Angst vor Corona lässt nach

Wieder mehr Patienten lassen sich behandeln

Nur bei manchen Patienten sei noch eine gewisse Scheu vorhanden, sagt Dr. Harald Bannies. Foto: Tim Oelbermann
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Nur bei manchen Patienten sei noch eine gewisse Scheu vorhanden, sagt Dr. Harald Bannies.

Nachdem viele Patienten in den vergangenen Wochen aus Sorge, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, Termine abgesagt haben, sehen Arztpraxen und Kliniken nun eine Rückkehr zur Normalität.

Von Simone Theyßen-Speich und Anja Kriskofski

Solingen. Offensichtlich aus Angst, sich im Krankenhaus mit dem Sars-CoV-2-Virus anzustecken, haben in den vergangenen Wochen viele Patienten die Kliniken gemieden, obwohl eine akute oder chronisch Erkrankung eine Behandlung oder Therapie eigentlich notwendig gemacht hätte. Angesichts der aktuellen Lockerungen auch bei den Besuchsmöglichkeiten in den Krankenhäusern kommen jetzt wieder Besucher, aber auch mehr Patienten.

„Teilweise gab es Warteschlangen beim Einlass“, erklärte Klinikum-Sprecherin Karin Morawietz. Besucher, aber auch ambulante Patienten müssen nämlich jetzt einen Bogen mit ihren Kontaktdaten ausfüllen – das gilt in allen drei Kliniken. Außerdem müssen Fragen zu möglichen Corona-Kontakten und zum Gesundheitszustand der Besucher beantwortet und die Körpertemperatur gemessen werden.

Professor Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, ist froh über diese Entwicklung. „Die Patienten dürfen keine Angst vor einem Krankenhausbesuch haben.“ Es sei wichtig, dass verschobene Untersuchungen und Therapien jetzt wieder wahrgenommen würden. „Und da im Krankenhaus vielmehr getestet wird, ist die Gefahr, sich dort mit dem Virus anzustecken, kleiner als woanders“, so Randerath.

Solingen: Situation in Arztpraxen hat sich entspannt

Auch in den Arztpraxen habe sich die Situation entspannt, sagt der Allgemeinmediziner Dr. Harald Bannies. Bei manchen Patienten sei noch eine gewisse Scheu vorhanden, in die Praxis zu kommen. Blutentnahmen oder Kontrolluntersuchungen würden dann lieber noch verschoben. „Aber das ist weniger der Fall als zu Beginn der Pandemie.

Wer ernstzunehmende Beschwerden habe, suche jedoch den Arzt auf, hat er beobachtet. Der Betrieb in der Gemeinschaftspraxis Bannies/Freiheit wurde im Zuge der Pandemie umorganisiert. Man habe die Zahl der Termine reduziert, berichtet Bannies. Gleichzeitig mache er mehr Hausbesuche, um Menschen mit mehreren Erkrankungen und eingeschränkter Mobilität zu versorgen. Für Patienten mit Infekten sei eine eigene Sprechstunde eingerichtet worden. Im Wartezimmer stehe nur noch die Hälfte der Stühle, Zeitschriften gebe es nicht mehr. Am Empfang seien Acrylglasscheiben installiert worden. „Auch mit Schutzkleidung sind wir inzwischen gut versorgt.“

Er wolle niemandem etwas vorschreiben, erklärt Bannies. „Es ist mir wichtig, die Autonomie des Patienten zu wahren. Letztendlich entscheidet er.“

„Es besteht kein Grund, nicht in eine Praxis zu gehen.“

Olivier Weh, Allgemeinmediziner

Die Angst vor einem Arztbesuch sei unbegründet, betont der Allgemeinmediziner Olivier Weh: „Wir sind in Solingen gut aufgestellt.“ Die Behandlung der Patienten könne man auch in der Covid-19-Pandemie händeln, die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten sei gut. Es gebe ausreichend Schutzkleidung in den Arztpraxen, Acrylglaswände zum Schutz von Mitarbeitern und Patienten seien installiert und Termine zeitlich auseinandergezogen worden. Es gilt die Pflicht, Mund-Nase-Maske zu tragen.

Die Situation habe sich zwar normalisiert, sagt Weh: „Aber wir führen trotzdem jeden Tag Gespräche mit Patienten über die Notwendigkeit zum Arzt zu gehen. Corona geht vorbei, chronische Krankheiten aber nicht.“ So sollten sich unter anderem Diabetiker regelmäßig untersuchen lassen. Wer immer noch Scheu habe, zum Arzt zu gehen, solle das Gespräch suchen, rät Olivier Weh. „Man kann uns eine Mail schreiben oder ein Telefongespräch vereinbaren.“

Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat mit Vertretern der nordrhein-westfälischen Ärzte- und Zahnärzte dazu aufgerufen, nicht weiter auf Arztbesuche zu verzichten oder diese unnötig zu verschieben. Die Praxen erfüllten hohe Hygienestandards.

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