Landgericht

Gericht bescheinigt Angeklagten „asoziales Verhalten“

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Pfarrer geschubst und geschlagen: Ein früheres Urteil gegen drei junge Männer wird bestätigt.

Von Dirk Lotze

Solingen. Nach Schlägen gegen einen Pfarrer in Merscheid hat das Landgericht Wuppertal ein früheres Urteil des Solinger Amtsgerichts gegen drei Angeklagte in allen wesentlichen Teilen bestätigt. Zwei 23 und 26 Jahre alte Männer zahlen 1800 beziehungsweise 2700 Euro Strafe, ihre jeweiligen Einkünfte von drei Monaten. Der Dritte (21) muss für drei Wochen in Jugendarrest; er war zur Tatzeit 19 Jahre alt und hatte mit einem Handy selbst gefilmt, wie die Gruppe ihr Opfer in einem Hausdurchgang schubste.

Die Aufnahme legten die Männer über einen ihrer Anwälte dem Gericht vor – in der Annahme, sie würden sich damit vom Vorwurf des Prügel-angriffs entlasten. Sie erreichten das Gegenteil. Für die Richterinnen und Richter kommentierte der Vorsitzende: „Das Video zeigt zutiefst asoziales Verhalten.“ Und ja, diese Worte habe er mit Bedacht gewählt.

Laut dem nun feststehenden Urteil arbeiteten die drei Angeklagten am Tattag im April 2020 in einem Hinterhof an der Weyerstraße, wo zwei von ihnen wohnten. Der Pfarrer wollte Geflüchtete in einem der anliegenden Häuser besuchen. Sie wurden von ihm betreut. Die Auseinandersetzung begann, als der Jüngste der drei Männer den Geschädigten mit „Schwulenpfarrer“ beschimpfte. Es folgten mehrfach Aufforderungen „Geh!“ in drohendem Ton. Das Video endet, nachdem einer der Beteiligten den Pfarrer so heftig an der Schulter schubst, dass der strauchelt. Der Aussage des Geschädigten zufolge bedrängten ihn die drei aufs Engste. Einer habe ihm einen Fausthieb in den Magen versetzt, bevor er flüchten konnte.

Im Landgericht verdeutlichte der Vorsitzende: „Das ganze Verfahren läuft rechtlich auf eine Frage hinaus: Zeigt das Video mit dem Schubsen eine Körperverletzung? Ich habe mir das nicht einmal angeguckt, sondern zehnmal. Wir haben das im erweiterten Kollegenkreis angesehen und wir sind der einhelligen Meinung: Ja.“ Die Situation sei so eindeutig, dass er sich gefragt habe, ob womöglich jemand unabsichtlich das falsche Video ans Gericht geschickt habe.

Die Angeklagten haben ihre Strafen angenommen. Für den Ältesten milderte das Landgericht den Geldbetrag um ein Drittel, weil er seit der ersten Verhandlung arbeitslos geworden ist.

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