Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland

Telefonaktion zum Weltkrebstag: Kliniken werben für Vorsorge

Sandra Reinhard, Psychoonkologin in der Lungenfachklinik Bethanien, informiert heute bei einer Telefon-Aktion. 
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Sandra Reinhard, Psychoonkologin in der Lungenfachklinik Bethanien, informiert heute bei einer Telefon-Aktion. 

Die Pandemie bremst die Früherkennung aus, weil viele nicht mehr zur Vorsorge gehen.

Von Simone Theyßen-Speich und Anja Kriskofski

Solingen. Seit zwei Jahren bestimmt das Coronavirus die Schlagzeilen. Andere Krankheiten geraten da mitunter aus dem Blick. Etwa Krebs, zweithäufigste Todesursache in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zum Weltkrebstag heute machen die drei Solinger Kliniken auf die Wichtigkeit der Vorsorge aufmerksam: „Trotz Pandemie ist es ratsam, Vorsorgeuntersuchungen einzuhalten“, betont Dr. Mustafa Kondakci, Departmentleiter Onkologie und Hämatologie an der St. Lukas Klinik.

Dr. Mustafa Kondakci ist Departmentleiter Onkologie und Hämatologie an der St. Lukas Klinik.

Bei seinem Patienten Dennis Ludäscher wurde das Hodgkin-Lymphom nicht bei einer Vorsorgeuntersuchung gefunden – er wurde selbst auf den Knoten an der Brust aufmerksam. Eine Gewebeprobe brachte Gewissheit. Da der Lymphdrüsenkrebs im frühen Stadium entdeckt wurde, seien die Heilungschancen gut, erzählt der 40-Jährige. „Aber die Diagnose war erstmal ein Schock.“ Seit dieser Woche wird er mit einer Chemotherapie behandelt, Bestrahlungen werden folgen. Tastbare Knoten wie im Fall von Dennis Ludäscher seien ein Warnsignal, auf das Patienten reagieren sollten, betont Kondakci. Ebenso sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn man eine ungewollte Gewichtsabnahme feststelle, regelmäßig an Nachtschweiß leide und Blutausscheidungen habe.

Durch die Corona-Pandemie seien Vorsorgeuntersuchungen vielfach vernachlässigt worden. So habe es 2021 in Deutschland ein Drittel weniger Darmspiegelungen gegeben, zitiert der Onkologe eine Erhebung. Er selbst erlebe, dass Patienten die Nachsorge vernachlässigten und Termine ausgelassen würden. Auch diese sollten wahrgenommen werden. Kondakci rät zudem auch Krebspatienten zur Corona-Impfung: „Die Therapie stellt kein Hindernis für eine Impfung dar.“

Früherkennung für Krebserkrankungen ist wichtig

Krebserkrankungen früh zu erkennen und zu behandeln – darauf setzt man auch in der Lungenfachklinik Bethanien. Lungenkrebs mache zunächst keinerlei Beschwerden und könne sich auch häufig unerkannt ausdehnen und Metastasen streuen. Die ersten Warnzeichen werden dann von den Betroffenen oft übersehen. „Entdeckt man beim Husten Blut, hat Schmerzen im Brustkorb, die länger anhalten, Heiserkeit, die nicht verschwindet oder starken Gewichtsverlust, soll dringend ein Arzt aufgesucht werden“, rät Bethanien-Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath. „Vor allem, wenn die Erkrankung früh diagnostiziert wird, stehen die Chancen besser als noch vor einigen Jahren“, so der Mediziner.

„Leider bemerken wir zunehmend, dass viele Menschen aus Angst vor einer Corona-Infektion die Diagnostik scheuen,“ berichtet Pneumologe Dr. Lars Hagmeyer, leitender Oberarzt der Klinik. Das sei ein Grund mehr, den Weltkrebstag zum Anlass zu nehmen, dieses höchst sensible Thema aufzugreifen und Menschen zu ermutigen, sich frühzeitig untersuchen zu lassen.

In gemeinsamen Tumorkonferenzen wird für jeden Patienten eine individuelle Vorgehensweise festgelegt. Das bedeutet, dass im wöchentlichen Turnus Experten aus Lungenfachkunde, Chirurgie, Strahlentherapie, Radiologie, Onkologie und Palliativmedizin zusammenkommen und über jeden einzelnen Patienten ausführlich gesprochen wird sowie alle Therapieoptionen diskutiert werden. Unterstützung finden sie auch beim Tumorzentrum, das am Städtischen Klinikum ansässig ist und auch am Krankenhaus Bethanien wöchentliche Sprechstunden anbietet.

Telefonaktion mit Experten und Video zum Thema

Zum Weltkrebstag unter dem Motto „Ich bin und ich werde“ sind auf der Internetseite des Krankenhauses Bethanien Beiträge und Podcasts zum Thema zusammengetragen. Heute gibt es zudem eine Telefonaktion mit der Psychoonkologin Sandra Reinhard und dem Seelsorger Pastor Ulrich Kühn, die in Bethanien Krebspatienten und ihre Angehörigen begleiten.

Im Klinikum haben die Spezialistinnen aus dem Zentrum für Hämatologie und Onkologie, dem Brust- und dem Krebszentrum ein Aufklärungsvideo produziert, das auf der Klinikum-Homepage steht. Sie gehen dabei auf Krebsprävention, Vorsorge auch in Zeiten der Pandemie, Signale des Körpers, Symptome sowie Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten ein.

Aktionen und Informationen

Heute Telefonaktion: Die Psychoonkologin Sandra Reinhard und der Seelsorger Pastor Ulrich Kühn aus Bethanien stehen Anrufern heute von 11 bis 12 Uhr bei einer Telefon-Aktion für Fragen zur Verfügung, Tel. 63-92 01.

Infos: Vorträge und Podcasts zum Thema auf der Bethanien-Seite: www.klinik-bethanien.de

Video und Telefonaktion: Im Klinikum haben die Ärztinnen Dr. Viola Fox, Dr. Manuela Seifert, Dr. Julia Hartung und Dr. Wilma Haeseke ein Info-Video gedreht. Am Montag, 7. Februar, sind sie von 13 bis 16 Uhr für Fragen am Telefon unter den Rufnummern Tel. (0152) 225 223 -96/-00/-12/-16 erreichbar, www.klinikumsolingen.de

Dr. Viola Fox, Chefärztin im Zentrum für Hämatologie und Onkologie des Klinikums, informiert am Telefon und mit einem Video.

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