Hoppeditz bleibt in der Tonne

Jecken bleibt nur die Vorfreude aufs nächste Jahr

Am Wochenende hätte die Galasitzung der KG Muckemau stattgefunden. Vorsitzender Ingo Ritter hofft auf ein Nachholen im November. Foto: Michael Schütz
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Am Wochenende hätte die Galasitzung der KG Muckemau stattgefunden. Vorsitzender Ingo Ritter hofft auf ein Nachholen im November.

Ohne Corona wäre die Session des Sitzungskarnevals jetzt auf dem Höhepunkt

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Trübe Stimmung quer durch alle Karnevalsfarben der Stadt: Wegen der Pandemie blieb der Hoppeditz in der Tonne. „Für uns ist das besonders bitter, weil wir ein jeckes Jubiläum haben in diesem Jahr, nämlich 11 mal 11 Jahre Muckemau“, sagt Ingo Ritter, der Vorsitzende des ältesten Karnevalsvereins der Klingenstadt. Die große Prunksitzung hätte am vergangenen Wochenende stattgefunden - „dieses Datum hat uns alle noch einmal die Enttäuschung, dass nichts stattfinden kann, besonders bewusst runterschlucken lassen“, sagt er.

Muckemau: Aber: „Der Blick geht nach vorne und wir hoffen, dass wir im November, zum Auftakt der neuen Session die Veranstaltung nachholen können“. Dafür werde aktuell geplant, so dass zumindest per Telefon viel Kontakt innerhalb des Vorstands herrsche. Diese Gespräche ließen auch Raum für private Anteilnahme. „Und das ist auch dringend nötig, so vereinzelt wie jeder aktuell sein muss: Wenigstens miteinander sprechen ist wichtig.“ Er habe außerdem zum Jahreswechsel an alle Mitglieder geschrieben. „Das war mir wichtig, um den Zusammenhalt zu stärken.“

Klingenstädter: Auch die KG Rot-Weiß Klingenstädter machen das Beste aus der Situation – und freuen sich auf das nächste Jahr. „Wir hoffen sehr, dass wir es dann umso heftiger krachen lassen können“, sagt Vorsitzender Axel Hawranke schmunzelnd, der als Präsident des Festausschusses Solinger Karneval (FSK) auch die anderen Vereine im Blick hat. „Jeder hat das Motto ,Augen zu und durch‘ verinnerlicht und schaut nach vorne“. Die traditionellen Sitzungen des Vereins im Walder Stadtsaal sind aufs kommende Jahr verschoben.

Administrative Dinge werden per Telefon statt bei „echten“ Treffen geregelt. „Viele Mitglieder gehören zur älteren Generation, da ist das mit Zoom nicht so einfach“, sagt Hawranke. „Aber gottlob trifft man sich ja auch schon mal beim Einkaufen und sieht sich auf diese Weise mal kurz, wenn auch mit Maske.“

Sehr leid tue es ihm um die Auftritte in den Alten- und Pflegeheimen. „Da haben wir immer für schöne Momente gesorgt“, erinnert er sich. Aber derzeit sei ja schon der Gedanke an so etwas geradezu absurd. „Vielleicht ist ja im Spätsommer eine spontane Grillparty möglich“, hofft er. „Denn natürlich ist die Sehnsucht nach Geselligkeit und fröhlichem Miteinander riesig.“

Prinzengarde: „Die Kern-Idee des Karnevalbrauchtums ist ja gerade das unbeschwerte Miteinander und der direkte Austausch mit möglichst vielen netten Menschen“, sagt Joachim Junker, Vorsitzender der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs. „Genau das ist durch das Grassieren des Covid-19-Virus nicht möglich, also war es folgerichtig und im Sinne der Gesundheitsvorsorge selbstverständlich, den Hoppeditz dieses Jahr in seiner Tonne schlafen zu lassen.“ Dass es wohl keinem Karnevalisten leichtfalle, diese triste Session zu überstehen, sei klar. „Sich zu überlegen was jetzt gerade eigentlich gewesen wäre, tut natürlich weh und da hilft es nur, den Blick nach vorne zu richten.“

Die Planung der Prinzengarde für den nächsten Winter stehe. „Wir planen und organisieren immer im Zwei-Jahres-Rhythmus, um auch die Gruppen und Solo-Künstler bei uns im Saal zu haben, die wir gerne möchten“, sagt er. Zum Glück sei es kein Problem gewesen, die bereits geschlossenen Verträge aufgrund „höherer Gewalt“ aufzulösen, so dass wenigstens die finanziellen Einbußen nicht so hoch waren. Wie auch den Klingenstädtern und anderen Vereinen aber fehlten Einnahmen von Imbiss- oder Getränkeständen, zum Beispiel vom abgesagten Dürpelfest. „Das wird sicher auch in diesem Jahr nicht so stattfinden können“, blickt Juncker ins Frühjahr.

Auch das Prinzenpaar André und Silke Wielpütz schaute im ST-Gespräch auf das vergangene Jahr zurück.

Festausschuss

Elf Karnevalsvereine haben sich im Festausschuss Solinger Karneval organisiert: KG Muckemau 1900, KG Rot-Weiß Klingenstädter, Prinzengarde Blau-Gelb Solingen Ohligs 1936, KG Lot Jonn Solingen, Schiwa-Tanzformation, Höhscheider Karneval Verein 2000, KV Grün-Weiß Gräfrath 2006, KG Alt Solingen, Karnevalspiraten, Tanzgruppe Klingenstadt, Showgarde Solingen.

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