Ausstellung

Künstler schwebt eine Stunde in Salzwasser

Till Bödecker stellte im Kunstmuseum seinen Think-Tank – die große, weiße Denk-Box – Schülern der 2. Klasse der Grundschule Gerberstraße vor. Das machte er als kindgerechte Performance. Bödecker ist mit der Arbeit „Think outside the box“ in der 74. Internationalen Bergischen Kunstausstellung vertreten, die noch bis zum 1. November läuft. Fotos: Christian Beier
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Till Bödecker stellte im Kunstmuseum seinen Think-Tank – die große, weiße Denk-Box – Schülern der 2. Klasse der Grundschule Gerberstraße vor. Das machte er als kindgerechte Performance. Bödecker ist mit der Arbeit „Think outside the box“ in der 74. Internationalen Bergischen Kunstausstellung vertreten, die noch bis zum 1. November läuft.

Schüler der Grundschule Gerberstraße erlebten Performance von Till Bödecker im Kunstmuseum.

Von Philipp Müller

Solingen. Till Bödecker stellte sich im Kunstmuseum den Schülern der 2. Klasse der Grundschule Gerberstraße: „Ich bin Till, das ist mein Kunstwerk.“ Das hatten die Schüler natürlich gewusst und so kam sofort die Frage zum weißen Tank: „Ist das eine Badewanne?“ Der Wuppertaler sagte: „Fast.“ Dann erklärte er den Kindern, was es mit dem Kunstwerk „Think outside the box“ – denke außerhalb der Box – zu tun hat. Er werde in den Tank steigen, die Türe schließen und im Salzwasser schweben. Dann werde er sich von seinen Gedanken treiben lassen.

Think-Tank und Performance sind Teil der 74. Internationalen Kunstausstellung im Kunstmuseum in Gräfrath. 16 Einzelkünstler und Gruppen wurden von einer Fachjury vorab für die Schau ausgewählt. Offensichtlich die richtigen, denn Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut zeigte sich mehr als zufrieden mit den Besucherzahlen. Am Wochenende sei die Zahl so hoch gewesen, dass man fast den kritischen Bereich erreicht hatte, den die Corona-Regeln für das Haus erlauben. Als Konsequenz gibt es jetzt sonntags (siehe Kasten) eine zweite Führung.

Exklusiv hatten die Schüler der Gerberstraße die Ausstellung. Und sie waren mit der Erklärung des Künstlers zunächst nicht zufrieden. Geduldig beantwortete er alle Fragen. „Was ist da für Wasser drin?“ 150 Liter seien es, sagte Bödecker, darin habe er 150 Kilo Salz aus fünf Säcken aufgelöst. Das habe mehr als zwei Stunden gedauert. Die Direktorin steht dem Künstler zur Seite. Sicher hätten die Kinder schon einmal vom Toten Meer in Israel gehört, da sei der Salzgehalt auch so hoch. „Da schwimmt man im Wasser ganz oben“, erklärt sie.

Bevor der Künstler ins Salzwasser stieg, erklärte er den Kindern den Sinn seines Kunstwerks und wie er den dunklen Raum erleben wird.

Nächster Punkt. „Wie bekommst du da Luft?“ Mit einem Gebläse funktioniere das – und der Künstler verweist auf einen silberfarbenen Rüssel an einem Ende der Denk-Box. Ob der Tank schwer sei, wollte ein Schüler wissen. „Der ist aus Polyester, den kann man mit drei Männern tragen“, erklärte Till Bödecker. „Wie kommst Du da rein?“ Mit einer Leiter. Er führt das kurz vor und lädt die Kinder dazu ein, selbst einen Blick in die Seele des Kunstwerks voller Salzwasser zu werfen. Artig mit Maske und der Reihe nach machen die Kinder das.

Dazwischen gibt es weitere Fragen. Bödecker erklärt, dass seine Kunst anders sei, als die Kinder sie kennen würden. „Videos und Bilder könnt ihr euch anschauen. Mein Kunstwerk muss man erleben.“

„Wenn ich aus dem Tank steige, fühle ich mich neugeboren.“
Till Bödecker, Künstler

Und dann erzählt er, was er gleich machen werde. „Wenn ich im Tank bin, dann schwebe ich im Wasser.“ Sobald die Türe geschlossen sei, herrschen totale Dunkelheit und totale Isolation. Dann würden seine Gedanken einfach fließen. Überhaupt findet er, dass jeder Besucher das Erlebnis einmal genießen sollte. Denn das Ergebnis sei unbeschreiblich schön. „Wenn ich aus dem Tank steige, fühle ich mich wie neugeboren.“

Dann steigt er die Leiter hoch, befreit sich vom Bademantel, schaut nochmals in die Runde und erwartungsfrohe Kinderaugen. Langsam schließt er die Klappe. Ganz ruhig ist es plötzlich. Die Lehrerin wartet einen Augenblick und fragt, wer denn alles in den Salzwasser-Tank steigen würde. Es ist knapp die Hälfte. Warum? Einer sagt es ganz offen und fasziniert: „Ich will auch neu geboren werden.“

Jetzt wartet die museumspädagogische Unterrichtung der Kinder, was Kunst denn eigentlich so ist. Derweil schwebt Bödecker im Tank. Luft für die Museumsdirektorin, nochmals zu erklären, wie viel Spaß ihr die Arbeit mit den Kindern mache. Mit Unterstützung der Stadt-Sparkasse Solingen werden die Schulführungen organisiert. Auch das Jahresprogramm für junge Besucher wird von ihr finanziert.

Zurück am Tank. Die Kinder warten sitzend und gespannt auf ihren Till. Die Klappe geht auf. „Wie lange war ich drin?“ Es war eine Stunde. Und? Sieht er neugeboren aus? Nein, aber tiefenentspannt und müde um die Augen. „Die Gedanken haben sich nur so aneinandergereiht“, erzählt er euphorisch.

74. Bergische Kunstausstellung

Laufzeit: Noch bis einschließlich 1. November wird die Schau mit Kunst von 16 Künstlern im Kunstmuseum, Wuppertaler Straße 160, gezeigt. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Führungen: Sonntags gibt es wegen der hohen Besuchernachfrage um 11.15 Uhr und zusätzlich um 14 Uhr eine Führung, zu der eine Anmeldung unter Tel. 25 81 40 erwünscht ist, da sonst keine Teilnahmegarantie gegeben werden kann.

Unterstützung: Das Art Sponsoring des Museums begleitet die „Bergische“. Die National-Bank stiftet den Internationalen Kunstpreis und die Stadt-Sparkasse Solingen den Publikumspreis durch die Besucher.

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