Viele Bäume tragen noch Blätter

Laub ist kein Abfall, sondern Recycling der Natur

Laub im eigenen Garten lässt sich gut zum Kompostieren verwenden. Foto: Christian Beier
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Laub im eigenen Garten lässt sich gut zum Kompostieren verwenden.

Umweltschützer raten, auf Laubsauger zu verzichten und lieber Harke oder Rechen zu verwenden.

Von Renate Bernhard

„Schritt – Atemzug – Besenstrich. Schritt - Atemzug - Besenstrich“ – so beschreibt Michael Ende in seinem Kinderbuch-Klassiker „Momo“ die Weisheit des Straßenkehrers Beppo: „Während er sich so dahin bewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken.“ Ruhig, bedächtig und bewusst Laub zu kehren – es könnte Fitness- und geistige Übung in einem sein.

„Sie sind laut, schmutzig, gefährlich für Tiere und bedenklich für unsere Gesundheit.“ So rät das Bundesumweltamt von der Nutzung von Laubsaugern, -Bläsern und Häckslern ab. Für Privathaushalte seien sie schon aus Kostengründen ineffizient, denn „das Gerät muss gekauft und mit Strom oder Kraftstoff betrieben werden.“ Eine Arbeitserleichterung sei davon nicht zu erwarten. Und doch übernehmen vielerorts solch röhrende Rüssel das Revier. Mit 90 bis 120 Dezibel, also dem Lärm von Kettensägen oder Presslufthämmern, liegen sie den Nachbarn in den Ohren, verteilen Mikroben, Pilze, Feinstaub und Tierkot in der Atemluft, nehmen Insekten ihre Lebensgrundlage, kritisiert das Bundesumweltamt weiter.

Ihre Nutzer werden gesetzlich bislang nur zeitlich beschränkt: Wochentags zwischen 9 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr ist der Einsatz erlaubt, an Wochenenden und Feiertagen nicht. Die EU plane jetzt auch Lärmgrenzen einzuführen. Man unterstütze diese Initiative, versichert das Bundesumweltamt, aber vor 2025 sei kein neues Gesetz zu erwarten.

Laubbläser wirbeln mehr Feinstaub auf als Besen

So kann auch der BUND nur warnen: Umweltmedizinische Untersuchungen ergaben, dass Laubbläser zu einer gesundheitlich bedenklichen Erhöhung von Keimen in der Atemluft führen. Sie wirbelten sechs- bis zehnmal so viel Feinstaub auf wie ein Besen. Dazu blasen die Benzinbetriebenen unter ihnen meist ungefiltert ihre Abgase aus.

Und noch einen wichtigen Aspekt nennt Sabine Vogel von der Solinger Ortsgruppe des BUND: Da die mit Luftgeschwindigkeiten von bis zu 220 Stundenkilometern herumgeblasenen Blätter nicht verrotten können, werde Humus- und Nährstoffbildung behindert, vor allem aber würden im Laub sitzende Insekten und Kleintiere getötet. „Aber leider werden die Dinger in vielen Schulen, Kitas und Organisationen und auch bei der Stadt angewendet. Ich habe schon in verschiedenen Kontexten auf ihre Schädlichkeit hingewiesen.“

Laub schützt die Böden vor Austrocknung.

Jann Boomers, Biologische Station Mittlere Wupper

Auch der Nabu appelliert, lieber zu Besen und Rechen zu greifen oder das Laub vor allem unter Sträuchern und Bäumen liegen zu lassen. Es sei kein Abfall, sondern eine hervorragende Recyclingmethode der Natur.

Jan Boomers von der Biologischen Station Mittlere Wupper ergänzt: „Laub wirkt kälte-isolierend und schützt die Böden vor Austrocknung. Es ist ein wichtiger Lebensraum für Insekten wie etwa Schmetterlingslarven, Glühwürmchen, Marienkäfer, Molche und Falter und trägt so zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Nicht nur deshalb sollte es in jedem Garten einen Laubhaufen geben, denn er ist auch ein idealer Rückzugsort für den Igel, wenn der in die Winterruhe geht.“

Die Stadt Solingen rät, das Laub im eigenen Garten gegen Austrocknung und zum Kompostieren zu verwenden.

Wer dennoch zu viel davon hat: Im Entsorgungszentrum Bärenloch ist die PKW-Anlieferung bis maximal 50 Kilogramm kostenfrei. Nur auf der Straße vor dem eigenen Haus müsse für Ordnung gesorgt werden, gehörten Alltagsschmutz, Laub, Schnee und Eis regelmäßig entfernt.

Hintergrund

Dass aktuell immer noch einige Blätter auf den Bäumen sind, erklärt Jan Boomers von der Biologischen Station Mittlere Wupper damit, dass die Wasserversorgung der Bäume in diesem Jahr wieder etwas besser war. „In den Jahren 2018, 2019 und 2020 haben zahlreiche Laubbäume aufgrund der extremen Trockenheit ihre Blätter zum Schutz vor weiterer Austrocknung durch Transpiration vorzeitig abgeworfen. Dieses Jahr ist der Laubfall wieder einigermaßen normal“, erklärt Boomers im Gespräch mit unserer Zeitung.

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