Lehren aus der Flutnacht: Die Stadt kann heute früher vor Gefahren warnen

Eigene Rettungsboote wird die Solinger Feuerwehr nicht anschaffen. Sie setzt auf Spezialisten dafür.
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Eigene Rettungsboote wird die Solinger Feuerwehr nicht anschaffen. Sie setzt auf Spezialisten dafür.

Nach Kritik an der Alarmkette im Juli vergangenen Jahres hat sich einiges getan.

Solingen. Eine Frage trieb die Anlieger der Wupper und Bäche nach dem 14. und 15. Juli 2021 emotional besonders um: „Warum hat uns keiner vor dem Hochwasser gewarnt?“ Die Stadt Solingen verwies unter anderem auf fehlende Informationen durch den Wupperverband und Wetterberichte, die das Drama nicht vorhergesagt hätten. Tatsächlich gab es zwischen 12.30 Uhr am Mittwoch, 13. Juli, und 21.37 Uhr keinerlei Infos aus Wuppertal zum Anschwellen der Wupper und Bäche. Das habe sich, Stand heute, bereits verbessert, berichten Solingens Feuerwehr-Chef, Dr. Ottmar Müller und Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) auf Tageblatt-Nachfrage. Die Lücken in der Alarmkette werden geschlossen und machen frühere Warnungen möglich.

Der Wupperverband erklärt, dass es inzwischen einen Videokanal aus dem Krisenzentrum des Verbands und den Wupper-Kommunen gibt. Ein „rotes Telefon“ hat zwischen Verband und der gemeinsamen Feuerwehrleitstelle Wuppertal und Solingen Vorrang vor allen anderen Notrufen. Die Abläufe sind nach Angaben des Wupperverbands bereits geprobt worden.

„Wir wollen große Evakuierungen künftig vermeiden.“

Jan Welzel, Ordnungsdezernent

Das bestätigt auch Ottmar Müller. Der Feuerwehrchef sagt: „Wir stehen mit dem Wupperverband im engen Kontakt. Zum einen gibt es regelmäßige Sitzungen, in denen konkrete Maßnahmen für die Städte entwickelt werden. Dies wird in die Hochwasserprophylaxe des Wupperverbandes in den nächsten Jahren einfließen.“

Müller und Welzel skizzieren die Fortschritte: So gibt es konkrete Warnhinweise unter anderem des Wupperverbandes bei bestimmten Wetterlagen. Insbesondere steht dem örtlichen Krisenstab ein benannter Experte bei bestimmten Wetterlagen zur Verfügung. „So haben wir bereits bei dem Orkan im Februar dieses Jahres ganz praktisch auf diese Expertise zurückgreifen können“, erklärt der Feuerwehrchef. Und Jan Welzel schaut auch in die Zukunft: „Über den eingeschlagenen Weg sehen wir auch frühzeitigere Warnmöglichkeiten für die Bevölkerung in Burg, um so aufwendige Evakuierungen vermeiden zu können.“

Nach dem Hochwasser war der Wunsch der Solinger Feuerwehr und des Rathauses, eigene Boote anzuschaffen, um bei Hochwasser selbst Menschen damit evakuieren zu können. Das ist aber vom Tisch. Ottmar Müller erläutert das nun geltende Vorgehen innerhalb der Berufsfeuerwehr für solche Ausnahmesituationen: „Der sichere Betrieb von Booten bei extremen Strömungsverhältnissen erfordert besondere Erfahrung und eine spezielle Ausrüstung. Hier prüfen wir den gezielten Einsatz einer Wasserrettungsorganisation, die bei besonderen Lagen alarmiert werden könnte.“

Feuerwehr Burg erhält neues Fahrzeug mit hoher Wattiefe

Das Rathaus habe die Juli-Situation des Jahres 2021 noch einmal neu bewertet, sagt Jan Welzel: „Die Ausrüstung der Feuerwehr wird ganz gezielt auf Hochwasserlagen erweitert. In der festen Planung ist für die Bereitschaft in Burg die Neubeschaffung eines besonders konzipierten Tanklöschfahrzeuges mit einer besonders großen Wattiefe. Dieses Fahrzeug wird dann das in Burg stationierte Fahrzeug ersetzen.“

Lesen Sie auch: Das Protokoll einer Katastrophe im Juli 2021

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