Auf sympathische Weise frech

Karneval: Wie Solingens OB aufs Stangentaxi kommt

Begutachteten gestern die Entwürfe (v. l.): Schulleiter Michael Becker, Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der Ehrenvorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval, Joachim Junker, die künftige Prinzessin Jackelien Hawranke, Axel und Reinhold Hawranke sowie Lehrerin Lisa Gallo. Foto: Christian Beier
+
Begutachteten gestern die Entwürfe (v. l.): Schulleiter Michael Becker, Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der Ehrenvorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval, Joachim Junker, die künftige Prinzessin Jackelien Hawranke, Axel und Reinhold Hawranke sowie Lehrerin Lisa Gallo.

Zum zwölften Mal legten Schüler des Technischen Berufskollegs ihre Entwürfe zur Auswahl vor.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Auf dem Oberbürgermeisterorden für die neue Karnevalssession reitet er selbst als Karikatur auf einem Stangentaxi in die Session hinein. Der Entwurf von Rahel Chmielewski, Schülerin des Technischen Berufskollegs (TBS) in der Klasse für gestaltungstechnische Assistenten, fand bei der Jury am meisten Anklang. „Die Idee mit der Karikatur ist neu und auf sympathische Weise frech“, sagte OB Tim Kurzbach schmunzelnd, mokierte sich allerdings augenzwinkernd über den fehlenden Vollbart, den er seit einem Jahr trägt. Der wird nun nachgebessert. Neben ihm hatten auch der Ehrenvorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval, Joachim Junker, der Vorsitzende Axel Hawranke sowie die künftige Prinzessin Jacky I. die Qual der Wahl und sprachen sich am Ende eindeutig für Platz eins aus. Sie sind das neue Prinzenpaar: Markus II. und Jacky I. sind jeck – von Kindesbeinen an.

„Mit der blaugrünen Weltkugel, auf der der Bus fährt, wollte ich einerseits den ökologische Gesichtspunkt von Elektromobilität betonen und andererseits herausstellen, dass dadurch auch eine Stadt wie Solingen etwas zum Klimaschutz beitragen kann“, erläuterte Rahel Chmielewski ihre Arbeit. Zuvor hatte sie es übernommen, die Gäste im Namen ihrer Mitschüler zu begrüßen. Zwölf Schüler des (TBS) hatten die thematische Vorgabe „70 Jahre Stangentaxi“ für den Orden kreativ auf sehr unterschiedliche Art umgesetzt. Schwerer hatten es dabei die Schüler, die nicht aus Regionen stammen, in den Karneval alljährlich gelebte Tradition ist: Sie mussten sich besonders in die Materie einarbeiten und lieferten dennoch Ergebnisse ab, die die Entscheidung zur Platzierung nicht leicht machten.

Schritt für Schritt wurde begutachtet, und überlegt. Mal waren einem Jury-Mitglied die „Hörner“ des Obusses nicht deutlich genug, dort bemängelte ein anderes einen farblosen, nur als Zeichnung ausgeführten Entwurf. „So gut die Idee war, da fehlen im Vergleich zu den anderen Arbeitsstunden, und das ist nicht fair.“ Mal war die Optik insgesamt nicht jeck genug, mal „der Gedanke klasse, die Ausführung aber zu wuselig für einen Orden“.

Vor der Fertigung werden noch ein paar Änderungen eingearbeitet

So kristallisierten sich am Ende drei Erstplatzierte heraus. Die endgültige Reihenfolge war dann für die Jury erneut kniffelig. Schließlich aber konnte die Siegerin verkündet werden, die sich sichtlich sehr über ihren Erfolg freute.

Gerne wird Rahel Chmielewski noch ein paar Änderungen in ihren Entwurf einarbeiten, bevor er ab dem Elften im Elften als besondere Auszeichnung vom Oberbürgermeister vielfach verliehen wird. „Im Moment können Betrachter auf die Idee kommen, dass es um ,70 Jahre Oberbürgermeister’ geht, statt um ,70 Jahre Stangentaxi’“, gab ihr Tim Kurzbach grinsend mit auf den Weg. „Das muss noch eindeutiger werden.“

Der Orden.

Vom Entwurf bis zum fertigen Karnevalsorden des Oberbürgermeisters es nun noch ein langer Weg. Nachdem auch die nachgebesserte Version abgesegnet ist, geht es in die Produktion in einer Orden- und Medaillenfabrik. Dort wird geprägt, galvanisiert und zum Schluss das Ganze an eine Kette montiert. Die Auswahl des Ordensentwurfs war von einer optimistischen Stimmung in Bezug auf die Pandemie und die bange Hoffnung geprägt, ob Karnevalsveranstaltungen tatsächlich stattfinden können. „Wir werden sehen; auch im letzten Jahr waren wir zunächst sicher, dass das klappt. Ich traue mir keine Prognosen mehr zu.“

Verliehen wird der Orden seit 2010. Durch Solingens damaligen Oberbürgermeister Norbert Feith nahm ein Brauch seinen Anfang, den auch OB Kurzbach jedes Jahr fortgeführt hat. „Wir würden gerne einmal eine Ausstellung mit allen bisherigen Orden machen“, sagte Schulleiter Michael Becker.

Blick zurück

Die Geschichte der Karnevalsorden begann mit dem organisierten Karneval in Köln. Die Jecken wollten sich gegen die preußische Obrigkeit auflehnen. Der Karnevalsorden symbolisierte die Geringschätzung militärischen Benehmens und Pomps. Er war eine Persiflage der staatlichen und militärischen Orden, der Schärpen und Brustbänder.

Im letzten Jahr zeigte der elfte Orden eine Maske - passend zur Corona-Pandemie.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Corona: Inzidenzwert wieder über 50 - Impfzentrum schließt am 30. September
Corona: Inzidenzwert wieder über 50 - Impfzentrum schließt am 30. September
Corona: Inzidenzwert wieder über 50 - Impfzentrum schließt am 30. September
Coronavirus: Chefs in Solingen fordern Fragerecht für Impfstatus
Coronavirus: Chefs in Solingen fordern Fragerecht für Impfstatus
Coronavirus: Chefs in Solingen fordern Fragerecht für Impfstatus
Solinger nach Vulkanausbruch auf La Palma in Sicherheit gebracht
Solinger nach Vulkanausbruch auf La Palma in Sicherheit gebracht
Solinger nach Vulkanausbruch auf La Palma in Sicherheit gebracht

Kommentare