Naturschutz

Kröten haben es schwer am Caspersbroicher Weg

Wie groß die Gruppe ist, die den Kröten hilft, variiert täglich. Nicht nur BUND-Mitglieder machen mit. Fotos: Christian Beier
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Wie groß die Gruppe ist, die den Kröten hilft, variiert täglich. Nicht nur BUND-Mitglieder machen mit.

Weil das Konzept mit einem Folienzaun nicht funktioniert, sammeln Helfer am Stiehls Teich die Amphibien per Hand auf

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Im Eimer von Sibylle Hauke quakt es leise. Eine Kröte hat die Vorsitzende des BUND-Solingen-Kreisverbands in der letzten halben Stunde von der Caspersbroicher Straße eingesammelt und im Grünstreifen auf der Höhe Einmündung Prinzenstraße wieder ausgesetzt. „Gestern hatte ich um diese Uhrzeit schon an die 80 Tiere“, sagt sie und vermutet, dass der trockene Vorfrühlingsabend die Wanderlust nach den Laichplätzen am Stiehls Teich ausbremst.

„Für morgen ist Regen angesagt, das mögen die Amphibien lieber“, erklärt Sabine Vogel. Auch die zweite BUND-Vorsitzende ist, wie die anderen fünf Helfer, mit Eimer und Taschenlampe unterwegs, um seit der Dämmerung an der Straße parallel zur Bahnstrecke „Patrouille“ zu laufen. Es gilt, die gemächlich krabbelnden Kröten rechtzeitig vom Asphalt zu sammeln, bevor ein Auto sie erwischt.

Solingen: Bei unter 5 Grad bleiben die Kröten in ihren Winterquartieren

Das macht sie nun im fünften Jahr mit Beginn der Laichzeit. Wochenlang, jeden Abend, wenn die Helligkeit schwindet und sich die Kröten auf den Weg machen. So lange, bis in den späten Abendstunden der Verkehr spürbar nachlässt. „Natürlich nur, wenn die Temperatur stimmt“, erläutert Vogel. „Es müssen mehr als fünf Plusgrade herrschen, sonst bleiben die Tiere in ihren Winterquartieren, wo sie sich vor der Kälte verkrochen haben.“ Anlass für ihren ehrenamtlichen, inzwischen nimmermüden Einsatz war, dass sie vor Jahren bei ihren Hunde-Runden massenhaft tote Kröten auf dem Caspersbroicher Weg entdeckt hatte. „Ihre Winterverstecke liegen offenbar jenseits der Bahnstrecke, das heißt, die Tiere überqueren erst die Schienen und dann die Straße auf ihrer Wanderung zum Stiehls Teich“ sagt sie. Der klassische Krötenzaun funktioniere hier leider nicht, weil die Strecke schlichtweg zu lang und damit zu unüberschaubar sei. Folglich bliebe nur das tägliche Einsammeln mit der Hand.

Solingen: Eine Straße ist für die Kröten ohne Hilfe kaum zu überwinden

Die Helfer-Trüppchen-Größe variiert täglich. „Wir machen keinen festen Zeitplan, durch Corona dürfen ja sowieso nicht alle zusammen gehen, sondern jeder spürt die Tiere mit Lampe und Eimer für sich auf. Lucia und Fabienne (16 und 13) kommen gerade mit ihren Fahrrädern angeradelt. Sie sind – wie Frithjof Janssen auch – keine BUND-Mitglieder, aber machen gerne mit.

Beim Einsammeln mit der Hand tragen manche Handschuhe – andere nicht. Das hängt vom persönlichen Empfinden ab.

Eine Autostraße sei für langsame Kröten ohne Hilfe kaum zu überwinden. Die Bahngleise würden von vielen Tieren buchstäblich unterwandert und könnten so bewältigt werden, sagt Frithjof Janssen. „Aber einige sterben auch auf den Schienen.“ Auch Gullys sind oft tödliche Fallen: Wenn die Amphibien durch die Gitter in die Gruben stürzen, kommen sie nicht mehr allein heraus und vertrocknen oder verhungern. Gottlob sei da inzwischen bei vielen ein Netz eingearbeitet worden, sagt Sabine Vogel dankbar. „Es gelingt seit Jahren immer besser, die Wichtigkeit von Naturschutz zum Thema an offiziellen Stellen zu machen, und so bekommen wir Umwelt-Organisationen inzwischen viel mehr Hilfe.“

Trotzdem hat sie schon im letzten Jahr einen massiven Rückgang der Kröten- Zahlen beobachtet. „Als ich mit dem Einsammeln hier angefangen habe, waren es rund 1400 Kröten, die wir in Eimern auf die andere Seite getragen haben, letztes Jahr nur nicht etwas mehr als 700.“ Der Klimawandel mit seiner zunehmenden Trockenheit setzt den Amphibien zu.

Klimawandel

Durch den Klimawandel hat sich der Startschuss für die Laichwanderung peu à peu nach vorne verlagert. Erwachten in früheren Jahren Kröten erst Mitte März aus ihrer Winterstarre, kommt das inzwischen mitunter schon Anfang Februar vor. Auch Frösche oder Lurche wandern im Frühjahr, um ihre Eier in den Gewässern abzulegen, in welchem sie jeweils selbst geschlüpft sind. Nur sind etwa Frösche deutlich schneller als Kröten.

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