Nach Umstellung

„Gelber Schein“ ist in Solingen oft noch nicht elektronisch

Dr. Stephan Kochen verwendet auch in seiner Praxis vorerst weiter den gelben Schein auf Papier. Archivfoto:
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Dr. Stephan Kochen verwendet auch in seiner Praxis vorerst weiter den gelben Schein auf Papier.

Umstellung seit 1. Oktober setzen viele Praxen und Krankenkassen noch nicht um.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die Umstellung sollte am 1. Oktober erfolgen, doch geändert hat sich vielerorts nichts: Arztpraxen sollen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), auch „gelber Schein“ genannt, künftig auf elektronischem Weg an die Krankenkassen senden. Doch das funktioniere noch gar nicht, erklärt Dr. Stephan Kochen, Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Solimed und niedergelassener Arzt in Ohligs. „Es gibt momentan nur eine Krankenkasse, die die elektronische AU annehmen kann.“ In seiner Praxis laufe es deshalb wie bisher auch: Bei einer Krankschreibung erhalte der Patient einen gelben Schein für die Krankenkasse und einen für den Arbeitgeber. Die Bergische Krankenkasse und die AOK Rheinland/Hamburg erklären hingegen auf Anfrage, dass sie bereits elektronische AUs entgegennehmen könnten.

Die Einführung des neuen Systems war bereits zum 1. Januar geplant, wurde jedoch verschoben. Nun soll es in zwei Schritten starten: Seit 1. Oktober zunächst mit der elektronischen Übermittlung durch die Praxen an die Krankenkasse, ab 1. Juli 2022 sollen letztere die AU dann auf diesem Wege auch an die Arbeitgeber weiterleiten. Die meisten Praxen hätten die technischen Voraussetzungen für die Umstellung, sagt Kochen.

Auch in der Hausarztpraxis Grünstraße sei man am 1. Oktober vorbereitet gewesen, sagt Dr. Andrea Januschke, die die Praxis mit einer Kollegin und einem Kollegen führt. „Wir haben es ausprobiert, aber es hat noch nicht funktioniert.“ Also werde auch hier wie bisher der gelbe Schein an die Patienten ausgegeben.

Solingen: Praxen können bis zum 31. Dezember nachrüsten

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein geht davon aus, dass in ihrem Bereich erst rund 30 Prozent der Praxen die technischen Voraussetzungen eingerichtet hätten. Wer noch nicht so weit sei, habe eine Übergangsphase bis zum 31. Dezember. „Grundsätzlich braucht es für die Umsetzung der eAU nicht nur in den Arztpraxen, sondern auch bei den Krankenkassen entsprechende technische, komplexe Strukturen. Diese waren bis zuletzt nur kaum bei allen Beteiligten flächendeckend vorhanden“, teilt ein KVNO-Sprecher mit. So benötigten Arztpraxen neben einem besonderen Zugang zum elektronischen Melde- beziehungsweise Übertragungskanal an die Kassen auch einen elektronischen Heilberufsausweis sowie Erweiterungen in ihrem Software-System.

Bei der Bergischen Krankenkasse (BKK) mit Sitz in Solingen seien die technischen Voraussetzungen vorhanden, erklärt Pressesprecher Alf Dahl. „Die Knackpunkte sind die 40 bis 60 unterschiedlichen Praxisinfosysteme.“ Von einigen Praxen bekomme die BKK bereits elektronische AUs. „Wo es noch nicht klappt, erhält der Kunde den Ausdruck der AU, den er dann fotografieren und über unsere App hochladen kann.“ Auch die AOK Rheinland/Hamburg teilt mit, dass man die ersten elektronischen AUs bereits am 1. Oktober erhalten habe.

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