Impfen von 12- bis 15-Jährige

Kinderärzte impfen weiter in Praxen

Dr. Sonia van Afferden, Sprecherin der Solinger Kinder- und Jugendmediziner, in ihrer Praxis: Dort impft sie nach eingehender Beratung. Eine generelle Impfung von Kindern und Jugendlichen bewertet sie zum jetzigen Zeitpunkt kritisch. Sie warte auf mehr Daten und eine entsprechende Empfehlung der Stiko. Foto: Michael Schütz
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Dr. Sonia van Afferden, Sprecherin der Solinger Kinder- und Jugendmediziner, in ihrer Praxis: Dort impft sie nach eingehender Beratung. Eine generelle Impfung von Kindern und Jugendlichen bewertet sie zum jetzigen Zeitpunkt kritisch. Sie warte auf mehr Daten und eine entsprechende Empfehlung der Stiko.

Impfzentrum wird nicht zusätzlich Anlaufstelle für 12- bis 15-Jährige – Warten auf Expertenkommission

Solingen. Der Erlass des Landes NRW, laut dem 12- bis 15-Jährige mit Beratung durch Kinder- und Jugendärzte ab sofort auch in den Impfzentren geimpft werden können, wird in Solingen nicht umgesetzt – 16- und 17-Jährige können sich schon länger im Impfzentrum impfen lassen. Der neue Erlass richte sich insbesondere an Regionen, in denen Kinder- und Jugendärzte Impfungen nicht anbieten könnten. In den Solinger Kinder- und Jugendarztpraxen sei ausreichend Beratungs- und Impfkapazität vorhanden – und alle beteiligten sich an den Impfungen.

Das betonen Dr. Sonia van Afferden, Sprecherin der Solinger Kinder- und Jugendmediziner, und Dr. Stephan Kochen – für die ärztliche Leitung im Impfzentrum – in einem gemeinsamen Schreiben. Und appellieren: „Wenn Sie eine Impfberatung wünschen, melden Sie sich in Ihrer Kinder- und Jugendarztpraxis.“

Dabei gelten die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und der Ständigen Impfkommission (Stiko) – empfohlen werden Impfungen für Kinder und Jugendliche derzeit nur bei Vorerkrankungen wie Diabetes, Rheuma, Immunschwäche, Adipositas, Herzfehler oder Trisomie 21. Impfungen könnten aber auch dann sinnvoll sein, wenn es im Umfeld der Kinder stark gefährdete Personen gebe, etwa mit einer Krebserkrankung. „Wir beraten und klären im Einzelfall, ob eine Impfung sinnvoll ist oder nicht“, erklärt Sonia van Afferden im Gespräch mit dem ST.

Stiko gibt noch keine Empfehlung für das Impfen der Jugendlichen

Von einer generellen Impfung bei Kindern und Jugendlichen rät sie derzeit noch ab. „Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat den Biontech-Impfstoff zugelassen auf der Grundlage der Daten von 1000 Kindern. Mehr wissen wir derzeit nicht“, so van Afferden. Seit Freitag-Nachmittag ist analog zu Biontech auch der Moderna-Impfstoff für 12- bis 17-Jährige von der EMA zugelassen.

Die Stiko warte mit einer neuen Biontech-Empfehlung ab, bis es mehr Daten gebe. Das könnte, glaubt van Afferden, noch im Sommer der Fall sein – in Israel und Kanada werde derzeit großflächig auch bei Kindern und Jugendlichen geimpft. „Auf diese Daten warten wir“, so die Ärztin – fast alle Eltern sähen das in den Beratungsgesprächen auch ein.

Da das Risiko für gesunde Kinder und Jugendliche, durch Covid-19 schwer zu erkranken oder gar zu sterben, sehr gering sei, müsse jedes Risiko, das die Impfung möglicherweise bringe, genau bekannt sein.

Sobald die Empfehlung da ist, geht das Impfen schnell

Im Moment stehe das Risiko noch nicht im Verhältnis zum Nutzen. Sollte eine generelle Stiko-Empfehlung zur Impfung von Kindern und Jugendlichen kommen, seien die Ärztinnen und Ärzte in Solingen gut aufgestellt. „Das kriegen wir dann sehr schnell hin“, erklärt van Afferden.

Dr. Stefan Kochen würde sich wünschen, dass die Stiko-Empfehlung weitere Faktoren berücksichtige. Es gehe auch um psychologische Aspekte – etwa die Angst vor einer Erkrankung –, um Quarantänevermeidung oder die Sicherstellung von Schulbesuch und Freizeitspaß ohne Tests.

Laut van Afferden spielt das zumindest in den Abwägungen der Ärzte bereits eine Rolle. „Bei zunehmenden Auffälligkeiten, Panikattacken oder Angststörungen kann eine Impfung sinnvoll sein, wenn sie die Angst nimmt.“ Das werde von Einzelfall zu Einzelfall im Gespräch mit den Patienten und ihren Eltern entschieden.

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