Neues Konzept

Das Klingenmuseum wird eine „Markenwelt“

Neben der inhaltlichen Neuausrichtung soll das Klingenmuseum in einem späteren Schritt auch baulich saniert werden. Foto: Michael Schütz
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Neben der inhaltlichen Neuausrichtung soll das Klingenmuseum in einem späteren Schritt auch baulich saniert werden.

Eine inhaltliche Neukonzeption braucht mehr Personal und Geld.

Von Philipp Müller

Solingen. Acht Fachbüros haben sich im Rahmen einer Ausschreibung darum beworben, für das Deutsche Klingenmuseum ein neues Konzept zu entwickeln. Bis zum 9. September hätten sie dazu Zeit, berichtet die Leiterin des Museums, Dr. Isabell Immel. Den Teilnehmern des Wettbewerbs wird dabei ein „Betriebliches Entwicklungskonzept“ überreicht. Das fordert inhaltlich den Ausbau des Klingenmuseums zu einer „Markenwelt“. Zugleich sollen 2,5 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Die Kosten von 200 000 Euro sollen durch eine Verdopplung der Besucherzahlen teilweise erwirtschaftet werden.

Bereits Anfang 2019 gab die Politik grünes Licht für eine Neukonzeption. Das Museum und die Sammlung bräuchten dringend einen Neustart. Im betrieblichen Konzept der Bonner Gutachter der projekt2508 GmbH heißt es schonungslos: „Besucherorientierung und Partizipation erfordern neue Formen des Umgangs mit dem Publikum, das zurecht einfordert, im Gezeigten einen persönlichen Bezug zur Lebenswirklichkeit und Selbstfindung entdecken zu können. Museen, die dies nicht leisten können oder wollen, werden mittelfristig an Relevanz verlieren.“

Kulturdezernentin Dagmar Becker (Grüne) erklärte im Kulturausschuss, dass dieses Gutachten aus Bonn glücklicherweise aus einem laufenden Projekt heraus finanziert werden konnte. Es stieß bei den Ausschussmitgliedern auf breite Zustimmung. Zugleich wollen sie mit der Leitung des Klingenmuseums das Konzept aber noch ausführlich diskutieren.

Solingen: Museum will mit acht Themenwelten Besucher gewinnen

Schon im August 2019 stellte das Klingenmuseum einen inhaltlichen Leitfaden zusammen, der Grundlage der Bewerbung für die Fachbüros war. In diesen seien auch die Ergebnisse eines Workshoptages mit dem Förderverein, Stadtvertretern und städtischen sowie auswärtigen Museumsexperten eingeflossen, berichtet Leiterin Dr. Immel. Es sei „als wegweisend gesetzt“.

Statt einer chronologischen Sammlung will das Klingenmuseum mit acht Themenwelten in der Zukunft punkten. Das sollen unter anderem Essen und Tafelkultur, Fechten und Kampfkunst, die Geschichte der Solinger Klingenproduktion, Klingenkunst und Angewandte Kunst sein. Aber man will künftig auch noch stärker die aktuelle Situation der Solinger Klingenproduktion vermitteln.

Das greifen die Bonner Gut-achter mit der Idee der „Markenwelt“ auf. „Solingen“ sei eine Marke. „Made in Solingen“ ebenfalls. Das solle als Erlebniswelt entwickelt werden. Ihr Fazit lautet: „Eine Kulturmarke muss entstehen.“

Des gehe aber nur mit einer grundlegenden Neukonzeption, die vor allem am Bedürfnis der Besucher orientiert sei. Digitalen Vermittlungsformen der Inhalte müsse daher viel Raum gegeben werden. Das verbrauche personelle Kapazitäten, weshalb 2,5 zusätzliche Stellen notwendig seien. Diese auch, um das Angebot im Museumsshop deutlich zu verbreitern. Unter dem Strich sehen die Bonner gute Chancen, die Besucherzahl von zuletzt 17 800 auf ungefähr 39 500 pro Jahr mehr als verdoppeln zu können. Dazu müsse das Museum deutlich über die Stadtgrenzen als Markenbotschafter für die Geschichte der Klingen und die bestehende Klingen-Branche strahlen.

Die wichtigsten Entscheidungen werden nach der Kommunalwahl im September getroffen werden. Dann muss die Politik auch klären, ob das Museum in städtischer Trägerschaft bleibt oder in eine Gesellschaft wie beispielsweise das Kunstmuseum überführt wird. Davon raten die Gutachter ab, denn es gelte, jetzt keine Zeit durch komplizierte gesellschaftsrechtliche Fragen zu verlieren. 

Schaudepot

Im neuen Klingenmuseum soll ein „Schaudepot“ eingerichtet werden. Die Sammlung umfasst insgesamt einen Bestand von rund 30 000 Stück, von denen nur ein geringer Teil in der Dauerausstellung präsentiert wird. Ein zu besuchendes Schaudepot sei der Ort, an dem die kulturelle Bedeutung des Museums vermittelt und die Faszination des Sammelns dargestellt werde.

Standpunkt: Museum mutig denken

Von Philipp Müller

Das Deutsche Klingenmuseum wird zum Markenbotschafter für die Klingenstadt Solingen – nicht weniger ist die Idee der ersten Ansätze, die jetzt für eine Neukonzeption des Museums im Gräfrather Klosterhof vorliegen.

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Zugleich muss die Zahl der Besucher mehr als verdoppelt werden, will man das alles finanzieren. Kann das gehen? Da braucht man nicht weit zu blicken. Das Neandertalmuseum hat das geschafft. Es ist ein Aushängeschild in ganz NRW. Und die Solinger Klinge hat im Vergleich zu den Urmenschen in den Steinbrüchen in unserer Nachbarschaft ebenfalls einen Weltruf. 

Gerne wird darauf verwiesen, dass sich Solingen nicht nur über die Klingen definieren solle. Aber eben auch. Das sollte man nicht vergessen: Das Pfund „Weltruf“ wiegt sehr schwer. Dazu müssen jetzt aber im Entwicklungsprozess Politik, Verwaltung, Bürger und auch die heimische Industrie zusammenarbeiten. Nur so kann die Markenwelt rund um den Weltruf der Klingenstadt dort umgesetzt werden. Diese Welt muss dann Tradition und Moderne vereinen.

Die Solinger Museen suchen zunehmend den Kontakt zu Besuchern über das Internet. Das wird aus einem Bericht deutlich, den die Verwaltung am Donnerstag dem Kulturausschuss zur Beratung vorlegt.

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