11.11.

Karnevalisten schwelgen in Erinnerungen

Wehmütig blicken Joachim Junker (l.) und Bernd Hawich von der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs auf die Hoppeditz-Tonne im Keller der Festhalle, die in diesem Jahr wegen Corona geschlossen bleiben muss. Foto: Christian Beier
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Wehmütig blicken Joachim Junker (l.) und Bernd Hawich von der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs auf die Hoppeditz-Tonne im Keller der Festhalle, die in diesem Jahr wegen Corona geschlossen bleiben muss.

Am heutigen 11.11. muss der Hoppeditz in der Tonne bleiben, doch die Jecken hoffen aufs nächste Jahr.

Von Kristin Dowe

Solingen. Behutsam streicht Joachim Junker, Vorsitzender der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs, über die bunte Tonne im Keller der Ohligser Festhalle. „Wir kontrollieren regelmäßig die Lebenszeichen des Hoppeditz, aber es ist zum Glück noch ein tiefes Schnarchen aus der Tonne zu hören“, berichtet Junker mit ernster Miene. Sein Verein hat das Hoppeditz-Erwachen in den vergangenen Jahren in der Festhalle ausgerichtet.

Bis 2021 wird der Hoppeditz wohl noch weiterschlafen müssen, denn die Karnevalisten der Klingenstadt haben ihm bis auf Weiteres „Corona-Arrest“ erteilt. Dabei wäre er für gewöhnlich heute Abend aus seiner Tonne gesprungen, um die neue Session zu eröffnen. Zwar bedauern die Solinger Karnevalsvereine den pandemiebedingten Ausfall ihrer Traditionsveranstaltung, doch betonen sie auch unisono, dass die Entscheidung alternativlos gewesen sei. Die Gesundheit gehe nun mal vor. Somit werfen einige Hoppeditze der vergangenen Sessionen für das Tageblatt am heutigen 11. 11. einen Blick zurück.

„Du stirbst nicht wirklich!“
Uli Preuss, ehemaliger Hoppeditz, muntert seinen Nachfolger auf

Solingens ehemaliger Polizeichef Robert Hall übernahm in der Session 2018/2019 die Rolle des Hoppeditz. „Das war eine aufregende Geschichte. Ich habe es damals als Ehre empfunden, das in meiner Heimatstadt machen zu dürfen.“ Kostümiert mit einer historischen Polizeiuniform inklusive Tschako und Reiterhosen habe er in der Tonne auf der Bühne durchaus geschwitzt – befreit aus seiner engen Behausung haben ihn schließlich Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Joachim Junker.

In seiner Eröffnungsrede, die der Hoppeditz nach seinem Sprung aus der Tonne traditionell hält, ging Hall unter anderem auf die drohende Schließung der Kleingartenanlage am Bussche-Kessel-Weg ein – ein Thema, das Solingen bis heute beschäftigt.

In der Session 2017/2018 stand die berühmte, bunte Tonne ausnahmsweise nicht in der Festhalle, sondern im Autohaus Schönauen, dessen Chef Franz-Josef Schönauen sich dort die Ehre als Hoppeditz gab. Das traf sich gut, denn in jener Session war Schönauens Geschäftsführer Michael Kotlenga Karnevalsprinz. In seiner Eröffnungsrede hatte Schönauen einige Seitenhiebe in Richtung von OB Tim Kurzbach ausgeteilt, versichert aber: „Wir sind Freunde geblieben.“

Eine stürmische Session erlebte 2015/2016 Hartmut Lemmer. Vorsitzender des Fördervereins Ittertal, als Hoppeditz, als der Rosenmontagszug wegen eines Unwetters abgesagt werden musste. Dennoch erinnert er sich heute gerne an diese Erfahrung. „Es gibt ein paar Dinge, die man im Leben einmal gemacht haben sollte. Hoppeditz im Karneval zu sein, gehört für mich dazu.“

Dementsprechend hat er auch seine „Beerdigung“ gut überstanden. „Herr Junker hatte bei seiner Trauerrede wirklich Tränen in den Augen“ behauptet Lemmer fest, denn für einen echten Jecken ist die Hoppeditz-Beerdigung nun mal eine sehr traurige Angelegenheit.

Für Sparsamkeit plädierte in der Session 2014/2015 der ehemalige ST-Fotograf Uli Preuss in seiner Rede als Hoppeditz mit Blick auf die klamme Finanzsituation der Klingenstadt. Ob es in diesen Zeiten denn nicht auch mal ein halbes Kölsch oder – noch knauseriger – ein zweifaches statt ein dreifaches „Solig lot jonn“ tun würde, redete er den Narren ins Gewissen. Heute sehe er das etwas anders, räumt Preuss ein, der inzwischen für die SPD im Stadtrat sitzt und sich in vielen Bereichen gesellschaftlich engagiert. „Mit Sparen kann man keine Stadt zum Leben bringen.“ 

Schon länger versuche er mit einigen Mitstreitern einen Hoppeditz-Stammtisch einzurichten, um gemeinsam Ideen für die Stadt zu entwickeln. „Bisher ist daraus leider nichts geworden. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr“, hofft Preuss und richtet aufmunternde Worte an den bedauernswerten Hoppeditz in seiner Tonne: „Mach dir keinen Kopp! Denn du stirbst nicht wirklich, nächstes Jahr bist du um so lebendiger!“ Die Tradition will es so, dass der Hoppeditz zum Ende der tollen Tage, am Aschermittwoch, beerdigt wird. Rein symbolisch, versteht sich.

Planungen 2021

Die Planungen der Veranstaltungen für die Session 2021/22 seien abgeschlossen, teilt der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval (FSK), Axel Hawranke, mit. „Wir haben in allen Verträgen festgehalten, dass die Beteiligten im Falle einer Pandemie beidseitig zurücktreten können.“ In diesem Jahr halte sich der Schaden für die Vereine in Grenzen, da die Verträge geändert werden konnten.

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