Spenden

Kollekten in Kirchen brechen dramatisch ein

Pfarrerin Friederike Höroldt hält die Kollekte für wichtig, weil sie sozialen Zwecken zugutekommt. Foto: Christian Beier
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Pfarrerin Friederike Höroldt hält die Kollekte für wichtig, weil sie sozialen Zwecken zugutekommt.

Gemeinden können Hilfswerke oder soziale Projekte nicht im gewohnten Maß unterstützen.

Von Andreas Tews

Solingen. Der Wegfall vieler Präsenzgottesdienste und die Zugangsbeschränkungen bei noch stattfindenden Andachten haben dazu geführt, dass in den Kirchengemeinden das Aufkommen bei den Kollekten „dramatisch“ eingebrochen ist. Das berichten die Pfarrer beider großer Konfessionen. Diese Entwicklung konnten auch die vielfach angebotenen Online-Kollekten nicht verhindern. Leidtragende seien viele soziale Projekte, für die gesammelt werde, berichtet der Sprecher des Evangelischen Kirchenkreises, Thomas Förster.

Nach seinen Angaben ist das Kollektenaufkommen in den zehn evangelischen Gemeinden im vergangenen Jahr auf rund 119 000 Euro – ein Drittel des Vorjahreswertes gesunken. Im April dieses Jahres war es mit 3430 Euro sogar nur ein Sechstel des Aufkommens aus Vor-Corona-Jahren. Vom katholischen Kirchort St. Joseph berichtet Pfarrer Meinrad Funke, dass die Regelkollekten binnen eines Jahres von 14 000 auf 6000 Euro zurückgegangen seien. In den anderen katholischen Kirchorten, so berichten Funke und sein Kollege Michael Mohr, gebe es eine vergleichbare Entwicklung.

Normalerweise sammeln die Gemeinden während des Gottesdienstes und am Ausgang Spenden unter anderem für überregionale Hilfswerke oder lokale Projekte. „Jetzt fallen diese Kollektensammlungen in den meisten Fällen weg“, bedauert Friederike Höroldt, evangelische Pfarrerin der Solinger Stadtkirchengemeinde. Bei Internet-Gottesdiensten ihrer Gemeinde werden die Gläubigen auf einen Link zur Kollektenseite der evangelischen Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) hingewiesen. „Wie stark diese Möglichkeit genutzt wird, wissen wir nicht“, sagt Pfarrerin Höroldt. „Wir bekommen darüber keine Rückmeldung.“

Viele Gemeinden haben laut Förster schon früh in der Corona-Krise nach alternativen Möglichkeiten für die Kollekte gesucht. „Wir wissen schließlich, wie wichtig die Kollektengelder für viele der Projekte sind“, sagt Höroldt. Die Gemeinden reagieren unterschiedlich. Wer Präsenzgottesdienste feiert – wie in Wald – lässt den Klingelbeutel aus Hygienegründen liegen und sammelt nur am Ausgang. „Bei uns wird die Kollekte dann geteilt“, berichtet Pfarrer Stefan Ziegenbalg.

Bei Online-Gottesdiensten verweisen die einen auf das Konto der KD-Bank. Andere nennen während des Gottesdienstes oder im Abspann direkt Konten der begünstigen Initiativen oder Einrichtungen. Wieder andere – wie die Gemeinde in Ketzberg – bitten um Überweisungen auf ihr Gemeindekonto. „Das sind dann Zahlen, die wir nachvollziehen können“, sagt Carsten Raupach von der Finanzabteilung des Kirchenkreises. Und er stellt fest: „Die Kollekten sind dramatisch zurückgegangen.“ Das bestätigt auch Pfarrer Christof Bleckmann aus Ketzberg: Im Januar und Februar gab es einzelne Überweisungen. Im März und April folgte niemand dem digitalen Kollektenaufruf.

Die Ketzberger wollen nun einen neuen Weg gehen – und werben im nächsten Gemeindebrief für das gemeinnützige Portal „Bildungsspender.de“. Dort kann für Gemeindezwecke aus Ketzberg gespendet werden. Die Seite lebt laut Förster von der Werbung für Online-Shops.

Solingen: Auch die Katholiken klagen über einen starken Rückgang

Obwohl die katholischen Gemeinden Präsenzgottesdienste feiern, beklagen auch sie eine ähnliche Entwicklung bei den Kollekten. Positiv fallen nach Funkes Angaben hingegen gezielte Sonderaktionen aus. So habe eine coronabedingte Spendenaktion für das Partnerprojekt in Indien allein mehr als 14 000 Euro in einer Woche eingebracht. Auch in den anderen katholischen Gemeinden wirkt sich bei den Kollekten laut Mohr die geringe Gottesdienstteilnehmerzahl aus. Ebenso seien die Einnahmen bei den Opferkerzen zurückgegangen. Gestiegen sei hingegen das Spendenaufkommen bei der Sternsingeraktion Anfang des Jahres. Mohr: „Die Spendenbereitschaft ist bei den Menschen sehr groß.“

Besondere Spendenaufrufe im Internet starten die katholischen Gemeinden nicht. Laut Mohr sind die Spendenkonten aber auf den Internetseiten der Gemeinden veröffentlicht.

Spendenkonto

Die evangelische Bank für Kirche und Diakonie bietet eine Kollektenseite im Internet an, auf der man für Projekte spenden kann, die die Evangelische Kirche im Rheinland für die meisten Sonntage als Kollektenempfänger festgelegt hat:

www.ekir.de/klingelbeutel

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