Krankenhaus muss sparen

Klinikum: Bald weniger Lohn für neue Mitarbeiter?

Das Klinikum in Solingen.
+
Das Klinikum in Solingen.

Der Aufsichtsrat des Klinikums berät über eine Servicegesellschaft für einige Bereiche – bestehende Verträge sollen nicht betroffen sein.

Von Simone Theyßen-Speich und Björn Boch

Solingen. Das Klinikum will investieren, um als kommunales Krankenhaus weiter bestehen zu können. Dass dafür auf der anderen Seite Kosten eingespart werden müssen, sei Teil des Masterplans, an dem das Klinikum seit 2020 arbeitet. „Die externen Berater haben jetzt errechnet, dass unsere Lohnkosten gerade in den unteren Lohnbereichen relativ hoch sind“, erklärt Dr. Martin Eversmeyer, Vorsitzender der Klinikum-Geschäftsführung. „Es ist ein schwieriges Thema, aber es zeichnet sich die Lösung ab, eine Servicegesellschaft als Tochtergesellschaft zu gründen, die dann nach Tarifen auf Marktniveau zahlt.“

In den Bereichen Speisenversorgung, Reinigung, Technik oder Wirtschaft und Versorgung würden neu einzustellende Mitarbeiter dann nicht mehr nach dem Tarif für den Öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt. „Ganz wichtig ist, dass bestehende Arbeitsverhältnisse im Klinikum davon nicht betroffen sind“, betont Eversmeyer.

Dr. Martin Eversmeyer, Vorsitzender der Klinikum-Geschäftsführung, erläutert die Notwendigkeit, Kosten zu sparen, um die wirtschaftliche Lage zu verbessern.

In einem Rechenmodell skizziert er den Umfang: Von derzeit umgerechnet 1600 Vollzeit-Stellen im Klinikum würden etwa 180 Vollzeitstellen mittelfristig über die neu zu gründende Servicegesellschaft besetzt. „In diesem Bereich haben wir derzeit etwa 10 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr und könnten – würden wir alle mit den neuen Arbeitsverträgen ausstatten – bis zu 3 Millionen Euro einsparen.“ Man wolle den Effekt aber nicht maximal ausnutzen, sondern plane, in sechs bis sieben Jahren dann eine Million Euro pro Jahr an Personalkosten einzusparen. Durch die ersten Stellen-Neubesetzungen wären es im ersten Jahr 150 000 Euro Einsparungen. Der Betrag würde sich von Jahr zu Jahr steigern.

Aufsichtsrat und Stadt führen noch dieses Jahr Gespräche

Die Entscheidung ist noch nicht abschließend gefallen, das Modell soll am 21. November im Aufsichtsrat vorgestellt und danach mit der Stadt als Gesellschafter beraten werden. „Mir ist es wichtig, dass wir dabei soziale Komponenten berücksichtigen“, so der Klinikum-Chef. So will man sich an einen Tarif binden, weiterhin Vorteile der Zusatzversorgungskasse und Betriebsrente gewähren und einen Mindestlohn setzen. „Für ungelernte Hilfskräfte wären das immerhin 15 bis 16 Euro Stundenlohn – deutlich mehr als in anderen Häusern.“

Die Betriebsratsvorsitzende Anke Jahncke betonte, dass das Gremium noch nicht offiziell eingebunden worden sei. Deshalb gebe es noch keine Beschlüsse des Betriebsrates. Ihre persönliche Haltung brachte sie allerdings zum Ausdruck: „Ich bin davon überzeugt, dass wir eher eine Vielzahl von Prozessen ändern müssen, um die Erträge zu verbessern und die Kosten zu senken.“ Die Löhne müssten angesichts der Konkurrenz um Mitarbeiter attraktiv bleiben. Eine mögliche Einsparung von perspektivisch einer Million Euro nannte sie „sehr optimistisch“.

Auch Dr. Martin Eversmeyer hat den Mangel an Arbeitskräften im Blick. Deshalb werde man sich auch zukünftig mit allen neuen Mitarbeitern „gehaltsmäßig verständigen“ und die Einspareffekte nicht maximal ausnutzen. „Aber um wirtschaftlich bestehen zu können, gibt es keine Alternative zur Flexibilisierung im Lohnbereich.“ Es sei gut, dass das Problem jetzt transparent dargestellt sei.

Baumaßnahmen

Investitionen: Für die geplanten Baumaßnahmen hatte das Klinikum bislang 120 Millionen Euro veranschlagt, steigende Baukosten könnten die Kosten erhöhen.

Förderung: Das Klinikum hofft auf Landesfördermittel in Höhe von 20 Millionen Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Der Weyersberg birgt Brisanz
Der Weyersberg birgt Brisanz
Der Weyersberg birgt Brisanz
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen

Kommentare