Regenrückhaltebecken

Natur holt sich Lehmfläche am Treppenbach zurück

Zu Jahresbeginn wurde am Treppenbach zwischen Meigen und Kannenhof ein Regenrückhaltebecken gebaut. Zurück blieb eine große Lehmfläche, die die Bewohner aus dem Kannenhof gerne begrünt hätten. Das tat dann die Natur selbst – so, wie es die Verwaltung erwartet hatte. Foto:
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Zu Jahresbeginn wurde am Treppenbach zwischen Meigen und Kannenhof ein Regenrückhaltebecken gebaut. Zurück blieb eine große Lehmfläche, die die Bewohner aus dem Kannenhof gerne begrünt hätten. Das tat dann die Natur selbst – so, wie es die Verwaltung erwartet hatte.

Grundschüler aus Meigen wünschen sich am Abenteuerspielplatz Bänke, Schaukeln und Mülleimer.

Von Philipp Müller

Solingen. Bei strahlendem Sonnenschein kam es am Dienstag am Treppenbach zwischen Theegarten und Kannenhof zu einem besonderen Gipfeltreffen. Bezirksbürgermeister Hansjörg Schweikhart (CDU) hatte Anwohner, Beschäftigte der Stadt und Vertreter der Parteien eingeladen, sich dort umzuschauen. Was sahen Sie? Vor allem eine wilde Wiese – das hatten die Planer vom Stadtdienst Grün auch so erwartet.

Und die Teilnehmenden sahen die jahrgangsgemischte Klasse M6 der Grundschule Meigen. Die war schon am Vormittag am Treppenbach. „Da haben wir Frösche gefangen“, erzählt einer der Grundschüler. Dann sprudelten sie los, was ihnen dort fehlt: Sie würden gerne auf Bänken sitzen können. Außerdem wäre ein Mülleimer schön. „Zwei“, verbessert eine der Schülerinnen, die auch anmerkte, dass sie sich eine Schaukel wünscht.

Das alles soll ein Ambiente aufbessern, in dem Kinder offensichtlich sehr gerne spielen. Eine Holzhütte aus abgestorbenen Ästen haben sie errichtet, Zäune angelegt – alles sieht wie ein Abenteuerspielplatz aus, durch den der kleine Treppenbach in Kaskaden zum Papiermühlenbach fließt.

Ob das, was sich die Grundschüler der Klassen 1 bis 4 aus der M6 wünschen, so kommt, blieb für das Solinger Tageblatt allerdings am Dienstag offen. Die erschienen Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung und Technischen Betriebe Solingen sahen sich außerstande, Antworten öffentlich zu geben oder überhaupt öffentlich zu diskutieren und zuzuhören. Dass der Ortstermin mit Presse stattfinde, hätten sie nicht gewusst und dürften daher nicht reden, so ihre Direktive.

Daher nun einige Fakten zum Hintergrund: Für 15 Anwohner der Siedlung Kannenhof hatte sich Rodolph Rutten bereits im März ans Rathaus gewandt. Am Treppenbach sei eine Ödfläche entstanden, wo früher ein Kultspielplatz war, schrieb er. Das müsse sich ändern. Zu Jahresbeginn hatte die Stadt dort ein neues Regenrückhaltebecken gebaut. Doch eine geplante Begrünung der Böden der Baustelle war im Anschluss nicht vorgesehen. Vielmehr teilte die Stadt im Mai auf ST-Nachfrage mit: „Die Pflanzen sollen natürlich und ganz von allein zurückkehren.“ Rutten ärgerte sich, dass sich das Rathaus mit solchen Informationen nicht bei ihm gemeldet hatte und verschaffte seinem Unverständnis zunächst gegen über der Redaktion des Solinger Tageblatts Luft.

Auch der Bezirksvertretung Mitte mit Hansjörg Schweikhart an der Spitze ist es nicht genug, auf die reine Kraft der Natur zu setzen, die Sukzession genannt wird. Das wurde in der Sitzung im Juni bereits erkennbar. Rutten sprach dort vor und forderte neues Grün. Die Verwaltung verteidigte ihre Strategie der natürlichen Rückkehr der Bepflanzung, so dass wieder von allein eine Wiese entsteht.

In der Sitzung des Stadtteilparlaments kam der Wunsch auf, von den zuständigen Ämtern Auskunft darüber zu erhalten, was man vor Ort verbessern kann. Dazu diente gestern der Ortstermin. Zudem legten die Mitarbeiter im Rathaus seit Abschluss der Arbeiten die Hände nicht nur in den Schoß. Eine Zuwegung von der Theegartener Straße aus wurde bereits mit feinem Schotter, der über grobe, scharfkantige Kiesel gestreut wurde, neu angelegt.

„Wir gehen hier sehr gerne spielen.“

Ein Schüler der Grundschule Meigen über den Treppenbach

Was am Dienstag bei allem Schweigen offizieller Stellen aber deutlich wurde: Die Natur hat ihre eigenen Spielregeln und sich längst die Lehmfläche über dem Regenrückhaltebecken zurückgeholt. Gräser, Kräuter, kleine Stauden wachsen dank des feuchten Sommers bereits prächtig. Da kann man verstehen, wenn einer der Grundschüler sagte: „Wir gehen hier gerne spielen.“

Nach dem Ortstermin kann die Bezirksvertretung in der kommenden Sitzung Vollzug melden: Die Natur macht, was sie soll. Die Politik muss nun bewerten, ob sie den Platz der Abenteuer für die Kinder aus Meigen und Kannenhof wunschgemäß aufwerten will.

Neues Grün

Im Juni beschloss die Bezirksvertretung Mitte nicht nur den Ortstermin. Sie regte an, ob nicht aus dem Programm „Solingen summt“ einen Blühstreifen zu säen sei, den Insekten nutzen können. Die Verwaltung sagte zudem zu, die Zuwege zu glätten.

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