Engagement

Krieg und Inflation: Tiertafel ist gefragter denn je

Mareike Frambach (l.) spendete eine Palette mit 1000 Hundefutterdosen im Wert von über 4000 Euro – Bezirksbürgermeisterin Gundi Hübel (r.) half den Ehrenamtlern beim Ausladen.
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Mareike Frambach (l.) spendete eine Palette mit 1000 Hundefutterdosen im Wert von über 4000 Euro – Bezirksbürgermeisterin Gundi Hübel (r.) half den Ehrenamtlern beim Ausladen.

Eine Spende mit Spezialfutter füllt das Lager wieder auf – das wird dennoch immer leerer.

Von Jonathan Hamm

Solingen. Wenn das Geld beim Besitzer knapp ist, soll der Futternapf nicht leer bleiben – das hat sich die Tiertafel Solingen zum Ziel gesetzt. Neben Futter für Hunde, Katzen, Nager und Vögel hält die Ausgabestelle auch allerlei Zubehör und Spielsachen bereit. Und das für immer mehr Menschen – ohne ausreichend Spenden können die Ehrenamtlichen ihre Arbeit nicht stemmen.

Die Tiertafel richte sich an bedürftige Halter, die sich die Unterhaltskosten ihres Tieres nicht mehr leisten können, erklärt Sylvia Kurzbach. Der Verein wolle verhindern, dass die Tiere abgegeben werden müssen. „Jeder kann kommen“, betont sie.

Um sicherzustellen, dass die Menschen auf die Tiertafel angewiesen sind, müsse ein Nachweis der Bedürftigkeit erbracht werden. Dies könne zum Beispiel ein Bescheid der Arbeitslosigkeit, ein Rentennachweis oder der Solingen Pass sein. „Wir wollen dem vorbeugen, dass Leute kommen, die nicht bedürftig sind“, sagt Mareike Frambach, Gesellschafterin bei der Hardys Manufaktur, einem Solinger Tierfutterhersteller, und ehrenamtliche Helferin bei der Tiertafel. „Sonst kann man eben denen, die wirklich Hilfe brauchen, nicht helfen.“ Wer einen solchen Nachweis gerade nicht zur Hand habe, könne diesen aber auch nachreichen. Niemand werde abgewiesen, stellt sie klar.

„Die Menschen sind immer noch großzügig und hilfsbereit.“

Mareike Frambach, ehrenamtliche Helferin

Seit 2021 befindet sich die Ausgabe an der Broßhauser Straße. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass uns die Stadt Solingen die Räume kostenlos zur Verfügung stellt“, sagt Sylvia Kurzbach. Bezahlen müssen Bedürftige bei der Tiertafel nichts – lediglich ein Euro solle entrichtet werden. Daher sei der Verein auf Spenden angewiesen.

Umso mehr freute sich die Tiertafel in der vergangenen Woche über eine Lieferung der Hardys Manufaktur, die dankbar entgegengenommen wurde. „Wir kriegen Spenden von großen Futtermittelherstellern und müssen lediglich die Speditionskosten tragen“, berichtet Kurzbach. Gemeinsam füllten zahlreiche Unterstützer die Regale auf.

Die Arbeit in der Tiertafel ist für alle ehrenamtlichen Helfer eine Herzensangelegenheit. „Ungefähr 15 sind wir im Team“, erklärt sie. „Wir sind hier eine bunte Schar von Leuten. Junge Leute, alte Leute – aber alles Tierliebhaber.“ Etwas über 1000 Dosen seien gespendet worden, freut sich Frambach. Geschmacksrichtung: Ziege mit Steckrübe. Das sei etwas Besonderes, denn „Ziegenfleisch gilt als hypoallergen“ und ist somit „Hundefutter auch für ganz empfindliche Tiere“. Allergien seien schließlich auch bei Hunden ein immer größeres Thema.

Bei der Tiertafel ist man aber auch über jede Privatspende dankbar. Dazu könne man „sehr gerne einfach zur Ausgabe vorbeikommen“. Die Spenden werden dringend gebraucht, denn der Zulauf an der Ausgabestelle ist groß. „Unsere Liste mit Bedürftigen wächst jede Woche. Mittlerweile kommen auch einige Menschen aus der Ukraine, die mit ihren Haustieren geflüchtet sind“, weiß sie und führt aus: „Der Bedarf ist groß und ich glaube, das wird mit steigenden Preisen noch mehr.“ Auch das Tierfutter ist teurer geworden. Das Statistische Bundesamt gibt gegenüber dem Jahr 2015 eine Preissteigerung von 18,9 Prozent an.

Dementsprechend sei der Andrang an der Ausgabestelle gestiegen. „Manchmal haben wir das Lager wirklich voll, und manchmal ist es schwierig“, beobachtet Mareike Frambach, ist aber dennoch zuversichtlich – und sieht die Zukunft der Tiertafel trotz des steigenden Bedarfs gesichert, denn es gebe weiterhin genug Spender: „Die Menschen sind immer noch großzügig und hilfsbereit“, beobachtet sie. „Das finde ich großartig, und damit schaffen wir das alles irgendwie.“

Ausgabestelle

Die Futterausgabe findet jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat von 14 bis 16 Uhr an der Ausgabe an der Broßhauser Straße 28 statt. Mitzubringen ist ein Nachweis der Bedürftigkeit.

Fragen beantwortet das Team der Tiertafel per E-Mail: tiertafel-solingen@gmx.de

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