Ortsvorsitzender der Ortsbauernschaft

Landwirt Karl-Otto Dickhoven: „Ernte hat vom feuchten Mai profitiert“

Milchbauer Karl-Otto Dickhoven hat auf seinem Hof in Landwehr zurzeit alle Hände voll zu tun. Foto: Christian Beier
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Milchbauer Karl-Otto Dickhoven hat auf seinem Hof in Landwehr zurzeit alle Hände voll zu tun.

Landwirt Karl-Otto Dickhoven zieht für die Erträge eine positive Bilanz.

Von Kristin Dowe

Herr Dickhoven, über das Wetter im Mai und die darauffolgende Ernte gibt es ja so manche Bauernregel. Können Sie eine zum Besten geben?

Karl-Otto Dickhoven: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Regenfass.“ Den kennen Sie bestimmt.

Hat die Regel dieses Jahr recht behalten?

Dickhoven: Grundsätzlich stimmte der Spruch schon. Der Mais, die Rüben und das Getreide stehen gut auf dem Feld. Auch die Futtersituation ist zurzeit zufriedenstellend und wir haben schon das Heu gemäht. Das Wetter ist da im Moment für uns günstig, denn es ist zwar warm, aber immer noch gelegentlich etwas bedeckt. Insofern hat die Ernte vom feuchten Mai profitiert.

Was meinen Sie damit?

Dickhoven: Wenn Sie sich mal die Bäche im Bergischen und speziell bei uns in Landwehr anschauen oder einen Spaziergang durch den Wald machen, werden Sie feststellen, dass die Wasserversorgung noch lange nicht ausreichend ist. Vor allem die Bäume haben zu wenig Feuchtigkeit, insbesondere die Nussbäume, was auch mit den kühleren Temperaturen in den vergangenen Wochen zu tun hat.

Was ernten die Bauern im Moment?

Dickhoven: Was unseren Hof betrifft, haben wir den ersten und zweiten Schnitt Grassilage – also Futtermittel für die Kühe – schon im Silo eingelagert und der dritte Schnitt steht jetzt an. Im Vergleich mit den Vorjahren befinden wir uns da zurzeit auf einem normalen Niveau.

Wenn Sie die anhaltende Trockenheit ansprechen – welche Folgen spürt die Landwirtschaft durch den Klimawandel?

Dickhoven: Wir haben drei wirklich schlimme Jahre hinter uns. 2018 war noch recht gut auszuhalten, weil das Vorjahr in Bezug auf die Futterversorgung recht solide ausgefallen war. 2019 hatten wir einen sehr schlechten Mai, weil überhaupt kein Regen fiel und dementsprechend mager sah auch die Grünfutterernte aus. Das hat entscheidend mit dem Klimawandel und besonders mit der Industrialisierung zu tun. Die war mal ein Segen für uns und entwickelt sich zunehmend zu einem Fluch. Wir sind einfach zu viele Menschen auf der Welt, die Autos müssten weg, all diese Aspekte spielen eine Rolle. Die Coronakrise hat uns das vor Augen geführt, denn die Pandemie war für die Umwelt eine Erleichterung. Der Flug- und Autoverkehr haben in dieser Zeit abgenommen, so dass die Natur sich endlich mal erholen konnte. Auch die Luftqualität hat sich verbessert. Wir Landwirte spüren das in besonderer Form, weil wir uns nun mal von Berufs wegen her viel mit dem Wetter beschäftigen.

Waren die Wetterverhältnisse früher anders?

Dickhoven: Wenn ich an die 70er und 80er Jahre zurückdenke, war es im Juni drei Tage brütend heiß und 14 Tage später folgte wieder Gewitter. Dann kam wieder eine Regenperiode und darauf folgte wieder eine Schön-Wetter-Periode. So hat sich das über Jahre hingezogen. Rudi Carrell hat das Phänomen ja sogar mal besungen mit seinem Song ,Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?’. Für uns Landwirte war das Wetter damals ideal, wenngleich es manchmal auch zu viel Regen gab. Etwa 2003 gab es beim Wetter einen Wendepunkt, so dass der Sommer oft glühend heiß war und die Sonne geradezu brannte. Die Thermik lädt sich unheimlich auf. Das ist eine problematische Entwicklung – für die Natur und speziell auch für die Landwirtschaft.

Welche Arbeiten stehen bei den Bauern im Bergischen sonst noch an?

Dickhoven: Jetzt steht erst mal die Heuernte auf dem Programm und Mitte bis Ende Juli folgt dann die Wintergerstenernte und anschließend im August der Weizen. Wir haben auf unserem Hof keine Erdbeeren, aber ich kann sagen, dass die Erdbeeren sich durch die kühlen Temperaturen im April und Mai zwar später entwickelt haben, dafür aber jetzt voll ausgereift sind. Die Früchte sind schön und rund, da können die Erdbeerbauern zufrieden sein.

Sie sind Milchbauer und haben in der Vergangenheit immer wieder die aus ihrer Sicht zu niedrigen Milchpreise kritisiert. Wie ist die Situation momentan?

Dickhoven: Die Milchpreise sind in den letzten Monaten bei unserer Molkerei angezogen und ziehen auch noch weiter an. Das begrüße ich sehr. Der Liter Milch liegt zurzeit bei 36 Cent und der Grundpreis bei unserer Molkerei bei 31, 5 Cent. Abhängig von den Inhaltsstoffen, dem Fettgehalt und der Qualität können wir bei unserer Molkerei einen Auszahlungspreis von 36 Cent erzielen. Da ist zwar immer noch nicht zufriedenstellend, aber unser Ertrag hat sich mit dem jetzigen Preis schon gebessert.

Was müsste sich politisch verändern, um die Arbeitsbedingungen der Landwirte zu verbessern?

Dickhoven: Das kann ich kaum in zwei Sätzen zusammenfassen. Ein Beispiel ist, dass die Europäische Union Mittel an die Bauern in Form von sogenannten Hektarprämien ausschüttet. Dieses Geld brauchen wir produzierenden Landwirte, um unsere Produktionskosten damit abzudecken. Aber diese Mittel fließen immer mehr zu den Grundstückseigentümern. Dabei besitzen längst nicht alle Landwirte auch viel Land – wir haben beispielsweise 90 Prozent unserer Flächen gepachtet. Da entwickelt sich der Markt immer stärker zugunsten der Grundstückseigentümer, was für viele Bauern schwierig ist, da die Bodenpreise gleichzeitig um das Vierfache gestiegen sind. Da müsste sich etwas ändern.

Was tun die Bauern, um Landwirtschaft und Naturschutz besser miteinander zu vereinbaren?

Dickhoven: Da passiert schon einiges. Beispielsweise legen wir an den Feldern Blühstreifen an, wo sich die Insekten besonders wohlfühlen. Das ist nicht nur was fürs Auge, da freut sich auch die Natur.

Zur Person

Karl-Otto Dickhoven ist Ortsvorsitzender der Ortsbauernschaft Solingen. Er betreibt gemeinsam mit einem seiner drei Söhne einen Milchviehbetrieb in Landwehr, auf dem er circa 200 Milchkühe hält. Die bewirtschaftete Fläche dient ausschließlich der Futtermittelproduktion.

Es geht einmal mehr ums Geld: Auch Landwirte müssen derzeit höhere Kosten schultern. Da zählt jeder verdiente Cent, um den gerade die Milchviehbetriebe besonders kämpfen.

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