Corona-Krise

Kinder erleben die neue Normalität

Auch im Kinderladen an der Dorper Straße startete der Betrieb wieder – worüber Leiterin Iris Schmitt sehr froh ist. Foto: Christian Beier
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Auch im Kinderladen an der Dorper Straße startete der Betrieb wieder – worüber Leiterin Iris Schmitt sehr froh ist.

Eingeschränkter Regelbetrieb in Kitas ist gestartet – Betreuungszeiten sind reduziert.

Von Timo Lemmer

Solingen. Am Hippergrund lief am Montagmorgen alles ein wenig anders ab, als es die Beteiligten gewohnt sind. Aber es lief ausgesprochen gut, wie Iris Schmitt betonte: Die Leiterin der Elterninitiative Kinderladen hatte mit dem Vorstand weit im Voraus und über viele Abende hinweg ein Konzept entwickelt, um ihren Kita-Kindern und deren Eltern beim Wiederbeginn ein gutes und heimisches Gefühl zu vermitteln. „Die Erfahrung heute Morgen hat gezeigt, dass sich die Eltern an alle Vorgaben gehalten haben und die Arbeit im Vorfeld gefruchtet hat.“ Die Arbeit, der hohe zusätzliche Zeitaufwand – es hatte sich bezahlt gemacht.

„Das Konzept in sich ist schlüssig.“
Iris Schmitt, Leiterin der Elterninitiative Kinderladen

Im Kinderladen war man glücklich darüber, wie der Neustart gelungen ist. Wie überall in Solingen startete am Montag nämlich der Kita-Betrieb wieder voll - wenn auch unter dem Schlagwort „eingeschränkter Regelbetrieb“. Das grundlegende Fazit fiel dabei positiv aus.

Der eingeschränkte Betrieb hat damit die Zeit der Notbetreuung abgelöst. Im Kinderladen waren sie schon daran gewöhnt: Seit der generellen Kita-Schließung Mitte März hatte die Elterninitiative ohnehin nur einen Tag geschlossen. Ansonsten gab es aber vom ersten Tag an Notbetreuung für einige Kinder. Waren das anfangs noch zwei, wurden es mit der ersten Nachkorrektur – Stichwort Eltern in systemrelevanten Berufen – schon 20, was der Hälfte des Normalmaßes entspricht. Die zehn Mitarbeiter waren also schon früh geübt im veränderten Kita-Alltag.

Mit dem neuen Regelbetrieb ist allerdings alles noch einmal anders. „Man muss da an die Kinder denken“, sagt Schmitt, „die kommen in eine total neue Kita-Situation und sind erst einmal verwundert.“ Die Gruppen, am Hippergrund zwei, sind im eingeschränkten Betrieb strikt voneinander getrennt. Das gilt auch für die jeweiligen Fachkräfte der Gruppen. Jeglicher Kontakt untereinander – Personal, Eltern oder Kinder – wird vermieden. Im Kinderladen gibt es dazu nun für jede Gruppe einen eigenen Eingang. Beim Mittagessen, das sich die Kinder nicht mehr selbst holen dürfen, gibt es fest zugeteilte Sitzplätze.

Die Spielzeiten im Außengelände sind getaktet. Erst darf die eine, dann die andere Gruppe. „Das Konzept ist in sich schlüssig“, hat Schmitt für viele Maßnahmen Verständnis und lobt die Zusammenarbeit mit Stadt, Jugendhilfeplanung und Fachberatung. „Bei einigen Punkten aber muss man die Sinnhaftigkeit hinterfragen.“ Ein Beispiel: das Außengelände. Schließlich spielen viele Kinder aus unterschiedlichen Gruppen am Nachmittag auf dem öffentlichen Spielplatz dann doch gemeinsam.

Die Aufenthaltsdauer im jeweiligen Kindergarten ist pauschal reduziert: Pro Kind sind es wöchentlich zehn Stunden weniger. Für die Eltern im Kinderladen, die allesamt 45- oder 35-Stunden-Plätze haben, bedeutet das eine Reduzierung auf 35 beziehungsweise 25 Stunden. „Für viele Eltern ist die Verschlankung der Betreuungszeit um zehn Stunden natürlich schwierig“, weiß Schmitt. Bei allen aber überwiegt die Freude, dass es wieder losgeht – analog zu den Kindern. Viele waren beinahe drei Monate nicht in der Kita.

Über die wichtigen Änderungen hatten Schmitt & Co. die Eltern stets auf dem Laufenden gehalten. Noch am Samstag gab es eine Videokonferenz zum geänderten Ablauf. Dass sich dieser Aufwand gelohnt hat, bewies dann der erste Morgen: Die neuen Regelungen zur Abgabe der Kinder wurden umgesetzt, jegliche Begegnungen vermieden. Die Kitas haben ihren Betrieb wieder aufgenommen – wenn auch fürs Erste unter geänderten Rahmenbedingungen.

Ausblick

Der Landeserlass auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes gilt bis 31. August. Mitte August will man sehen, wie danach verfahren werden soll, heißt es vonseiten der Landesregierung. Konkret wünsche man sich zwar eine rasche Rückkehr zum regulären Vollbetrieb, es gelte aber, abzuwarten.

Im Juni und Juli wird wegen der Corona-Krise nur die Hälfte des Elternbeitrags fällig.

Ab August erfolgt die Eingewöhnung der neuen Kita-Kinder.

Standpunkt: Belastungsprobe für alle

Von Kristin Dowe

Das Aufatmen über die Wiedereröffnung der Kitas dürfte bei Eltern groß sein: Bei der Betreuung ihres Nachwuchses werden sie nun zumindest zeitweise entlastet.

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Für viele waren die vergangenen Wochen ein ständiger Eiertanz, Homeoffice, Homeschooling und den Haushalt gleichzeitig zu wuppen – stets begleitet vom Gefühl, mindestens einer Baustelle nicht gerecht zu werden. Mit der beschränkten Betreuungszeit ist der tatsächliche Bedarf der Familien zwar keineswegs gedeckt, doch ist der jetzige Schritt wenigstens ein Anfang. 

Vor Herausforderungen stehen aber auch die Einrichtungen, die in Zeiten von Personalknappheit umfangreiche Hygieneauflagen erfüllen müssen, deren Sinnhaftigkeit sich im Einzelfall – bei allem Gesundheitsbewusstsein – nicht immer erschließt. Außerdem benötigen die Erzieher viel Fingerspitzengefühl und pädagogische Kompetenz, um die Kinder behutsam auf die neue Situation und die damit verbundenen Verhaltensregeln vorzubereiten. Für alle Beteiligten ist das eine Belastungsprobe. Es bleibt zu hoffen, dass der Betrieb in den Kitas so verantwor- tungsvoll weiterläuft, wie der erste Tag der Wiedereröffnung es vermuten lässt. 

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