Nach Kontroverse um Werkstatt

Lebenshilfe-Vorstand stellt sich neu auf

Der zurückgetretene Vorstand hatte das Silag-Grundstück an der Wuppertaler Straße als Werkstatt-Standort favorisiert. Archivfoto:
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Der zurückgetretene Vorstand hatte das Silag-Grundstück an der Wuppertaler Straße als Werkstatt-Standort favorisiert. Archivfoto: Christian Beier

Vormalige Mitglieder erklärten geschlossen ihren Rücktritt wegen anhaltender Kontroverse um Werkstatt-Neubau.

Solingen. Der Vorstand der Lebenshilfe Solingen zog bei der Mitgliederversammlung im Bürgersaal der evangelischen Stadtkirche am Dienstagabend die Konsequenz aus der anhaltenden Kontroverse um einen neuen Standort für eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung und trat geschlossen zurück. Auch die Mitglieder des Verwaltungsrates – darunter auch die drei bisherigen Vorstandsmitglieder sowie drei weitere Mitglieder – legten ihre Ämter nieder. Den Anfang machte die bisherige Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Susanne Schwalen nach dem Vortrag ihres Geschäftsberichts, dann folgten ihr Jürgen Isermann und Christoph Balfanz in dieser Entscheidung.

In ihrer Begründung kritisierte Schwalen den Elternbeirat für seinen Gang an die Öffentlichkeit. Dessen Mitglieder und zahlreiche Personen aus anderen Gremien der Lebenshilfe sowie Werkstatt-Beschäftigte hatten sich überwiegend gegen den möglichen Standort der neu zu bauenden Werkstatt an der Wuppertaler Straße in Gräfrath ausgesprochen. Die Tagesordnung beinhaltete zudem einen Antrag auf Abwahl des Vorstands.

Mit klarer Mehrheit wurden daraufhin Elke Suffenplan, Peter Heinen, Renate Wischnewski und Gerd Schulz als neue Vorstandsmitglieder gewählt, die sich noch auf eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden einigen müssen. Der neue Vorstand wird sich morgen erstmals treffen.

Lebenshilfe ist ein wichtiger Partner der Stadt

Nachdem Susanne Schwalen ihren Rücktritt erklärt hatte, übernahm der städtische Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) die Moderation der Veranstaltung. In einer Stellungnahme beschrieb Welzel die Lebenshilfe als „sehr wichtigen Partner“ der Stadt. „Wir hoffen, dass nach dem Wechsel im Vorstand, der in der Mitgliederversammlung am Dienstag herbeigeführt worden ist, die anstehenden Entscheidungen mit Ruhe und Bedacht getroffen werden können“, so Welzel, der sowohl dem neuen als auch dem scheidenden Vorstand Anerkennung für sein ehrenamtliches Engagement zollte.

Bei der Standortfrage gelte es nun, alle Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. „Es war Druck auf dem Kessel. Jetzt sollte sich die Lage beruhigen, um Trennendes überwinden zu können.“ Dies bekräftigten auch die neuen Vorstandsmitglieder Elke Suffenplan und Peter Heinen gegenüber dem Tageblatt. „Wir haben A gesagt, jetzt müssen wir auch B sagen“, brachte Heinen die vor ihnen liegende Aufgabe auf den Punkt. Suffenplan ergänzte: „Ich habe großen Respekt davor. Aber der Rückhalt aus der Mitgliederschaft hat mir gezeigt, dass es doch einen anderen Weg geben könnte.“

Siegfried Lapawa, der als Investor für die Wuppertaler Straße im Gespräch war, bedauerte den Rücktritt des Vorstands, wolle sein Angebot für das Grundstück aber auch dann aufrechterhalten, wenn er das Projekt nicht als Bauherr verantworten sollte. „Es geht mir um die behinderten Menschen.“

Kommentar

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Eines ist den neuen Vorstandsmitgliedern der Lebenshilfe sicherlich bewusst: Auf ihren Schultern liegt jetzt eine enorme Verantwortung. Denn ein Selbstläufer werden die Standortsuche für den Werkstatt-Neubau sowie das gesamte Projekt keineswegs, waren die vom alten Vorstand stets angeführten wirtschaftlichen Zwänge kaum zu leugnen. Dieser Aufgabe stellen sich die Neulinge nun mutig. Unabhängig davon, welcher Standort die beste Lösung für die Menschen mit Behinderung bietet, verdient dieser Sprung ins kalte Wasser Respekt. Der gebührt auch den früheren Vorstandsmitgliedern für ihre Konsequenz, denen der Gegenwind am Ende offenbar zu stark ins Gesicht blies. Zeit für Animositäten ist jetzt nicht mehr – die Lebenshilfe hat nun den Weg für einen Neuanfang bereitet.

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