Närrische Session

Das planen Solingens Karnevalisten für die fünfte Jahreszeit

Der Hoppeditz – letztes Jahr war es RSG-Chefredaktuer Thorsten Kabitz – kommt am 11.11. wieder aus der Tonne.
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Der Hoppeditz – letztes Jahr war es RSG-Chefredaktuer Thorsten Kabitz – kommt am 11.11. wieder aus der Tonne.

Hoppeditz-Erwachen – Prinzenproklamation – Sitzungen – Rosenmontagszug

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die gute Nachricht für alle Narren vorweg: In der kommenden Session soll der Solinger Karneval wieder in gewohnter Weise stattfinden. „Wir haben alles normal geplant“, erzählt Axel Hawranke, Vorsitzender des Festausschusses Solinger Karneval (FSK). Neben den Vorbereitungen für den Auftakt der närrischen Session mit Hoppeditz-Erwachen und Prinzenproklamation laufen auch die Planungen für den Sitzungskarneval und den Rosenmontagszug am 20. Februar.

Das Prinzenpaar Jacky I. und Markus II. mit (h. v. l.)Adjudant Florian Reinartz, Hofdame Heike Dreher, Prinzenführer Reinhold Hawranke und Adjudant Wolfgang Ahr regiert auch diese Session.

Das Motto „Solingen fiert dat Lewen“ wird vom Vorjahr, wo ein Großteil der Veranstaltungen coronabedingt abgesagt werden musste, für die aktuelle Session übernommen. „Auch das Prinzenpaar Jacky I. und Markus II. darf noch ein Jahr weiter machen“, erklärt Hawranke einen Beschluss des Festausschusses. „Die beiden haben in der vergangenen Session außer der Jubiläums-Galasitzung der Muckemau im November keine andere Veranstaltung besuchen können.“

Gerade die Muckemau, mit 122 Jahren Solingens ältester Karnevalsverein, wird in diesem Winter allerdings keine Galasitzung veranstalten. „Aufgrund der finanziellen Situation nach der Open-Air-Veranstaltung zu Pfingsten haben wir erstmal keine Verträge abgeschlossen“, erklärt Präsident Jochen Ritter. Das Konzert im Walder Stadion zu „11 mal 11 Jahre KG Muckemau“ hatte nicht die erhoffte Besucherzahl gebracht.

Die KG Muckemau, die vergangenen November ihre Jubiläumsgala feierte, wird in dieser Session keine Gala abhalten.

Auftakt für die närrische Session in Solingen ist am 11. November das Hoppeditz-Erwachen, das traditionell von der Prinzengarde Blau-Gelb Solingen-Ohligs ausgerichtet wird. „Wir haben Zusagen von vielen Tanzgruppen, bis jetzt sieht alles gut aus“, ist Bernd Hawich, Geschäftsführer der Blau-Gelben, optimistisch.

Am Tag darauf, dem 12. November, findet dann die Prinzenproklamation im Stadtsaal Wald statt. Hier hat Axel Hawranke, FSK-Vorsitzender und zugleich Vorsitzender der KG Rot-Weiß Klingenstädter, die auch das Prinzenpaar stellt, das Regiment.

Noch ein Jahr ohne Karneval stehen die meisten Vereine nicht durch.

Axel Hawranke, FSK-Vorsitzender

Es gebe großes Einvernehmen bei den Karnevalsvereinen, die Veranstaltungen nach zwei Jahren Zwangspause durchzuführen. Das sei für viele auch finanziell überlebenswichtig, so Hawranke. „Wir sind finanziell mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen. Aber andere Vereine hat es schwerer getroffen, weil sich auch viele Mitglieder abgemeldet haben. Noch ein Jahr ohne Karneval stehen die meisten Vereine nicht durch“, so der FSK-Chef.

Mit seiner KG Rot-Weiß Klingenstädter organisiert er am 4. Februar im Stadtsaal Wald die Galasitzung, am Tag drauf die Damensitzung. „Ich habe die Verträge mit den Künstlern so geschlossen, dass wir davon zurücktreten können, falls Corona wieder zuschlagen sollte, aber dazu sind nicht alle Künstler bereit“, hat Hawranke großes Verständnis für die Branche, die auch zwei Jahre gedarbt habe.

