Krav Maga

Selbstbewusstsein ist die beste Verteidigung

Nur im allerletzten Schritt sollte körperliche Gewalt angewendet werden, um sich selbst zu verteidigen. Doch auch dafür trainieren Kampfsportlehrer ihre Schüler. Foto: Pazuru Kampfkunst- und Gesundheitszentrum
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Nur im allerletzten Schritt sollte körperliche Gewalt angewendet werden, um sich selbst zu verteidigen. Doch auch dafür trainieren Kampfsportlehrer ihre Schüler.

Wer eine klare Körpersprache hat, kann brenzlige Situationen gut umgehen – Kampfsportschulen trainieren das.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Das Wort „Nein!“ sollte nicht nur gesagt werde, sondern auch in Stimme und Körperhaltung widerhallen, wenn man sich als Frau bedrängt fühlt. Judith Funke, langjährige Wendo-Trainerin, bringt ihren Schülerinnen aller Generationen bei, das zu lernen. Denn es gehe bei der Selbstverteidigung nicht nur um harte körperliche Angriffe, sondern auch um subtile Annäherung.

„Wenn es nicht mehr sympathischer Flirt, sondern sich unangenehm anfühlende Anmache ist, muss man sich deutlich und wahrnehmbar abgrenzen“, sagt sie zum Beispiel. In verschiedenen Abstufungen: Erst höflich, aber klar. Und wenn das nichts nützt, immer lauter und abwehrender. „Frauen werden schon früh darauf konditioniert, nicht unangenehm aufzufallen. Aber das Schreien ist zum Beispiel, wenn man sich bedroht fühlt, in mehrerlei Hinsicht genau richtig. Denn einerseits schreckt es ab durch die Lautstärke, andererseits bringt es Selbstbewusstsein, richtet den Körper auf und schürt die eigene Angriffslust.“

Auch Ira und Dennis Paul von der Kampfsportschule Pazuru vermitteln das. In Krav-Maga-Trainingsgruppen, einer aus Israel stammenden Mischung aus klassischen Sportarten wie Jiu-Jitsu, Karate oder Boxen, gehe es nicht nur darum, den Teilnehmern Griffe beizubringen, mit denen sie einem potenziellen Angreifer Herr werden könnten. Sondern es sei wichtig, eine Situation einzuschätzen und, wie sozusagen bei einer Ampel bei den verschiedenen Farben, unterschiedlich zu reagieren.

„Grün“ könnte heißen, eine schwierigwerdende Situation abzubrechen und zu gehen oder vor vorneherein einen Umweg zu wählen und nicht geraden Schrittes durch eine Gruppe unangenehm wirkender Typen durchzugehen. „Gelb“ könnte für lautes Schreien stehen oder ein energisches „Hau ab!“. Und erst „Rot“ wäre der Moment, körperliche Selbstverteidigung einzusetzen.

„Schreien, wenn man sich bedroht fühlt, ist in mehrerlei Hinsicht genau richtig.“

Judith Funke, Wendo-Trainerin

„Wir unterscheiden im Training die Zielgruppen“, sagt Dennis Paul. „Polizisten oder Ordnungshüter, die in unsere Kurse kommen, müssen sich, beruflich definiert, brenzligen Situation stellen und gegen ,rote Momente‘ gewappnet sein. Folglich legen wir in den Kursen für diese Zielgruppe den Schwerpunkt mehr auf das Erlernen von körperlich-technischer Verteidigung. Schließlich erfordert der Berufsalltag dieser Zielgruppe den Gegenüber körperlich niederzuringen“, sagt der Trainer.

Dagegen sollte zum Beispiel eine Frau, die im Dunkeln auf eine, aus ihren Augen merkwürdige Gestalt trifft, zwar mit ihrer Körperhaltung klar machen, das sie selbstbewusst ist. Aber dennoch prophylaktisch die Straßenseite wechseln, und sich im Ernstfall mit lautem Schreien wehren. „Jemand, der schreit, wird als Opfer schnell uninteressant, weil er die Aufmerksamkeit anderer Passanten oder der Anwohner auf die Situation lenkt“, sagt Ira Paul, die ihren Job als Selbstverteidigungstrainerin zum Großteil darin sieht, für Situationen zu sensibilisieren und das Erkennen zu lehren, welche Farbe der Ampel gerade „leuchtet“. „Wir vermitteln sozusagen einen Werkzeugkasten und das Know-how, zu verstehen, wann brauche ich was daraus.“

Stefan Weitkämper von der Polizei Wuppertal äußert sich positiv über solche Konzepte, bei denen die Selbstverteidigung bereits im Kopf verankert ist. Vor unangebrachtem Mut in brenzligen Situationen warnt er nachdrücklich. „Was in Lara-Croft- oder James-Bond-Streifen so locker aussieht, kann in der Realität ganz schön zum eigenen Nachteil daneben gehen.“

Auch Ira Paul sagt ihren Kursteilnehmern immer: „Klar könnt Ihr euch wehren. Aber dann geht Ihr das Risiko einer Eskalation ein.“

Kampfsport

Wendo ist Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Frauen und Mädchen. Der Name ist eine Wortneuschöpfung analog zu verschiedenen Budo-Künsten, die sich aus Wen, einer Abkürzung für das englische women, und Do, japanisch für Weg, zusammensetzt und „Weg der Frauen“ bedeutet.

Krav Maga ist hebräisch und bedeutet Kontaktkampf. Dabei handelt es sich um Selbstverteidigung für den Ernstfall.

Auch interessant: Bei der Kinderoase zeigte Andreas Lukosch vom WMTV den Kindern Grundlagen der Selbstverteidigung.

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