Angeklagter nimmt Berufung zurück

Ein Jahr Haftstrafe für Griff an den Po

Außergewöhnliches Ende am Landgericht in Wuppertal.
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Außergewöhnliches Ende am Landgericht in Wuppertal.

Mit einem außergewöhnlichen Ende hat das Landgericht in Wuppertal einen Strafprozess um sexuelle Belästigung am Solinger Hauptbahnhof abgeschlossen.

 Von Dirk Lotze

Solingen. Der vorbestrafte Angeklagte (39) aus der Innenstadt nahm seine Gefängnisstrafe von einem Jahr ohne Bewährung an. Durch die Untersuchungshaft hatte er die Strafe bereits bis auf vier Wochen verbüßt.

Sein Anwalt und der Vorsitzende versuchten mehr als 20 Minuten, ihm seine Situation im Verfahren begreiflich zu machen: Dass weiter zu verhandeln zwecklos war. Schließlich fasste der Richter in bewusst schlichten Worten zusammen: „Sie haben der an den Po gefasst. Das haben Sie auch zugegeben, und dafür sind Sie bestraft worden. Wo ist jetzt noch das Problem?“ Darauf nahm der Angeklagte seine Berufung zurück.

Die Jugendlichen versuchten, den Angeklagten zur Rede zu stellen

Mit dem Verfahrensschluss steht rechtskräftig fest, dass der 39-Jährige im September 2020 am Hauptbahnhof zwei Jugendliche zunächst belästigte, indem er sie anstarrte. Nach einer Weile bat er sie um Hilfe beim Fahrkartenkauf. Das lehnten sie ab, weil ihnen bei seinem Verhalten unwohl war. Der Mann entfernte sich kurz, kehrte aber zurück und streifte im Bahnhofstunnel absichtlich eng an den Jugendlichen vorbei. Dabei kam es zum Griff an das Gesäß einer der Geschädigten. Beide Jugendliche versuchten, den Angeklagten zur Rede zu stellen. Der jedoch flüchtete und wurde kurz darauf festgenommen.

Der Angeklagte lebte bis zur Haft bei seiner Mutter, befand sich wegen psychischer Erkrankung in Behandlung und ist seit zehn Jahren mehrfach vorbestraft. Anfangs ging es um Beleidigungen; die Taten steigerten sich mit der Zeit. Er gilt als voll schuldfähig.

Für eine vollständige Berufung müssten die Geschädigten noch einmal aussagen, stellte der Richter fest und fügte hinzu: „Ich werde jetzt nicht die Mädels noch mal kommen lassen. Das tut denen auch nicht gut.“ Und selbst wenn: Der nächste, mögliche Termin wäre in einigen Wochen. Bis dahin wäre die Strafe vollständig erledigt.

Fazit des Richters: „Wenn er dann die nächste Sache nicht rechtskräftig hat, kommt er raus. Kann er neue Straftaten begehen.“ Das Landgericht erläuterte nach der Sitzung auf Anfrage: Der Richter habe sich darauf bezogen, dass nach dem Lebenslauf und der Persönlichkeit des Angeklagten zu befürchten ist, dass er sein Verhalten nicht ändern wird.

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