Lockdown trifft Kinos in der Region hart

Auch Geschäftsführer des Lumen setzt auf den April

Meinolf Thies, Geschäftsführer des Lumen, will sein Kino nicht mit angezogener Handbremse betreiben. Foto: Christian Beier
+
Meinolf Thies, Geschäftsführer des Lumen, will sein Kino nicht mit angezogener Handbremse betreiben.

Lumen Solingen, Cinestar Remscheid und Film-Eck Wermelskirchen rechnen mit weiteren Einschränkungen.

Von Melissa Wienzek

Solingen. Alles neu macht der Frühling – darauf hoffen die Kinos in Bergischen. Die Betreiber von Lumen Solingen, Cinestar Remscheid und Film-Eck Wermelskirchen setzen auf den April. Zu Ostern, wenn neues Leben erwacht, hoffen auch sie auf eine Wiedergeburt nach dem monatelangen Lockdown. Wir haben uns umgehört.

Lumen Solingen: Bei Meinolf Thies und seinem Team „stirbt die Hoffnung jeden Monat aufs Neue zuletzt“. Man müsse abwarten, was die nächste Berliner Elefantenrunde am 3. März ergebe – dann könne geplant werden. Theoretisch sei der nächste denkbare Wiedereröffnungstermin Mitte März. „An den glaubt realistisch aber keiner“, sagt Thies und appelliert: „Es wäre toll, wenn die Politik ein Erbarmen mit der Kultur hätte – wie es Herr Laschet auch versprochen hat.“

Kino gibt es nur im Kino.

Meinolf Thies, Lumen Solingen

Dies müsse aber auch mit Bedingungen einhergehen, die ein Betreiber brauche. „Wenn die Zuschauer überall Maske tragen müssen und kein Verzehr möglich ist, machen wir die Bude nicht auf. Es ist einfach nicht wirtschaftlich.“ Mit angezogener Handbremse Kino zu machen – das mache wohl niemand mit.

Solingen: Infektionen seien nicht auf einen Kinobesuch zurückzuführen

Studien und Gutachten hätten ergeben, dass keine einzige Infektion auf einen Kinobesuch zurückzuführen sei, sagt Thies. Das Hygienekonzept zwischen Lockdown 1 und 2 sei dem Lumen gut gelungen. Das Solinger Lumen verfügt über acht Säle mit mehr als 1150 Plätzen. Die Filme seien indes nicht das Problem. „Die Ware ist da.“ Streaminganbieter könnten aber eventuell zum Problem geworden sein. „Es gibt Stimmen, die sagen, es haben nun so viele Leute Streaming-Abos abgeschlossen, dass es das Kino schwer haben wird. Es gibt aber auch Stimmen, die sagen: Wenn ihr endlich wieder geöffnet habt, ist es egal, was ihr spielt, die Leute werden kommen, weil sie raus wollen.“

Dieses habe einen entscheidenden Vorteil: den Eventcharakter. „Kino gibt es nur im Kino“, betont der Lumen-Geschäftsführer. „Sie können zu Hause nicht so laut wie wir und Sie haben zu Hause auch nicht so eine tolle Sicht wie wir.“

Cinestar Remscheid: „Die Tendenz in Richtung Ostern sieht ganz gut aus“, sagt Jörg Bender, Theaterleiter des Cinestars am Remscheider Hauptbahnhof. „Aber es muss auch hier eine bundesweite Regelung geben, dass der größte Teil der Kinos aufmacht“, fordert er. „Sonst kriegen wir nicht die Filmware, die wir benötigen, um ein attraktives Programm zeigen zu können.“

Selbst wenn die Häuser wieder öffnen dürfen – gibt es denn dann überhaupt Filme, die gezeigt werden können? „Filme gibt es jede Menge“, betont Bender. Zahlreiche Streifen seien 2020 um ein Jahr verschoben worden – und stünden jetzt in den Startlöchern. Zum Beispiel „Godzilla vs. Kong“, „James Bond – Keine Zeit zu sterben“, „Fast & Furious 9“, oder „Minions 2“. „Alles Hochkaräter“, sagt der Filmexperte. Hinzu kommen die Low-Budget-Produktionen. „Das Schöne daran ist, dass die großen Studios beziehungsweise die Filmverleiher diese Riesen-Blockbuster extra für einen Start in den Kinos ausgesprochen haben.“ Von daher glaube er nicht, dass sich die Zuschauer daheim nur noch auf Netflix, Amazon Prime und Disney Plus beschränken. „Die tatsächlichen Blockbuster, die ins Netz abgewandert sind, sind überschaubar.“

Hygienekonzepte bleiben bestehen

Kino sei eben viel mehr, als nur im Sessel zu sitzen. Ein Kino-Abend sei ein Event mit allem, was dazugehört: Popcorn, Cola, Riesen-Leinwand, Top-Sound, bequemem Sessel und dem anschließenden Austausch bei einem Bier – und das mache es aus. Bender glaubt: Viele Bürger wollen raus. Gleichwohl rechnet er damit, dass nach der Wiedereröffnung und sicher bis Ende des Jahres nur ein Teil der 1074 Plätze in sechs Sälen besetzt werden kann und die gängigen Hygienekonzepte bleiben.

Film-Eck Wermelskirchen: Auch wenn die Szene vorsichtig mit April rechne – „Wissen tun wir überhaupt nichts“, sagt Klaus Schiffler vom Film-Eck an der Telegrafenstraße. Gemeinsam mit seiner Frau Christel schmeißt er den Laden. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir im Unruhestand sind, dadurch hat uns das nicht ganz so schwer gejuckt wie andere.“

Die Schifflers hoffen, dass sie zumindest mit den reduzierten 72 statt 115 Plätzen wieder an den Start gehen können. Ihr Publikum ist älteren Semesters. „Wir haben zwar ein Stammpublikum, aber auch das wird wahrscheinlich erst mal ausbleiben – aus Angst, sich vielleicht doch anzustecken.“ Was die Filmstarts angeht, ist er skeptisch. „Ich habe gestern noch in unsere Übersicht der Filmstarts geguckt, da war nichts drin.“

Hintergrund

Seit 2. November des Vorjahres flimmert in den Lichtspielhäusern der Region nichts mehr über die Leinwand – abermals. Neben den Kinos bleiben im Lockdown bislang auch Theater, Kleinkunstbühnen, Opern, Museen, Konzerthäuser, Freizeitparks, Spaßbäder, Fitnessstudios und Messen dicht.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Solingen? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Solingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag

Kommentare