Provisorium hat nach zweieinhalb Jahren ausgedient

Kräne demontieren die Behelfsbrücke

Die Behelfsbrücke, die den Verkehr an der Baustelle vorbei führte, war im Dezember 2018 freigegeben worden – momentan läuft die Demontage. Im Anschluss stehen insbesondere noch Renaturierungsarbeiten rund um die Wupper bis Ende 2021 an. Fotos: Christian Beier
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Die Behelfsbrücke, die den Verkehr an der Baustelle vorbei führte, war im Dezember 2018 freigegeben worden – momentan läuft die Demontage. Im Anschluss stehen insbesondere noch Renaturierungsarbeiten rund um die Wupper bis Ende 2021 an.

Provisorium hatte über zwei Jahre den Verkehr zwischen Solingen und Leichlingen getragen.

Von Wolfgang Günther

Solingen. Seit gut zwei Wochen fließt der Verkehr von Solingen nach Leichlingen über die neue Brücke zwischen Haasenmühle und Nesselrath wieder wie gewohnt. Damit ist die reguläre Verbindung zwischen den beiden Kommunen über die Wupper wieder hergestellt. Auch die Spundwände zur Errichtung des Mittelpfeilers sind inzwischen aus der Wupper verschwunden. Am Mittwoch starteten die schwierigen Arbeiten zur Demontage der Behelfsbrücke, die über zwei Jahre Dienst getan hat – die Bauarbeiten werden bis Freitag andauern.

Vor Ort erläuterte Projektleiter Stephan Mayr von den Technischen Betrieben Solingen (TBS) Details zu anstehenden Arbeiten und zur Vorgeschichte. In Solingen seien vier Mitarbeiter der Technischen Betriebe im Außendienst ständig mit speziell ausgestatteten Fahrzeugen unterwegs, um Brücken, Tunnel, Gebäude und Stützwände auf ihren Zustand und ihre Festigkeit zu prüfen. „Dabei wird jedes Objekt dreimal im Jahr beobachtet, einmal jährlich besichtigt und alle drei Jahre von unseren Bauwerksprüfern einem akribischen Check unterzogen“, berichtete Stephan Mayr. Alle Daten dieser Bauwerke sind in einer umfangreichen Datenbank gespeichert.

„Die hält jetzt wieder mindestens 100 Jahre.“

TBS-Projektleiter Stephan Mayr

Bei der regelmäßigen Prüfung war auch der schlechte Zustand der alten Wupperbrücke aufgefallen. Mayr: „Schon vor einigen Jahren bemerkten wir den bedenklichen Zustand der Brücke, sie hatte einfach ihr Lebensalter erreicht“, berichtete er über das frühere, inzwischen abgerissene Bauwerk. Erst einmal haben wir das zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge beschränkt“, erzählt der Bauingenieur.

Vor drei Jahren begann die Planung für eine neue Brücke. Sie liegt genau in der gleichen Ausrichtung wie die alte, marode Brücke. Von der Standfestigkeit des Neubaus ist Mayr überzeugt: „Die hält jetzt wieder mindestens 100 Jahre.“

Nun kamen zwei imposante Kräne der Firma Janson Bridging zur Baustelle und wurden am Wupperufer errichtet. „Die Firma ist ein absoluter Spezialist für solche Behelfsbrücken. Der eine dieser Kräne kann 100 Tonnen tragen, der andere sogar unglaubliche 500 Tonnen“, sagte der Projektleiter.

Nachdem im Juni 2019 der Neubau zwischen Solingen und Leichlingen gestartet war, sind inzwischen nur noch Rückbauarbeiten angesagt.

Auch sein Auszubildender Maximilian Plüscke schaute den Arbeiten fasziniert zu: „Ich habe mich immer für das Bauen interessiert“. Der junge Mann hat das Berufsziel Bauzeichner und hofft in einer zweijährigen Ausbildung bei den TBS sowie an einem Tag an der Berufsschule in Düsseldorf sein Ziel zu erreichen.

Die Behelfsbrücke ist 40 Meter lang und drei Meter breit. Sie besteht aus vier Streifen Stahl, die von den beiden Kränen jeweils in einem Stück abgehoben werden müssen – 55 Tonnen pro Teil. Die großen Brückenteile werden in einem Stück abtransportiert und auf einen großen Betriebshof der Firma gebracht. Wichtig war für Mayr die Einhaltung der Termine: „Schließlich kostet jeder Tag, an dem die Brücke hier steht, auch mehr Miete.“

Neben der Brücke werden bald auch die Widerlager und Betonauflagen der Behelfsbrücke abgebaut. „Danach wird auch die Natur an den Wupperufern wieder in Ordnung gebracht, auch hier sind die TBS in der Verantwortung“, teilte Stephan Mayr weiter mit.

Nach Abschluss der Arbeiten an der Wupperbrücke zwischen Solingen und Leichlingen geht es für Bauingenieur Mayr zum nächsten Projekt, und wieder ist die Baustelle eine Brücke: Denn auch den Bau der Strohner Brücke über die Wupper zwischen Unterburg und Glüder wird er als Projektleiter der TBS zu Ende bringen.

Hintergrund

Neubau: Die neue Brücke zwischen Solingen und Leichlingen wurde am 25. Mai offiziell für den Verkehr freigegeben. Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Irmhild Schürhoff vom Rheinisch-Bergischen-Kreis und Frank Steffes, Bürgermeister von Leichlingen, durchschnitten feierlich das Band. Gleich darauf rollten auch schon die ersten Fahrzeuge über die neue Spannbetonbrücke, die inklusive der Behelfsbrücke etwa 6,3 Millionen Euro gekostet hat. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert davon 60 bis 70 Prozent. Den eigenen Anteil teilen sich je zur Hälfte die Stadt Solingen und der Rheinisch-Bergische-Kreis.

Maße: Die Brücke ist 58 Meter lang und 14 Meter breit. Auf einer Seite befindet sich ein reiner Gehweg, die andere Seite wurde zu einem kombinierten Rad- und Gehweg hergerichtet.

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