Karneval

Solinger Prinzenpaar bleibt bis 2023 im Amt

Die 102-jährige Jeckin Margot Grawunder freute sich im Altenheim St. Josef über den Besuch des Prinzenpaars – Jacky I. und Markus II. – und seines Gefolges. Auch der FSK-Vorsitzende Axel Hawranke (l.) war mit von der Partie. Foto: Christian Beier
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Die 102-jährige Jeckin Margot Grawunder freute sich im Altenheim St. Josef über den Besuch des Prinzenpaars – Jacky I. und Markus II. – und seines Gefolges. Auch der FSK-Vorsitzende Axel Hawranke (l.) war mit von der Partie.

Das Karnevalsprogramm ist in diesem Jahr erneut stark reduziert. Es gibt Probleme mit finanziellen Hilfen.

Von Kristin Dowe

Solingen. In Zeiten wie diesen, in denen die meisten karnevalistischen Veranstaltungen pandemiebedingt ausfallen, zeigt sich während der Session, welche kleinen Dinge den Karneval in Solingen eben auch ausmachen: So besuchte das Prinzenpaar inklusive Hofstaat am Dienstag das Altenheim St. Josef, wo sich Margot Grawunder im stolzen Alter von 102 Jahren über den royalen Besuch freute. „Ich habe gestaunt, wie fit im Kopf die Dame noch war“, sagt der FSK-Vorsitzende Axel Hawranke anerkennend. Dass die betagte Jeckin von den Majestäten einen Orden verliehen bekam, versteht sich von selbst.

Es sind solche Erlebnisse, von denen die amtierende Prinzessin Jackelien Hawranke zehrt: „In solchen Momenten weiß man erst, wofür man das Ganze macht“, sagt sie in Bezug auf einen anderen Besuch in einer Pflegeeinrichtung. Eine ältere Dame sei dort mit einer schlechten gesundheitlichen Prognose konfrontiert gewesen und habe noch einmal ein wenig Karneval erleben wollen. „Das fand ich so bewegend, dass ich Tränen in den Augen hatte“, gesteht sie.

Jetzt heißt es sparen, sparen und nochmals sparen.

Axel Hawranke, FSK-Vorsitzender

Vieles wurde ihr und ihrem Prinzgemahl Markus Zwank in dieser Session genommen, da die Sitzungen, der Rosenmontagszug und andere Karnevalsfeste größtenteils ins Wasser fielen und fallen – unter anderem die Weiberball-Party der Prinzengarde Blau-Gelb Solingen-Ohligs, die traditionell am heutigen Altweiber-Donnerstag in der Ohligser Festhalle über die Bühne gegangen wäre. Die gute Nachricht für beide: In der Session 2022/2023 bleibt das Prinzenpaar im Amt, darauf hat sich der Festausschuss einstimmig verständigt.

„Die beiden hätten ja sonst gar nichts gehabt“, begründet der FSK-Vorsitzende Axel Hawranke die Entscheidung. Dessen Verein, die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Klingenstädter, musste ebenfalls auf die große Sitzung nebst Party im Walder Stadtsaal verzichten. Auch fällt der Straßenkarneval im Walder Schlauch mit dem Fassanstich durch Oberbürgermeister Tim Kurzbach in diesem Jahr weg.

Vereine beklagen bürokratische Hürden

Angesichts des stark abgespeckten Programms bleibe den Karnevalisten nichts anderes übrig, als auf bessere Zeiten zu hoffen, macht Axel Hawranke deutlich. „Die Vereine treffen die ganzen Ausfälle finanziell hart, da die Sponsoren für die Veranstaltungen auch alle wegbrechen.“ Er hoffe, dass die Solinger Vereine „noch mal mit einem blauen Auge davonkommen“. Klar sei aber schon: „Jetzt heißt es sparen, sparen und nochmals sparen.“

Zudem ließen sich die vom Land Nordrhein-Westfalen bereitgestellten Hilfen nur mit viel bürokratischem Aufwand abrufen, auch seien nur 90 Prozent der Kosten, die für Vereine mit ausgefallenen Veranstaltungen anfallen, mit dem Geld abgedeckt.

Hawranke ist überzeugt: „Es wäre für alle einfacher gewesen, wenn die betroffenen Künstlerinnen und Künstler ihre Ausfälle beim Land direkt hätten geltend machen können. Nun wird auch das noch den Vereinen aufgebürdet. Das finde ich nicht in Ordnung.“ Seine Hoffnungen ruhen nun auf der nächsten Session, wo im besten Fall der Karneval wieder Einzug in die Klingenstadt halten und die Vereinskassen füllen wird.

Ganz wollen sich die Solinger Jecken das Feiern aber auch in diesem Jahr nicht verbieten lassen. So lädt etwa die Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) für heute Vormittag zu einem kleinen „Altweiberdürpel“ in die Ohligser Fußgängerzone, Höhe Forststraße, ein. Ab 11.11 Uhr wird dort DJ Dieter Becker Karnevalsmusik auflegen, das Prinzenpaar und die Kindergarde werden für 12 Uhr erwartet. Dort wie auch in der Gaststätte Birkenweiher an der Birkerstraße, wo es heute ab 18 Uhr ebenfalls närrisch zugeht, gilt die 2G-Plus-Regel. Die Gäste müssen geboostert sein und einen negativen Test vorlegen können, der nicht älter als 24 Stunden ist. Im Birkenweiher darf dafür auch ohne Maske getanzt und gefeiert werden.

Etwas Karnevalsstimmung soll auch am Rosenmontag aufkommen, wenn das Prinzenpaar um 10.30 Uhr mit der Kindergarde, die dort einen Tanz vorführen wird, vor der Galerie „Ruthmann Surreal“ am Mühlenplatz auftritt. Anschließend wird es um 11 Uhr eine kleine Verlosung geben – das ST hatte das Gewinnspiel mitorganisiert.

Kinder

Mit dem „kleinsten Zoch in Ohligs“, unter anderem organisiert von der OTV-Jugendabteilung, wird am Samstag, 26. Februar, von 10 bis 16 Uhr eine kleine Karnevalsrallye für Kinder stattfinden. Start ist an der Löwen-Apotheke an der Düsseldorfer Straße. Die Aktion ist pandemiegerecht gestaltet.

Standpunkt: Kampf ums Überleben

Ein Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Et kütt wie et kütt – wat wellste maache? Nachdem die Corona-Pandemie den Jecken in der Klingenstadt nunmehr schon die zweite Session verhagelt, bekommt das kölsche Grundgesetz eine ganz neue Bedeutung. Denn nicht nur ist es schade, dass der heutige Altweiber-Donnerstag wie auch der Rest der tollen Tage in einer sehr abgespeckten Variante stattfinden muss. Die Ausfälle der Veranstaltungen, die von den Verantwortlichen mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Engagement organisiert werden, stürzen viele Vereine in existenzielle Probleme. Zwar verspricht die Politik in NRW den Karnevalsvereinen, ihnen auch mit Mitteln aus dem Sonderfonds Kultur des Bundes unter die Arme zu greifen, damit diese nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben. Aber die bürokratischen Hürden, um die Hilfen zu erhalten, sind hoch. So müssen die Vereine sich vor der Antragstellung zunächst steuerlich zertifizieren lassen. Auch ist fraglich, wann die Hilfen tatsächlich fließen werden. Für so manchen Solinger Verein bedeutet all das einen Kampf ums Überleben.

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