Landgericht

Misshandlung: Prozess nimmt dramatische Wende

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

40 Jahre alter Angeklagter aus Solingen wird am Ende des Verhandlungstags im Gerichtssaal festgenommen.

Von Dirk Lotze

Solingen. Dramatische Wende in einem Prozess um gewalttätige Kindesmisshandlungen gegen einen Solinger Angeklagten: Ein Team der Bereitschaftspolizei verhaftete den 40 Jahre alten Mann am Freitag, 3. Dezember 2021, am Ende seines Verhandlungstages im Landgericht Wuppertal. Es gibt neue Vorwürfe gegen ihn, informierte die Staatsanwaltschaft unsere Zeitung: Der Mann sei dringend verdächtig, dem im Kindesalter befindlichen Sohn seiner neuen Lebensgefährtin gewaltsam ein Bein gebrochen zu haben. Den Haftbefehl hätte das Amtsgericht Solingen am Abend zuvor erlassen. Im laufenden Prozess vor dem Landgericht geht es ebenfalls um brutale Übergriffe, die der Mann 2017 an einem anderen Opfer begangen haben soll: dem damals sieben Jahre alten Sohn seiner damaligen Freundin.

Die Anklage dazu geht davon aus, dass der 40-Jährige sein Opfer über Wochen geschlagen und gedemütigt hat. Er habe den Jungen im Treppenhaus ans Geländer gefesselt, mit dem Kopf in einer Schranktür eingeklemmt und zugedrückt. Bei anderer Gelegenheit habe er den Kopf in die Toilette gedrückt und abgespült. Zu den Gewaltexzessen sei es kurz nach dem Zusammenziehen des Mannes mit der Mutter gekommen. Die Vorfälle sollen unter dem Thema „Bestrafung“ gestanden haben, jeweils aus Anlass alltäglicher Begebenheiten.

Das laufende Verfahren steht kurz vor dem Abschluss

Im Sommer 2017 fielen in der Schule beim Jungen Prellungen und Blutergüsse auf, in einem Fall am Auge. Zunächst soll es geheißen haben, er habe sich beim Spielen verletzt. Ende 2017 nahm das Jugendamt beide Kinder aus der Familie. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zusätzlich Übergriffe auf die damalige Freundin und auf eine minderjährige Tochter der Frau vor. Im Prozess hat der Mann zugegeben, er habe den Siebenjährigen mit einem Gürtel geschlagen, nachdem der ihm vorgehalten habe: „Du bist nicht mein Papa.“

Der Prozess läuft seit August 2021. Er hatte spät begonnen, weil der Angeklagte bislang auf freiem Fuß war und andere Verfahren vorgezogen werden mussten. Zweimal hat die Verteidigung zusätzliche Zeugen und Beweise zur möglichen Entlastung eingebracht. Am Sitzungstag vor der Festnahme bestätigte ein Psychologe allerdings große Teile der belastenden Aussagen und stellte fest: „Es gibt viele Konstanten.“

In den vier Jahren seit der ersten Anzeige gebe es in einzelnen Punkten Abweichungen. Zu einem Vorwurf habe der Junge später gesagt, er erinnere sich an den betreffenden Punkt nicht mehr. Klar sei aber: „Es handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um eine bewusste Falschaussage.“

Das Verfahren steht kurz vor dem Abschluss. Zur Fortsetzung kommende Woche wird der Angeklagte aus der Untersuchungshaft vorgeführt.

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