Breite Angebotslandschaft

Kleiderkammern bieten bedürftigen Menschen wertvolle Hilfe

Gabi Lichtenvoort und Christiane Walz setzen das Hygienekonzept in der Kleiderkammer der Heilsarmee um. Foto: Michael Schütz
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Gabi Lichtenvoort und Christiane Walz setzen das Hygienekonzept in der Kleiderkammer der Heilsarmee um.

Die Pandemie-Lage ist insbesondere für bedürftige Menschen eine große Herausforderung.

Von Timo Lemmer

Solingen. Da sind sich die sozialen Akteure in der Klingenstadt gegenüber dem ST einig. Es gibt aber gute Nachrichten: Die Kleiderkammern haben geöffnet oder, sofern sie zwischenzeitlich geschlossen waren, wollen kurzfristig wieder öffnen. Und auch ein Hinweis von Stefan Grohé ist als optimistisches Zeichen zu deuten: Über aktuelle Öffnungszeiten von hilfeleistenden Einrichtungen könne er allein schon deshalb nichts sagen, weil die Angebotslandschaft in Solingen glücklicherweise sehr umfangreich sei.

Grohé, Stadtdienstleiter Soziales, verweist in der Krise auf die dezentralen Angebote in Solingen – eine spezielle Corona-Anlaufstelle für alle gäbe es so bei der Stadt nicht. Aber: „Die Beratung ist sehr zielgruppenorientiert.“ Beispiel Flüchtlinge: „Hier gibt es eine sehr gute soziale Beratung über die Wohlfahrtsverbände, die sehr individuell unterstützen. Insbesondere in der Corona-Zeit.“

Für die Pflege übernehme diese Rolle die Pflegeberatung, die sehr gut über die aktuelle Versorgungssituation informiert sei. Sein Stadtdienst sei für Leistungsbezieher der Sozialhilfe derweil der ideale Ansprechpartner: „Hier geben unsere Sachbearbeiter natürlich schon bei der Antragstellung umfangreiche Informationen etwa über die Nutzungsmöglichkeiten des Solingen-Passes für das Sozialkaufhaus.“

Das „SoKa“ auf der Schlagbaumer Straße hat momentan im Click-and-Meet-Verfahren geöffnet. Grohé weiter: „Für spezielle Anfragen und individuelle Fragen sind im Stadtdienst Soziales auch zwei Sozialarbeiterinnen beschäftigt.“ Kunden von Jobcenter, Wohnungs- oder Jugendamt seien in den dortigen Beratungsstrukturen gut aufgehoben. Derweil seien die vielen Beratungsangebote, die beispielsweise Wohlfahrtsverbände oder Kirchen leisten, bei der allgemeinen Sozialberatung auch auf Corona-Themen eingestellt. Dazu gehören auch die etlichen Stellen in Solingen, die mit Kleidern oder anderen Gegenständen wie Möbeln aushelfen.

Solingen: Kinderschutzbund schließt Kleiderkammer bis zum 18. April

Für die Heilsarmee, die auf der Florastraße eine Kleiderkammer verantwortet, gilt ein klares Hygienekonzept, das Christiane Walz erklärt: „Unsere Kunden tragen sich vor Ort in eine Liste ein. Es darf jeweils ein Kunde für 15 Minuten in den Laden.“ Mehrere Mitarbeiter sorgen für Entzerrung von Kleiderspenden, Kontaktlisten und Ladenraum. In der Woche vor Ostern war die Kleiderkammer dann geschlossen. Den schnellsten Draht gibt es über die Homepage des Solinger Korps.

Der Kinderschutzbund am Amtstor hat für seinen Kleiderladen ebenfalls ein Hygienekonzept erarbeitet. Das Geschäft ist aber vorerst wohl bis zum 18. April geschlossen und setzt in der nun umso angespannteren Lage aber auf individuelle Absprache per Telefon. Ruth Karschewsky-Klingenberg verweist zudem darauf, dass der Bund Menschen ermutigen möchte, sich zu melden, wenn sie Probleme haben oder sehen: „Der Kinderschutzbund ist kein Amt und bei Beratung zur Verschwiegenheit verpflichtet.“ Das Büro ist täglich von 10 bis 12 Uhr besetzt und telefonisch erreichbar – auch, um Kleiderspenden abzusprechen.

In Ohligs muss die Kleiderkammer der katholischen Kirche ihre Schließung ebenfalls aufgrund der aktuellen Lage verlängern: Die Pfarrgemeinde St. Sebastian ist auf der Grünstraße zu finden, die Kleiderkammer ist indes vorerst bis zum 13. April geschlossen.

In Wald ist die Kleiderkammer der Sozialdiakonie momentan montags und donnerstags von 14 bis 15.30 Uhr sowie mittwochs von 9 bis 11.30 Uhr geöffnet. Am Walder Kirchplatz versorgen dann Bettina Hahmann und Co. die Kunden nach striktem Hygienekonzept. Es geht aber auch bereits kontaktlos: „Unsere Kunden haben auch die Möglichkeit, telefonisch oder schriftlich anzufragen, und wir stellen Kleidung je nach Größe und Bedarf zusammen, die dann von der jeweiligen Person im Sozialdiakonischen Büro abgeholt werden kann.“ Dieses To-Go-Angebot soll im Falle einer notwendigen Schließung aufrechterhalten werden.

Und auch der DRK-Kreisverband Solingen hilft mit seiner Kleiderkammer auf der Burgstraße. Elzbieta Milewska sagt: „Für unsere Bedürftigen und bei allen Notfällen versuchen wir, immer greifbar zu sein.“ Außer mittwochs sei die Kleiderkammer unter der Woche täglich von 8 bis 13 Uhr geöffnet.

Rund um die Kammern

Alternative: Die Ohligser Kleiderkammer wollte eigentlich Ende März nach der Schließung seit dem 1. November wieder öffnen - das musste nun entfallen. Die Menschen, die die Kleiderkammer nutzen, seien in dieser Zeit aber „to go“ versorgt worden, wie Sabina Vermeegen betont: „Vor allen Dingen beim Wohlfühlmorgen haben wir Bestellungen aufgenommen. Die gepackten Tüten konnten auf dem Rückweg abgeholt werden.“

Kontakt: Alle aufgeführten Anlaufstellen informieren auf ihren jeweiligen Internetseiten aktuell über Öffnungszeiten und Maßnahmen. Dort sind auch Telefonnummern für den direkten Kontakt hinterlegt. Gerade aktuell können sich die angeführten Gegebenheiten kurzfristig ändern.

Schlangen vor der Suppenküche werden länger: Besonders Ältere und immer mehr junge Familien brauchen in Zeiten der Pandemie Unterstützung.

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