Corona-Hilfen

Krise rückt Steuerberater in den Fokus

Die Steuerberater Hans-Jürgen Wichelhaus (großes Bild) und Marcus Junga berichten, wie die Corona-Krise ihren Arbeitsalltag verändert hat. Fotos: Christian Beier/ Marcus Junga
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Die Steuerberater Hans-Jürgen Wichelhaus (dieses Bild) und Marcus Junga berichten, wie die Corona-Krise ihren Arbeitsalltag verändert hat.

Corona-Hilfen verursachen hohes Arbeitsaufkommen – Unternehmer haben viele Fragen.

Solingen. Hans-Jürgen Wichelhaus erinnert sich noch gut an den Moment, als er zum ersten Mal bewusst mit dem Thema Coronavirus in Kontakt gekommen ist. Bei einer Karnevalssitzung in Köln unterhielt er sich mit Henriette Reker, der Oberbürgermeisterin der Domstadt. „Sie hat gewarnt, dass eine sehr schwierige Zeit auf uns zukommt“, blickt der Solinger Steuerberater zurück. Wenig später begann der erste Lockdown und stellte auch den Alltag seiner Zunft auf den Kopf.

Die Pandemie beschert den Steuerberatern eine kaum gekannte Aufmerksamkeit, bestätigt Marcus Junga. Bei seiner JC Junga Consulting GmbH häuften sich die Anfragen, als Geschäfte, Restaurants und Co. im Frühjahr 2020 erstmals schließen mussten. „Die vielen Facetten dieser neuen Herausforderung haben bei unseren Mandanten verständlicherweise zu erhöhtem Gesprächsbedarf geführt“, erzählt Junga. Dabei ging es um grundlegende Themen der Unternehmensfinanzierung, fehlende Liquidität und Steuerstundungen.

Solingen: Steuerberater halben Unternehmen bei den Soforthilfen

Als schnelle und unbürokratische Unterstützung wurde die Corona-Soforthilfe angekündigt. Tatsächlich kam das Geld in den meisten Fällen zeitnah bei den Antragstellern an. „Das war eine kluge Maßnahme, um zunächst für kurzfristige Ruhe zu sorgen“, betont Wichelhaus. Mit dem Team seiner Kanzlei an der Neuenhofer Straße versuchte er, bei den drängendsten Anliegen Unterstützung zu bieten: Kurzarbeit, KfW-Schnellkredite, Gespräche mit Hausbanken und Vermietern. „Die Hoffnung bei allen war, dass im Sommer alles besser wird.“ So kam es auch. Ab Mitte Juni entspannte sich die Situation merklich – zunächst.

Beim Steuerberater Marcus Junga häufen sich die Anfragen.

Doch das Luftholen war nur von kurzer Dauer. Bald mussten sich die Steuerberater mit der Frage beschäftigen, wer seine Soforthilfe zurückzahlen muss. „Mit der November-, der Dezember- und den Überbrückungshilfen hat die Sache für uns dann richtig Fahrt aufgenommen“, berichtet Junga. Anders als bei der Soforthilfe können nur Rechtsanwälte, Wirtschafts- sowie vereidigte Buchprüfer die Anträge auf diese Unterstützungsangebote stellen. Und eben Steuerberater. Für Junga und seine Kollegen stieg der Arbeitsaufwand eklatant.

Trotzdem befürwortet der 54-Jährige den Schritt. „Ich habe den Parteien des Bundestags im März 2020 einen Vorschlag gemacht, eine Fixkostenförderung mit Antragstellung durch die Steuerberater einzuführen“, erzählt er. „Wir kennen die Zahlen unserer Mandanten.“ Auch Wichelhaus meint: „Die Parameter sind teilweise so komplex, dass den Unternehmen bisweilen der Gesamtüberblick fehlt.“

Und so herrscht bei den Steuerberatern seit Monaten Ausnahmezustand. Sie müssen Anträge stellen, die detailreichen Fragen ihrer Mandanten beantworten – und das Tagesgeschäft läuft nebenbei weiter. Vor diesem Hintergrund sei es sehr hilfreich, sagt Wichelhaus, dass die Abgabefrist für durch Steuerberater erstellte Steuererklärungen 2019 bis in den Sommer 2021 verlängert werden kann.

Was bleibt, ist eine gute Portion Unsicherheit.

Marcus Junga, Steuerberater

Inzwischen hat sich fast so etwas wie ein Pandemie-Alltag eingestellt. Dennoch betont Marcus Junga: „Was bleibt, ist eine gute Portion Unsicherheit bei allen Beteiligten.“ Mit jedem Politiker-Auftritt in Talkshows tauchen neue Fragen und Probleme auf. Die Experten müssen aufmerksam sein, um bei den Vorgaben auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

„Trotz aller Schwierigkeiten muss man aber sagen, dass die Unterstützung bislang gut funktioniert hat“, ist Wichelhaus überzeugt. Auch Junga erinnert daran, dass die aktuelle Situation für alle Beteiligten eine vollkommen neue Erfahrung ist: „Pandemie kann keiner – das ist eine Lernkurve für alle Beteiligten.“ Die zeige allerdings in die richtige Richtung. Beispiel Überbrückungshilfe I: Hier seien die Förderanforderungen zu hoch gewesen, viele Unternehmer durch Netz gefallen. Bei den nachfolgenden Programmen wurden die Hürden sukzessive herabgesetzt.

Trotz großer Not soll der Blick in die Zukunft gerichtet werden

Wie wirkungsvoll die Maßnahmen letztendlich waren, könne man ohnehin erst in einigen Jahren sagen, betont Junga. Aktuell ist der Solinger für viele Mandanten nicht nur Steuerberater, sondern auch Seelsorger und Gesprächspartner. Die Not sei, insbesondere im Handel, in der Kultur und Gastronomie, groß. Genau diese, vom Lockdown besonders betroffenen Branchen, brauchen eine Perspektive, sagt Wichelhaus. „Man muss die Menschen auffangen, ihnen Mut machen“, ergänzt der erfahrene Steuerberater. Doch bei aller berechtigten Sorge habe er festgestellt: „Der überwiegende Teil unserer Mandanten kann einiges aushalten und ist nicht so leicht unterzukriegen. Sie sind auch bei den gegebenen Unsicherheiten grundsätzlich positiv gestimmt.“

Damit das so bleibt, sei es essenziell, den Blick bereits heute in die Zukunft zu richten, unterstreicht Marcus Junga. Das Virus halte der Wirtschaft den Spiegel vor. Es gelte, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Dabei können wir als Steuerberater Impulsgeber sein.“

Steuerberater

Marcus Junga: Die JC Junga Consulting GmbH unterhält neben ihrem Sitz an der Friedrichstraße in Solingen noch einen zweiten Standort in Berlin. Das Team um Marcus Junga berät Privatpersonen, Unternehmen und steuerbegünstigte Organisationen in Steuerfragen.

Hans-Jürgen Wichelhaus: Seit 1995 ist der Diplom-Ökonom als Steuerberater in Solingen tätig. Zu seinen Mandanten zählen unter anderem das produzierende Gewerbe, Handels- und Serviceunternehmen, Privatpersonen sowie die Gastronomie.

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