Messer wandern in digitale Ausstellung

Klingenmuseum erfasst mit der Software „MuseumPlus“ seine Bestände

Sixt Wetzler (links), der Leiter des Klingenmuseums, schaut Wolfgang Peter-Michel dabei zu, wie er ein kleines Messer eines Kinderbestecks wiegt. Es landet wie 2500 weitere Besteckteile aus dem Depot und der Sammlung des Museums in einem digitalen Verzeichnis. Foto: Christian Beier
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Sixt Wetzler (links), der Leiter des Klingenmuseums, schaut Wolfgang Peter-Michel dabei zu, wie er ein kleines Messer eines Kinderbestecks wiegt. Es landet wie 2500 weitere Besteckteile aus dem Depot und der Sammlung des Museums in einem digitalen Verzeichnis.

Nur wenige Gramm wiegt ein kleines Kindermesser. Den Wert trägt Wolfgang Peter-Michel in ein Programm ein, mit dem das Deutsche Klingenmuseum bis zum Jahresende allein 2500 Besteckteile aus seinem Depot und seiner Sammlung erfasst.

Von Philipp Müller

Solingen. 25 Einzelstücke schafft der Experte pro Tag. Die Maßnahme kann das Museum durchführen, weil es dafür Bundesmittel aus dem Programm „Neustart Kultur“ gibt.

Wie der Leiter des Museums, Dr. Sixt Wetzler, am Donnerstag im Kulturausschuss erklärte, hatte das Museum knapp 29.000 Euro für den Prozess beantragt und bewilligt bekommen. Zudem gibt es einen Eigenanteil von rund 3000 Euro, den die Freunde des Deutschen Klingenmuseums zur Verfügung stellen. Zuvor hatte der Landschaftverband Rheinland (LVR) die Anschaffung der speziellen Software „MuseumPlus“ (| Kasten) bezuschusst.

Peter-Michel hält ein weiteres Messer gegen das Licht. Es hat eine Griffschale aus Perlmutt. „Kinderbestecke gab es schon zur Römerzeit. Aber erst seit 200 Jahren werden sie in großer Stückzahl produziert.“ Das liege daran, dass früher die Kinder mit dem einzigen Ziel aufgezogen worden seien, ganz schnell erwachsen zu werden. Erst spät habe sich die pädagogische Erkenntnis durchgesetzt, die Fähigkeiten der Kinder genauer zu beachten und gezielt zu fördern.

Auch solche kurzen Infos werden die Besucher des Klingenmuseums bald lesen können, wenn die Erfassung abgeschlossen ist und im Verzeichnis der Deutschen Digitalen Bibliothek veröffentlicht wird.

„Ohne digitale Angebote kommt ein Museum heute nicht aus.“

Sixt Wetzler, Klingenmuseum

„Wir wollen auch eine Einbindung in die Solingen-App erreichen“, erklärt Wetzler. Damit beschreibt er einen Sinn der Arbeit. Dinge, die in großer Stückzahl im Depot liegen, sollen so ans Licht der Öffentlichkeit geholt werden. Zugleich diene die digitale Katalogisierung auch der Wissenschaft, wenn sie sich für bestimmte Klingen interessiere. Der dritte Aspekt hat auch etwas mit Marketing zu tun, betont der Historiker. „Ohne digitale Angebote kommt ein Museum heute nicht aus.“

Das werde sich auch im Juli im neuen, geplanten Auftritt für das Museum zeigen. Den Entwurf legt die auf die Konzeption von modernen Museen spezialisierte Agentur März März vor. Ziel: den angestaubten Auftritt des Deutschen Klingenmuseums völlig neu auszurichten.

Dabei ist die Arbeit von Wolfgang Peter-Michel nur ein kleiner Baustein. Er stammt aus Porz, wohnt heute in Overath. „Aber ich kenne das Klingenmuseum schon aus meiner Kindheit. Mich fasziniert die Geschichte der Klingen.“ Das muss sie auch. Denn es ist viel Arbeit eines Ermittlers nötig, um den Katalog auch aussagekräftig zu gestalten. Er sucht nach Markenzeichen – früher gab es die nicht immer. Er bestimmt, woher die Klinge stammt, wann sie hergestellt wurde und welchen Zweck sie hat. Dann wird gemessen und gewogen. Schließlich trägt er seine Ergebnisse ein. Manchmal dauere das Zusammentragen der Fakten lange, daher schaffe er kaum mehr als 25 Teile pro Tag. Fotografieren muss er sie nicht mehr, das erledigte ein Profi vorab.

Doch die Fotos sind dann später auch wichtig. Sie werden ebenfalls veröffentlicht und zeigen auf einen Blick die Ausstellungsstücke. Sie werden auch in den neuen Internetauftritt des Klingenmuseums fließen. „Der ist in Vorbereitung“, sagt Sixt Wetzler. Das sei auch dringend erforderlich. „Zum Start der Internetseite war das alles – auch im Vergleich zu anderen Museen – sehr modern. Heute hinken wir aber hinterher.“ Auch Peter-Michel hat potenziell noch viel Arbeit. Fast 35 000 Objekte hat das Museum im Besitz.

Museum landet in digitaler Sammlung

Software: Das webbasierte Programm MuseumPlus ist genau auf die Anforderungen zugeschnitten, Museumsobjekte zu erfassen und bietet alle notwendigen Funktionen und Möglichkeiten, für jede Art von Sammlung. Ein großer Vorteil ist dabei, dass der Zugriff auf MuseumPlus von jedem Ort und zu jeder Zeit erfolgen kann.

Bibliothek: Die Deutsche Digitale Bibliothek ist die Plattform zur Darstellung des deutschen Kulturguts im digitalen Raum. Obwohl der Begriff „Bibliothek“ verwendet wird, sind in der Datenbank auch Museumsobjekte vertreten. Derzeit sind in der bundesweiten Sammlung bereits 37 Millionen Objekte erfasst, 12 Millionen mit vollständigem Profil.

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