Deshalb bleibt Solingen in der Inzidenzstufe 2

Land ändert Verordnung: Corona-Regeln werden nicht verschärft

Hygieneregeln sollten eingehalten werden.
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Hygieneregeln sollten eingehalten werden.

Das Land ändert die Verordnung, deshalb bleibt Solingen in der Inzidenzstufe 2.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die erlösende Nachricht kam am Mittag. Da teilte das Land mit, dass die Inzidenzstufe 3 für ganz Nordrhein-Westfalen bis zum 19. August ausgesetzt wird. Zu befürchten war bis dahin, dass für Solingen ab Samstag die strengeren Regeln der Stufe 3 gelten könnten. Am Donnerstag hatte die Klingenstadt mit einer Inzidenz von 50,2 zwar knapp, aber den achten Tag in Folge über dem Grenzwert von 50 gelegen. Die Gefahr von Verschärfungen droht zumindest für die kommenden drei Wochen nicht mehr.

„Aufgrund der geringen Zahl schwerer Krankheitsverläufe und Krankenhauseinweisungen erfolgt vorläufig bis zum 19. August keine Zuordnung zur Inzidenzstufe 3“ lautet jetzt die Ergänzung in der geänderten Coronaschutzverordnung. Auch in Solingen ist die Zahl der in den Kliniken behandelten Covid-19-Patienten – am Donnerstag waren es vier – seit Wochen auf einem sehr niedrigen Niveau.

Die Solinger Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne), die derzeit Rechtsdezernent Jan Welzel (CDU) vertritt und seit Tagen im intensiven Gespräch mit dem NRW-Gesundheitsministerium ist, zeigte sich erleichtert über die Entscheidung der Landesregierung. Sie freue sich insbesondere für die Solingerinnen und Solinger in der Gastronomie, im Sport oder im Kulturbereich, dass allen die Inzidenzstufe 3 mit ihren weitgehenden Einschränkungen erspart bleibe.

Solingen: Innengastronomie darf geöffnet bleiben

„Nach den langen coronabedingten Schließungen und dem Hochwasser vor 14 Tagen hätten die Einschränkungen einen erneuten harten Nackenschlag für unsere Gastronomiebetriebe bedeutet, insbesondere in den Hochwassergebieten an der Wupper“, erklärt die Dezernentin. Inzidenzstufe 3 bedeutet nämlich, dass unter anderem Innenbereiche der Gastronomie wieder hätten schließen müssen. „Bei dem derzeitigen regnerischen Wetter wäre eine ausschließliche Außenöffnung nicht praktikabel gewesen“, so Becker.

Auch Museumsbesuche nur mit Terminbuchung kämen nach den bisherigen Erfahrungen einer Schließung gleich. Der Amateursport wäre von Einschränkungen ebenso stark und unangemessen betroffen, Vereinstraining nicht mehr möglich gewesen. All das bliebe der Klingenstadt in Inzidenzstufe 2 erspart: „Als Sportdezernentin bin ich besonders froh darüber, dass Klingenhalle und Familienbad Vogelsang geöffnet bleiben.“

Auch in den Unternehmen, die seit Tagen mit Blick auf die Inzidenz gebangt haben, gab es große Erleichterung. „Diese Nachricht ist absolut gut und wichtig, weil sie den Gastronomiebetrieben Planungssicherheit gibt“, betont Petra Meis, Solinger Dehoga-Vorsitzende und Inhaberin der Gaststätte Rüdenstein.

Die Entscheidung helfe den Gastwirten sehr. „Es geht ja nicht nur darum, die Reservierungen einhalten zu können, wir brauchen auch Planungssicherheit beim Einkauf und bei Anfragen für kleinere Gesellschaften“, erklärt Meis. Denn die Verunsicherung sei auch bei den Gästen deutlich spürbar. „Angesichts der Diskussion der vergangenen Tage haben gerade ältere Gäste ihre Reservierung für runde Geburtstage oder Goldhochzeiten für das kommende Wochenende abgesagt.“

Auch in den Fitnessstudios, die bei Stufe 3 wieder hätten schließen müssen, ist die Erleichterung groß. Lars Buschmann, geschäftsführender Gesellschafter des Sportparks Landwehr, hatte sogar eine Klage vorbereitet. „Aber das, was ich erreichen wollte, ist ja jetzt eingetreten“, ist der Geschäftsmann zufrieden. „Die Stufe 3 mit ihren Konsequenzen wäre in der jetzigen Situation total überzogen gewesen.“ Die Frist bis zum 19. August sei zwar immer noch kurz, aber ein Anfang. „Ich hoffe, dass es bis dahin bundesweit neue Regeln zur Einordnung der Corona-Situation gibt“, so Buschmann. „Sonst würde ich meine Klage wieder aktivieren.“

Dass bis auf weiteres die 3G-Regeln in Fitnessstudios ebenso wie bei der Innengastronomie gelten – also nur Geimpfte, Genesene oder Getestete eingelassen werden – damit können alle gut leben. „Nur nicht wieder schließen“, so Petra Meis. | Standpunkt

Die Regeln der Stufe 2 in der Übersicht: www.solinger-tageblatt.de/coronaregeln

Genesenen-Zertifikat

Impfzentrum: Wer von Covid-19 genesen ist, konnte den QR-Code für den digitalen Impfausweis gegen Vorlage des positiven PCR-Tests oder des Impfnachweises bei Apotheken oder niedergelassenen Ärzten erhalten. Ab sofort können die Genesenen-Zertifikate auch im Solinger Impfzentrum erstellt werden. Das gilt sowohl für die „einfache“ Genesung als auch für die erste Impfung danach. Vorgelegt werden muss ein positives Testergebnis, das mindestens 28 und höchstens 180 Tage alt ist, und der Personalausweis. Das Impfzentrum ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet (nicht 2. und 3. August).

Standpunkt: Mit dem Virus leben

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Die Entscheidung des Landes, auch bei etwas gestiegener Inzidenz nicht wieder in Gastronomie, Sport und Kultur die Lichter auszuschalten, ist absolut richtig – entsprechend groß ist die Erleichterung bei den betroffenen Unternehmen. Nicht nur die Gastronomen, Sportvereine oder Fitnessstudios haben jetzt zumindest bis zum 19. August Planungssicherheit. Auch für Besucher und Gäste war das tägliche Hin und Her mit stets bangem Blick auf die Inzidenzzahl nicht zumutbar. Auf eine einzelne Stadt oder einen Kreis bezogen, ist die Höherstufung samt strengerer Regeln auch nur bedingt tauglich im Kampf gegen Corona. Denn wenn die Gäste dann die Restaurants und Einrichtungen in den Nachbarstädten aufsuchen – wo es entsprechend voller wird – ist niemandem geholfen. Bleibt zu hoffen, dass die NRW-Entscheidung, für die sich auch die Solinger Stadtspitze im Land stark gemacht hat, bei den anstehenden Gesprächen auf Bundesebene als Muster gelten kann. Der neue Weg, mit dem Coronavirus zu leben, muss jetzt eingeschlagen werden – zügig, vernünftig, wachsam und mit Planungssicherheit.

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