Corona-Krise

Langer Weg durch Antragsinstanzen

Vater Jens Henning und Mutter Kerstin Wenzel freuen sich über die Genehmigung der Einzelfallhelferin von Sohn Lasse. Foto: Christian Beier
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Vater Jens Henning und Mutter Kerstin Wenzel freuen sich über die Genehmigung der Einzelfallhelferin von Sohn Lasse.

Nach knapp vier Wochen darf Lasses Einzelfallhelfer nun bei den Hausaufgaben unterstützen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Kerstin Wenzel und Jens Henning konnten am vergangenen Freitag endlich aufatmen: Der erlösende Anruf vom Stadtdienst Soziales beendete die inzwischen von ihnen als Odyssee empfundene Reise von Antrag zu Antrag, von Zuständigkeit zu Zuständigkeit. Nun ist klar: Jessica, die langjährige Einzelfallhelferin von Sohn Lasse, der von ihr in der Leichlinger Paul-Klee-Schule betreut wird, darf ihm nun auch bei den täglichen Hausaufgaben helfen.

Durch eine Dame im Jugendamt, Teil des inzwischen umfangreichen Netzwerkes rund um die Belange von Lasse, war überhaupt der Gedanke entstanden, auf diese Weise entlastet zu werden. „Wir wussten gar nicht, dass diese Möglichkeit besteht“, sagt Kerstin Wenzel. Der Bedarf ist groß. Auch Lasses Brüder Fynn (12) und Mika (8), Fals-, bzw. Montessori-Schüler, brauchen elterliche Zuwendung und Hilfe bei ihrem Online-Unterricht – neben dem eigenen Home-Office.

Doch die Antragsstellung entpuppte sich als schwieriger als erwartet. Ansprechpartner war ab dann Peter Otto, Sachgebietsleiter der „Besonderen Hilfen“ im Stadtdienst Soziales, der nahezu täglich neue Formalien geklärt haben wollte. Die Schule musste den genauen Förderbedarf erstellen, der Zeitumfang war zu benennen und auch der Antrag auf personelle Hausaufgabenhilfe musste erneut gestellt werden. Zuletzt flatterte nun der Bescheid ins Haus, ohne vorliegendes Corona-Konzept gehe das alles gar nicht – am darauffolgenden Tag kam endlich die Bewilligung.

„Man kommt sich vor wie ein Bittsteller.“
Vater Jens Henning

Bei Lasses Eltern lagen die Nerven allmählich blank. „Die Art, fast täglich neue Hürden genannt zu bekommen und das mit Schreiben, in denen zwischen den Zeilen beinahe so etwas wie Missbilligung mitschwingt, dass wir überhaupt so etwas beantragen, ist einfach nur belastend“, sagt Jens Henning. „Man kommt sich vor wie ein Bittsteller.“

Der 17-jährige, schwerstbehinderte Lasse hat seine Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung seit Mitte März nicht mehr besucht. Seine Lehrer versorgen ihn mit Lernstoff, der sich bei seiner Cerebralparese und der dadurch bedingten Fesselung an einen Rollstuhl sowie fehlender Sprache als Kommunikationsmittel komplett von „normalen“ Hausaufgaben unterscheidet. Bei Lasse geht es zum Beispiel um E-Rolli-Training und ganzheitliche Förderung von Bewegungsabläufen oder Muskelstabilisation.

Zunächst seien durch die völlige Kontaktsperre Hausbesuche in den Familien nicht möglich gewesen, erläutert Stadtsprecherin Sabine Rische die Vorgehensweise der Stadt. Nun seien andere Konzepte erarbeitet worden. „Jetzt, mit neuer Erlasslage vom Land, konnte nun innerhalb der Verwaltung eine Lösung entwickelt werden, die den individuellen Bedarfen gerecht wird, rechtlich sicher ist und für die nächste Zeit Bestand haben kann.“ So solle es Familien so einfach wie möglich gemacht werden, auf Wunsch die notwendige Unterstützung beim Homeschooling zu bekommen. Lösungen könnten dadurch jetzt auch kurzfristig greifen.

Rechtliche Lage

Ein Anspruch auf einen Integrationshelfer nach dem SGB XII kann bestehen, wenn ein Kind mit einer körperlichen, geistigen oder mehrfachen Behinderung ohne eine individuelle Unterstützung nicht am Schulunterricht teilnehmen kann. Das Sozialamt entscheidet in enger Zusammenarbeit mit der Schule darüber, ob eine individuelle Einzelbetreuung im Unterricht notwendig ist.

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