St. Lukas Klinik schließt

Klinikum und Kplus setzen auf Kooperation

Klinikum soll eine Schlaganfall-Außenstelle bekommen.
+
Klinikum soll eine Schlaganfall-Außenstelle bekommen.

Städtisches Krankenhaus soll von der Schließung der St. Lukas Klinik profitieren - etwa durch mehr Betten.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Durch die geplante Schließung der St. Lukas Klinik 2026 könnte das Städtische Klinikum 67 Betten mehr anbieten als bislang geplant, darunter sechs Intensivplätze. Das schlagen die Unternehmensberater vor, die auch den Masterplan für die Zukunft des Klinikums erstellt haben. Dieser sieht bislang 550 Betten vor. Hinzukommen würde ab 2026 eine Schlaganfall-Außenstelle, die von der Kplus Gruppe betrieben werden würde. Bei einem Pressegespräch haben die Geschäftsführer von Kplus und Klinikum erläutert, wie die engere Kooperation beider Krankenhäuser in Zukunft aussehen soll. Die Notfallversorgung der Bevölkerung werde dadurch nicht gefährdet, betonte Gesundheitsdezernent Jan Welzel (CDU).

Welzel wies auf die Krankenhaus-Planung des Landes NRW hin. „Es wäre wünschenswert, wenn alles bleibe, wie es ist. Das ist aber unwahrscheinlich. Deshalb ist es gut, die Dinge vernünftig zu organisieren.“

In der Krankenhauslandschaft in der Region, zu der neben Solingen auch Düsseldorf, der Kreis Mettmann, Remscheid und Wuppertal gehören, gebe es eine erhebliche Überversorgung, sagte Kai Sturmfels (CDU), Vorsitzender des Klinikum-Aufsichtsrats. Die Schließung der St. Lukas Klinik sei keine schöne Entscheidung, räumte er ein. „Die Mund-Kiefer-Chirurgie fällt in Solingen dann weg.“ Alle anderen Bereiche blieben erhalten. Die Altersmedizin (Geriatrie) sei Anfang des Jahres bereits am Klinikum etabliert worden. Mit der Schlaganfallversorgung durch Personal der Kplus Gruppe unter dem Dach des Klinikums werde ein qualitatives Plus erzielt, zeigte sich Sturmfels überzeugt. „Für die Mehrzahl der Solinger liegt das Klinikum zentraler.“

Die Pläne der Kplus Gruppe sehen vor, dass die spezialisierte, regionale Schlaganfall-Station (Stroke Unit) mit Schließung der St. Lukas Klinik 2026 nach Hilden umziehen soll, ebenso wie die anderen Abteilungen der Ohligser Klinik. Am Klinikum würde ein Nebenstandort eingerichtet.

Lukas Klinik und Klinikum arbeiten an einem gemeinsamen Kopf-Hals-Tumorzentrum.

Im Frühjahr starten Gespräche zur regionalen Krankenhausplanung

Eine ausgelagerte Betriebsstätte gebe es auch an anderen Standorten in Deutschland, sagte der kaufmännische Klinikum-Geschäftsführer Dr. Martin Eversmeyer. „Die medizinische Verantwortung läge bei Kplus.“ Und auch der Hauptstandort der Stroke Unit, der künftig in Hilden sein wird, bleibe der Solinger Bevölkerung erhalten, betonte der Geschäftsführer der Kplus Gruppe, Andreas Degelmann. „Unser Versorgungsauftrag gilt schon jetzt nicht nur für Solingen, sondern für die Region.“ Deshalb könne das Klinikum die Schlaganfalleinheit auch nicht selbst übernehmen, erklärte Klinikum-Chef Eversmeyer. „Wir gehen den Weg der Kooperation, nicht der Konfrontation. Zudem ist die Qualität eine andere, wenn alles in einer Hand liegt.“

Der Neubau für das bisherige Gebäude G am Klinikum sei großzügig geplant, vor allem bei den Wahlleistungszimmern. Die Unterbringung der Kplus-Einheit sei kein Problem. Man stehe kurz davor, den Generalunternehmer für den Neubau zu beauftragen, sagte Kai Sturmfels. Die Bezirksregierung hatte im Sommer ihre Zustimmung signalisiert, dass die Stadt ein neues Bettenhaus und weitere Investitionen für rund 120 Millionen Euro über Kredite finanziert.

Nächster Schritt sind Gespräche zur regionalen Krankenhausplanung, die im Frühjahr starten. Wie die Klinik-Landschaft in Zukunft aussehen wird, wird mit Land, Bezirksregierung und Krankenkassen abgestimmt.

St. Lukas Klinik

Der Träger der St. Lukas Klinik, die Kplus Gruppe, hat in der vergangenen Woche angekündigt, dass sie das Ohligser Krankenhaus 2026 schließen und die Abteilungen nach Hilden verlegen will. Die notwendige Sanierung der 1961 erbauten Klinik sei nicht wirtschaftlich. Das St. Josefs Krankenhaus in Hilden werde dafür erweitert. Alle Abteilungen sollen erhalten bleiben.

Standpunkt: Aus der Not geboren

Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@ solinger-tageblatt.de

In die öffentlichen Einrichtungen wird in Solingen an vielen Stellen kräftig investiert. Am Klinikum, in den Schulen, aber auch an den Feuer- und Rettungswachen und am Theater und Konzerthaus laufen wichtige Zukunftsprojekte. Es geht um die Sicherung der Gesundheitsversorgung, um eine ordentliche Bildung für unsere Kinder, um die Sicherheit der Bevölkerung und um die Zukunft der Kultur. Viele dieser Projekte sind allerdings aus der Not geboren. Beim Klinikum besteht Handlungsbedarf, weil sonst durch den Wegfall der St. Lukas Klinik eine Lücke in der Krankenhauslandschaft droht. Außerdem müssen – ähnlich wie bei den Schulen, den Feuerwachen und dem Theater – jahrzehntelange durch den chronischen Geldmangel bedingte Versäumnisse bei der Modernisierung der Gebäude nachgeholt werden. Es ist gut, dass diese Dinge seit einigen Jahren angepackt werden können. Bleibt zu hoffen, dass die Millionen-Ausgaben im Zusammenhang mit Corona diese Planungen nicht zunichtemachen. Mehr denn je brauchen die Städte und Kliniken echte Hilfe des Landes und des Bundes.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Impfpflicht-Gegner liefern sich in Solingen Katz-und-Maus-Spiel mit Polizei
Impfpflicht-Gegner liefern sich in Solingen Katz-und-Maus-Spiel mit Polizei
Impfpflicht-Gegner liefern sich in Solingen Katz-und-Maus-Spiel mit Polizei
Triage: Kliniken in Solingen bereiteten sich früh vor
Triage: Kliniken in Solingen bereiteten sich früh vor
Triage: Kliniken in Solingen bereiteten sich früh vor
Johnson-Geimpfte verlieren Status 2G plus
Johnson-Geimpfte verlieren Status 2G plus
Johnson-Geimpfte verlieren Status 2G plus
Mitte, Ohligs und Wald sind Hitzeinseln
Mitte, Ohligs und Wald sind Hitzeinseln
Mitte, Ohligs und Wald sind Hitzeinseln

Kommentare