Klimagerechtes Bauen

Klimaschutz müsse bezahlbar bleiben

Die Runde (v. l.), Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, Haus & Grund-Vorsitzender Dr. Hans Reinhold Horst sowie CDU-Kreisvorsitzender Sebastian Haug, folgte dem Thema „Prima.Klima.Wohnen.“ Die Organisatoren hatten dazu ins Galileum eingeladen. Foto: Christian Beier
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Die Runde (v. l.), Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, Haus & Grund-Vorsitzender Dr. Hans Reinhold Horst sowie CDU-Kreisvorsitzender Sebastian Haug, folgte dem Thema „Prima.Klima.Wohnen.“ Die Organisatoren hatten dazu ins Galileum eingeladen.

Der CDU-Kreisverband lud zu einer Diskussion mit Politikern sowie Haus & Grund ein.

Von Andreas Römer

Solingen. Mehr Innovationen und mehr Kreativität braucht es für zukunftssicheres, klimagerechtes Bauen. Das meint Jan Heinisch, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Er sprach auf Einladung des CDU-Kreisverbands Solingen gemeinsam mit dem Vorsitzenden von Haus & Grund, Hans-Reinold Horst, und dem örtlichen CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagskandidaten, Sebastian Haug, am Mittwochabend auf einer Podiumsdiskussion zum Thema „Prima. Klima.Wohnen.“ im Galileum. Heinisch vertrat Ministerin Ina Scharrenbach, die aufgrund verlängerter Sitzung im Landtag kurzfristig abgesagt hatte.

Umweltsünde Bauen: So geht Wohnen nachhaltig

„Bauen ist hochkomplex und ein langfristiger Prozess“, sagte Jan Heinisch. Deshalb lägen auch große Aufgaben vor allen Beteiligten. Es sei noch viel im Klimaschutz zu tun. Die aktuelle Krise erfordere schnelle Lösungen, da die Energiepreise viele überfordern. Er setze dabei aber mehr auf Überzeugung als auf weitere Markteingriffe und Forderungen an Bauherren und Hausbesitzer. „Durch politische Beschlüsse wird keine neue Wohnung gebaut. Es sind immer die Menschen, die das tun – und diese müssen wir mitnehmen, ihnen Anreize geben“, so seine Auffassung.

Da stieß er auf Zustimmung von Hans-Reinold Horst. Auch Horst ist für mehr Klimaschutz, aber der müsse bezahlbar bleiben. Man dürfe die Immobilienbesitzer und Vermieter nicht überfordern. Horst wehrte sich gegen das „Vermieter-Bashing“, das er oftmals in den Medien feststelle. Man müsse doch schon mal hingucken, wo denn die Preissteigerungen beim Wohnen lägen. „In Deutschland sind die Löhne seit 2015 um elf Prozent gestiegen, die Mieten aber nur um sechs Prozent“, erläuterte Horst. Wenn Betriebs- oder Nebenkosten aber steigen, sei der Vermieter ja quasi nur „das Inkassounternehmen für die öffentliche Hand“. Unfair findet er auch die für Anfang 2023 geplante neue Aufteilung der CO2-Abgabe. Dann zahlen Mieter nur noch Anteile, die abhängig vom energetischen Gebäudezustand sind.

Senkung der Mehrwertsteuer war Thema

Jan Heinisch sieht das ganz ähnlich. „Wir müssen doch auch ehrlich bleiben: Nicht jedes Gebäude wird sich auf den gewünschten Klimastandard KfW55 bringen lassen.“ Er schlägt vielmehr vor, sich mit Nachbarn zusammen zu tun und gemeinsame Lösungen zu finden. Sogenannte Quartierslösungen böten innovative Chancen, die preislich attraktiv und klimatechnisch gewinnbringend sein können.

Kurzfristige Alternativen zu den vielen Gasheizungen konnten auch die Experten nicht bieten. „Wenn wir alle jetzt auf eine Pelletheizung umsteigen, geht die Feinstaubbelastung enorm nach oben,“ warnt Horst. Zudem fehlten für Alternativen wie Photovoltaik oder Wärmepumpe aktuell einfach häufig die Techniker, die Experten, die vernünftig beraten und schließlich solche Anlage auch installieren. Dennoch sei der Weg hin zu noch mehr regenerativen Energien unabdingbar, so der Vorsitzende von Haus & Grund.

Die Verbraucherzentrale Solingen berät private Hausbesitzer beim Umstieg auf Solarenergie.

Da sieht Jan Heinisch das Land auf einem guten Weg. „Wir haben in den letzten Jahren mehr Windenergie ausgebaut als Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zusammen“, verweist er auf stolze Zahlen. Die vieldiskutierte Abstandsregel sei auch mit vielen Öffnungsmöglichkeiten versehen. Und geklagt gegen weiteren Ausbau werde zumeist von Naturschutzverbänden, die den Artenschutz fordern. Er sieht die Sache aber durchaus optimistisch und glaubt: „Wenn man will, geht da noch ganz viel.“ Man müsse eben kreativ rangehen.

Einig waren sich alle, dass mehr Klimaschutz nötig ist, dieser aber bezahlbar bleiben müssen. Für eine kurzfristige Entlastung bei den Energiepreisen schlugen sie eine Senkung der Mehrwertsteuer vor.

Bündnis

Unter dem Motto „Prima. Klima.Wohnen.“ haben die Landesregierung und ein breites Bündnis aus Fachverbänden und Institutionen 2020 vereinbart, gemeinsam einen verstärkten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und CO2-Emissionen beim Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung zu reduzieren. Mit dabei sind Handwerks- und Immobilienverbände, Bauwirtschaft und Verbraucherschützer.
www.mhkbg.nrw/primaklimawohnen

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