Taschenmessermacher

Kleinod der Solinger Frühindustrie öffnet wieder

Anne Cogan-Krumnow (v. l.), Hans-Jürgen Schrage und Niko Pankop zeigen die Arbeit der Taschenmessermacher.
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Anne Cogan-Krumnow (v. l.), Hans-Jürgen Schrage und Niko Pankop zeigen die Arbeit der Taschenmessermacher.

Jeden ersten Mittwoch im Monat kann die Reiderei Lauterjunge besichtigt werden.

Von Wolfgang Günther

Nach langer Schließung hat die Reiderei Lauterjung an der Schaberger Straße wieder geöffnet. Die Werkstatt wird seit einigen Jahren als Nebenstelle vom LVR-Industriemuseum betreut. Das Kleinod der Solinger Frühindustrie bietet faszinierende Einblicke in die vielseitige Arbeitswelt der Heimarbeiter der Solinger Schneidwarenherstellung.

In den 1930er Jahren arbeiteten etwa 25 000 Heimarbeiter in Solingen. „Die kleine Werkstatt bot damals maximal zwei Heimarbeitern einen Arbeitsplatz“, erklärt Hans-Jürgen Schrage, Mitarbeiter des Museums. Hergestellt wurden dort Taschenmesser in vielen Ausführungen.

In der Reiderei ist die Welt stehen geblieben. An der Wand hängt noch der Kalender des Jahres 1969, in dem Jahr schloss Arthur Lauterjung seine Reiderei. Und auch ein altes Radio steht noch da. Das einzige Zugeständnis an die moderne Zeit ist ein kleiner Bildschirm, mit dem die Museumsmitarbeiter Filme über die historische Arbeitsstätte vorführen können. Die Reiderei Lauterjung ist der einzige in Solingen erhaltene Betrieb dieser Art, die Bausubstanz ist gut, Sorgen bereitet dem Museum aber der zunehmende Schwerverkehr auf der Schaberger Straße.

So war das Museumsfest im Klingenmuseum

Die Bezeichnung dieser speziellen Kotten stammt wohl aus der Mundart. Als „Jereiden“ werden Utensilien bezeichnet, und die brauchte ein Taschenmesserhersteller in allen Variationen. Dutzende von Pappschachteln mit Klingen, Schrauben, Feilen, Schalen, Heften und Federn stehen auf der Werkbank, als ob sie jeden Moment wieder gebraucht würden. „Die Heimarbeiter wussten eben für jedes Messer genau, was nötig war, und hier waren auch alle Geräte vorhanden“, sagt Schrage. Er bringt Interessenten in einem Kurs auch das Montieren eines Taschenmessers bis zum Rohling bei.

Beim ersten Öffnungstag der Reiderei kam Walter Höttges mit seinem fünfjährigen Enkel Jonas in die Reiderei. „Ich habe selbst noch Messer hergestellt und wollte ihm das mal zeigen“. Für Niko Pankop war der Blick in die historische Werkstatt ebenfalls neu. Er arbeitet seit kurzem als wissenschaftlicher Referent im Museum Hendrichs und entwickelt dort Veranstaltungen und Ausstellungen.

Geöffnet ist die Reiderei Lauterjung an jedem ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr. Mitarbeiter des Museums Hendrichs stehen für Erklärungen bereit.

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