Montagsinterview

Karneval: „Wir haben keinerlei Planungssicherheit“

Axel Hawranke ist ein Urgestein im Solinger Karneval – und wurde nun zum Vorsitzenden des Festausschusses gewählt. Foto: Michael Schütz
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Axel Hawranke ist ein Urgestein im Solinger Karneval – und wurde nun zum Vorsitzenden des Festausschusses gewählt.

Der neue FSK-Vorsitzende Axel Hawranke weiß noch nicht, ob der Karneval in diesem Jahr stattfinden kann.

Von Kristin Dowe 

Herr Hawranke, herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum Vorsitzenden des Festausschusses Solinger Karneval. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die kommende Session?

Axel Hawranke: Momentan sehe ich der Session in diesem Jahr leider mit keinem guten Gefühl entgegen, weil uns die Coronakrise vor gewaltige Probleme stellt. Da gibt es für uns noch viele offene Fragen zu klären.

Gehen denn Karneval und die Krise überhaupt zusammen?

Hawranke: Das hängt entscheidend davon ab, welche Entscheidung die Politik trifft. Falls sich herausstellt, dass wir zwar grundsätzlich Karneval feiern dürfen, dabei aber hohe Zugangsbeschränkungen haben und aufgrund der Abstandsregeln beispielsweise nur 140 statt 400 Leute bei einer Veranstaltung in den Walder Stadtsaal lassen dürfen, dann ist das finanziell einfach nicht zu stemmen. Denn die Kosten für das Programm mit all seinen lange im Voraus gebuchten Künstlern und die Miete für den Saal bleiben für uns gleich.

Sollte man die Session unter diesen Umständen durchziehen?

Hawranke: Eines vorweg: Der Schutz der Menschen ist uns sehr wichtig und niemand möchte, dass Solingen zum Corona-Hotspot wird. Wir werden die Entscheidung der Politik erst mal abwarten und auf dieser Grundlage entscheiden, ob wir die Session in diesem Jahr durchziehen, oder ob wir besser darauf verzichten. Wenn die Situation genauso bliebe wie im Moment, sollten wir es vermutlich besser absagen – so traurig das auch wäre. Wir arbeiten momentan zweigleisig und bereiten uns zum einen normal auf die Session vor, zum anderen stellen wir uns darauf ein, alles absagen und stattdessen schon Vorbereitungen für das nächste Jahr treffen zu müssen. Was meinen Verein, die KG Rot-Weiß Klingenstädter Solingen, betrifft, könnten wir einige der bereits geschlossenen Verträge für das nächste Jahr übernehmen. Im Moment haben wir keinerlei Planungssicherheit.

Welche Folgen hatte die Coronakrise bereits für die Solinger Karnevalsvereine?

Hawranke: Die haben die Krise schon stark zu spüren bekommen. Veranstaltungen wie das Dürpelfest oder unsere Sommerfeste sind weggefallen, wodurch uns wichtige Einnahmen fehlen. Die Sponsoren ziehen sich zurück, weil sie natürlich nicht ihre Beschäftigten kurzarbeiten lassen und gleichzeitig einen Karnevalsverein finanziell unterstützen können. Somit stehen viele Vereine zurzeit mit nichts da. Das Problem trifft ja nicht nur Solinger Vereine, sondern ganz NRW, denn der Karneval ist bei uns ein Milliardengeschäft, in dem traditionell viel Geld bewegt wird.

Legen die Vereine denn überhaupt Orden auf, wenn die Situation noch immer unsicher ist?

Hawranke: Ja, das tun meines Wissens die meisten, wobei keine Zahl und kein Motto in die Orden eingeschrieben wird. Bei einigen gab es auch schon Überlegungen, einen „Corona-Orden“ zu machen, also einen Orden in der Form des Virus. Gerade im Karneval ist Humor eben, wenn man trotzdem lacht.

Wie sieht es mit einem Prinzenpaar aus?

Hawranke: Da haben wir uns aus einem einfachen Grund klar dagegen entschieden: Denn die Rolle des Prinzenpaars ist für die Personen mit hohen Kosten für die Kostüme oder die Ornate verbunden, um nur ein Beispiel zu nennen. Das konnten wir unter den gegebenen Umständen einfach niemandem zumuten. Es wird aber im Folgejahr ein Prinzenpaar geben, das sich schon bereiterklärt hat. Näheres möchte ich da aber noch nicht verraten.

Es gab zuletzt Unstimmigkeiten im FSK, die mit dem Vorstand zu tun hatten. Ist der Streit inzwischen bereinigt?

Hawranke: Ja, absolut. So ein Verein ist wie eine große Familie. Da gibt es ab und zu Kabbeleien und das ist auch ganz normal. Wir brauchten einfach ein wenig Zeit, um nachzudenken, welcher Weg der richtige für uns ist und hatten vor Kurzem eine sehr harmonische Jahreshauptversammlung. Bei allen Meinungsverschiedenheiten sind wir uns einig, dass wir diese schwierige Zeit nur gemeinsam meistern können und sind durch die Krise wieder näher zusammengerückt.

Was haben Sie sich als Vorsitzender des FSK vorgenommen?

Hawranke: Ich möchte den FSK erst mal stabilisieren, um ihn dann hoffentlich erfolgreich durch die Krisenzeit führen zu können. Ich hoffe, dass alle Vereine diese belastende Situation gut überstehen, wir den Karneval in Solingen weiter nach vorne bringen und noch viele schöne Rosenmontagszüge gemeinsam gestalten können. Im Übrigen hat uns die Stadt dabei immer unter die Arme gegriffen – das muss ich auch mal lobend erwähnen.

Zur Person

Axel Hawranke (59) ist seit 1966 im Solinger Karneval aktiv und trat als Kind in den damaligen Klingenstädter Fanfarenchor ein. Heute ist der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval (FSK) gleichzeitig Vorsitzender der KG Rot-Weiß Klingenstädter Solingen. Das Jecksein liegt ihm offenbar in den Genen: Fünf Prinzessinnen und vier Prinzen stammen aus seiner Familie.

Die Coronakrise drückt auch in Solingen viele Vereine, die ihre Kosten sonst mit Einnahmen durch sportliche Angebote oder Volksfeste decken konnten, finanziell an die Wand.

Helmut Schurr fürchtet nach dem Wegfall des diesjährigen Marktfestes auch um den Martinszug im November.

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