Vorbereitungen laufen

Derzeit planen die Solinger Karnevalisten noch nicht mit Beschränkungen. Zugleiter Tim Schallert steht aber in ständigem Kontakt mit dem Ordnungsamt. „So wird beispielsweise überlegt, ob bei der Proklamation 3G-Nachweise wieder ein Thema sein könnten“, so Hawranke. Der Festausschuss versuche aber, die Regelungen möglichst einheitlich für die Vereine zu halten. „Dafür sind wir als Dachverband ja da.“

Lesen Sie dazu: Stadt: „Die nächste Corona-Welle hat begonnen“

Auch für den Rosenmontagszug laufen die Vorbereitungen. Die Verträge mit den Kapellen stehen. „Teilweise haben wir die Verträge aus den vergangenen Jahren, als der Zug abgesagt werden musste, übernommen.“ Und Einkäufe wie Wurfmaterial tätigten die Vereine ohnehin erst im Januar oder Anfang Februar. „Wir arbeiten sehr gut mit der Stadt zusammen. Bislang würden noch keine Kosten für den FSK entstehen, sollte der Zug abgesagt werden müssen.“ Am kommenden Donnerstag sollen bei der nächsten FSK-Versammlung weitere Details besprochen werden.

Die Karnevalisten hoffen jetzt, dass auch die Solingerinnen und Solinger wieder Lust aufs Feiern haben. „Karten für die Galasitzungen kosten im Schnitt 30 Euro, wir hoffen, dass die Besucher das angesichts hoher Energiekosten zu zahlen bereit sind“, so Hawranke. Aber die Vereine hätten bei den Finanzen kaum Spielraum, weil auch die Künstler, die oftmals davon lebten, bei ihren Gagen bleiben müssten. „Und auch die Saalmieten sind teurer geworden.“

Die Hoffnung, dass alles gut verläuft und die Besucher wieder die Säle füllen, hat auch Bernd Hawich in Ohligs. Bei Blau-Gelb plant man die große Sitzung für den 21. Januar, den Weiberball für den 16. Februar. „Weil die Empore der Festhalle noch nicht freigegeben ist, können bei der Gala – ohnehin immer ein Zuschussgeschäft – nur 380 Karten verkauft werden. Damit es insgesamt finanziell passt, hoffen wir auf bis zu 800 Besucherinnen beim Weiberball“, so Hawich.

Sessionsauftakt

Hoppeditzerwachen: Freitag, 11. 11., 19.11 Uhr, Ohligser Festhalle, ab
20 Uhr Programm mit den Tanzgarden der Stadt, Eintritt frei.

Prinzenproklamation: Samstag, 12. November, Walder Stadtsaal, 19 Uhr, Einlass 18 Uhr, Programm mit Kaschämm, Tim Becker, Tim Berger, Eintritt 20 Euro, Karten: Tel: 01 76/22 80 62 14
ina.mors@t-online.de

festausschuss-solingen.de

Standpunkt von Simone Theyssen-Speich: Solig fiert dat Lewen

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Es muss ja irgendwie weitergehen. Das haben sich auch die Karnevalisten gesagt und sich fest vorgenommen, die jetzt beginnende Session durchzuziehen. Beim Blick auf mit zigtausend Menschen gefüllte Fußballstadien kann auch ein Rosenmontagszug kaum verboten werden. Und auch bei den Veranstaltungen in den Sälen sind Solingens Narren optimistisch. „Solig fiert dat Lewen“ – das Motto der vergangenen Session, das auch in diesem Jahr gelten soll, ist da Programm.

Bleibt zu hoffen, dass ihnen nichts mehr dazwischen kommt. Wobei es bei den aktuellen Krisen-Themen von Immer-noch-Corona über Ukraine-Krieg bis Gasknappheit und Inflation kaum vorstellbar ist, dass es noch schlimmer kommen kann. Ein paar Stunden Unbeschwertheit sind da für viele Menschen sicherlich ein wichtiges Mittel, um alles, was gerade um uns herum passiert, mal für einen Abend zu vergessen. Und auch die Künstler wollen und müssen nach der langen Corona-Zwangspause endlich wieder auf der Bühne stehen. 

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