Mordprozess geht weiter

Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich

Richter Jochen Kötter sitzt der Kammer vor. Foto: to
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Richter Jochen Kötter sitzt der Kammer vor.

Gericht beleuchtete frühere Beziehungen der Angeklagten

Solingen. Was ging schief im Leben der jungen Frau, die fünf ihrer sechs Kinder in der heimischen Badewanne im Stadtteil Hasseldelle zu Tode gebracht haben soll? Und welche Auffälligkeiten gab es bei der 28-Jährigen schon in jungen Jahren? Diesen Fragen versuchte sich die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Jochen Kötter gestern schrittweise mit Hilfe einer Vielzahl von Zeugen zu nähern. Vor dem Landgericht Wuppertal wird aktuell wegen heimtückischen Mordes gegen die Solingerin verhandelt.

Von Männern wurde die sechsfache Mutter in ihrem Leben immer wieder enttäuscht, wie an den Aussagen mehrerer Zeugen deutlich wurde. Geladen war unter anderem der leibliche Vater des ältesten Kindes der Familie, der keinen Hehl daraus machte, dass er die Vaterrolle stets vehement abgelehnt hatte. Die Beziehung des damaligen Teenager-Paares – er 17, sie 16 Jahre alt – habe vielversprechend begonnen. Er habe die Angeklagte zunächst „inspirierend“ gefunden, beide hätten gemeinsame Interessen geteilt. Bis sie schwanger wurde. „Ich wollte noch nicht so jung Vater werden, aber sie wollte das Kind unbedingt. Dann habe ich von heute auf morgen Schluss gemacht.“ Dies habe er der werdenden Mutter per Textnachricht mitgeteilt.

Angeklagte lernte zweiten Vater in einem Erotik-Portal kennen

Den leiblichen Vater eines weiteren Sohnes, der bei der Tat gestorben ist, hatte die Angeklagte im Internet auf einer Escort-Seite kennengelernt. Anfangs soll die Solingerin mit dem Kontakt auch finanzielle Interessen verfolgt haben, später zogen beide laut dem JVA-Beamten eine ernsthafte Beziehung in Erwägung. Erneut wurde die Beschuldigte ungeplant schwanger, was wiederum zur Trennung führte. Zwar habe er für das Kind zuverlässig Unterhalt gezahlt, doch habe er seinen Sohn zu Lebzeiten kein einziges Mal gesehen.

Während die Väter der ersten beiden Kinder der Angeklagten in deren Leben den Angaben nach quasi nicht existierten, endete die Beziehung zum Vater der übrigen vier Kinder immerhin in einer mehrjährigen Ehe. Doch wie in der Verhandlung deutlich wurde, entzog sich offenbar auch dieser Mann immer wieder familiären Pflichten. Manchmal sei er wochenlang nicht zu Hause gewesen, soll psychisch labil gewesen sein und Probleme mit Alkohol gehabt haben.

Foto von Mann und neuer Partnerin scheint Auslöser der Tat gewesen zu sein

Im März 2020 soll es formal zur Trennung gekommen sein, doch loslassen konnten beide nicht. Immer wieder habe der Ehemann bei der Angeklagten und den Kindern übernachtet. Es habe Versuche gegeben, sich wieder anzunähern, man plante sogar noch ein siebtes Kind. Schließlich lernte der Solinger aber eine neue Partnerin kennen – in unmittelbar zeitlichem Zusammenhang vor der Tat soll er ein gemeinsames Profilbild mit der neuen Freundin eingerichtet haben. Laut einer Psychologin, die mit der Angeklagten in der Haft Kontakt hatte, sei diese darüber „traurig und frustriert“ gewesen. Das Foto wird als Auslöser für die Tat gehandelt.

In der Familie habe es schon länger Auffälligkeiten gegeben, wie Zeuginnen berichteten. Die Mutter eines Schulfreundes des überlebenden Jungen schilderte, dass dieser für sein junges Alter stark bei Haushaltsaufgaben eingespannt gewesen sei und für seine jüngeren Geschwister eine Aufpasserfunktion bis hin zum Vaterersatz eingenommen hatte. Als einmal eines der Kinder eine Platzwunde hatte, soll ein anderes Geschwisterkind gegenüber einer Zeugin angegeben haben, dass die Angeklagte ihren Sohn „geschubst“ habe. Daraufhin habe man das Jugendamt informiert. Den ältesten, überlebenden Sohn schilderten die Zeuginnen unisono als besonders freundlich und verantwortungsvoll. „Er ist ein tolles Kind.“

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