Kriminalität

Kriminalbeamte informieren: Einbrecher schlagen auch am Tag zu

Die Polizisten und Polizistinnen (v. l.) Sonja Nolte, Marion Greune und Marco Fechner machten in Höhscheid auf Sicherheitslücken in Wohnungen aufmerksam. Foto: Christian Beier
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Die Polizisten und Polizistinnen (v. l.) Sonja Nolte, Marion Greune und Marco Fechner machten in Höhscheid auf Sicherheitslücken in Wohnungen aufmerksam.

Ein Seitenfenster ist geöffnet, doch viele Rollläden des Hauses sind geschlossen – ist hier jemand zu Hause?

Von Holger Hoeck

Solingen. „Das wollen wir mal überprüfen, denn die herabgelassenen Läden vermitteln den Eindruck, dass niemand daheim ist. Das offene Fenster wäre dann jedoch eine Einladung für jeden potenziellen Einbrecher“, sagte Kriminalhauptkommissar Marco Fechner und ging zur Eingangstür des Einfamilienhauses an der Wiener Straße im Stadtteil Höhscheid. Zu seiner Erleichterung öffnete eine junge Frau nach dem Klingeln die Tür, die sich allerdings über die Anwesenheit der drei Polizisten wunderte. „Wir wollten Sie nicht erschrecken, aber jetzt beginnt ja wieder die dunkle Jahreszeit. Das bedeutet leider auch eine Zunahme von Wohnungseinbrüchen, und wir möchten heute die Bewohner sensibilisieren, mehr auf sich, aber auch auf ihre Nachbarn zu achten“, beruhigte er.

Gemeinsam mit Bezirksdienstbeamtin Marion Greune und Kriminalhauptkommissarin Sonja Nolte zog Fechner durch das Wohnquartier, suchte das Gespräch mit Bürgern oder hinterließ bei Nicht-Anwesenheit Informationsmaterial in Form von Broschüren und Flyern. „Wir haben auch noch eine Postkarte, auf der wir uns aufgefallene Schwachstellen des Hauses oder der Wohnung vermerken können, und bieten dem Mieter oder Eigentümer dann bei Rückmeldung eine kostenfreie Sicherheitsberatung an“, erklärte Nolte, zugleich Opferschutz-Beauftragte für Wuppertal, Remscheid und Solingen.

Drei Bereiche umfassen die präventiven Maßnahmen, durch die jede Person einen individuellen Beitrag zum Schutz vor Einbrechern leisten kann. Zum sicherheitsbewussten Verhalten zählt etwa das Verschließen von Haus- und Wohnungstür trotz gegebenenfalls nur temporärem Fortseins. Hilfreich ist zudem, im privaten Reich bei Abwesenheit einen bewohnten Eindruck zu hinterlassen (etwa durch eine Lichtquelle).

„In der Regel muss es sehr schnell gehen.“

Marco Fechner, Kriminalhauptkommissar

Elementar ist der Einbau einer mechanischen Sicherheitstechnik wie etwa einer Alarmanlage, Videokamera oder eines biometrischen Scanners. „Die Leute können aber auch auf merkwürdige Situationen in ihrer Nachbarschaft achten. Und wenn man in Urlaub fährt, ist es immer gut, die Nachbarn hierüber zu informieren“, empfahl Polizeihauptkommissarin Marion Greune einer Anwohnerin.

An der nächsten Haustür war alles bestens. „Wir hatten vor 15 Jahren einen Einbruchsversuch und haben danach aufgerüstet. Dennoch ist es wichtig, noch einmal auf mögliche Versäumnisse hingewiesen zu werden“, dankte Jan Coblenz mit Frau Inga dem unerwarteten Besuch. Entgegen der weitläufigen Meinung würden viele Einbrüche auch bei Tageslicht passieren. „Die Hoch-Zeit ist dabei zwischen zehn und zwölf Uhr sowie von 16 bis 20 Uhr“, wusste Marco Fechner zu berichten, der zudem das vorherige Ausspähen eines Objekts eher als Ausnahme bewertet. Der Versuch eines Einbruchs würde maximal drei Minuten dauern. „Danach ist den Tätern das Entdeckungsrisiko zu hoch. In der Regel muss es ja sehr schnell gehen.“

Sollte doch jemand Opfer eines Einbruchs geworden sein, rät Sonja Nolte die Kontaktaufnahme zu ihrer Dienststelle. „Auch die Unterstützung durch eine Trauma-Ambulanz kann hilfreich sein, denn zweifellos ist es ein schlimmes Ereignis, nach dem Aufwachen festzustellen, dass jemand in der Wohnung war. Ganz zu schweigen von einer persönlichen Begegnung mit dem Täter.“ Die aufsuchenden Gespräche sind eingebettet in die landesweite Aktionswoche „Riegel vor! Sicher ist sicherer!“ zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität und finden heute ihre Fortsetzung in Wuppertal.

Fallzahlen

Die Fallzahlen beim Wohnungseinbruchdiebstahl befinden sich nicht nur in Solingen seit vier Jahren in Folge auf einem sinkenden Niveau (2016: 400 Fälle; 2020: 143 Fälle). Nahezu jeder zweite Einbruchsversuch scheiterte dabei an einer gut funktionierenden Sicherheitstechnik. Von den Einbruchsdelikten, die überwiegend eher in Mehrfamilienhäusern stattfinden, werden rund 14 Prozent aufgeklärt. Statistisch sind Tatverdächtige vorwiegend männlich und älter als 21 Jahre. Häufig reisen sie für ihre Taten von außerhalb an.

Letzte Woche drangen Unbekannte gewaltsam in eine Wohnung in der Margaretenstraße ein und stahlen Schmuck.

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