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Kammerspielchen leidet in der Corona-Krise

Rainer Seth, „gute Seele des Hauses“, und Ernst-Werner Quambusch (r.) in dem kleinen Theater „Kammerspielchen“. Foto: Christian Beier
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Rainer Seth, „gute Seele des Hauses“, und Ernst-Werner Quambusch (r.) in dem kleinen Theater „Kammerspielchen“.

Theaterbetreiber Ernst-Werner Quambusch setzt auf die neue Spielzeit.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Das Schlimmste an der Corona-Krise sei die Ungewissheit, wie sich die Lage entwickele, sagt Ernst-Werner Quambusch. Der Betreiber des Gräfrather Kammerspielchens an der Gerberstraße wurde im März kalt von Corona und dem damit verbundenen Lockdown erwischt. Eine unmittelbar anstehende Premiere sei ausgefallen, von der er sich regen Zulauf erhofft hatte, berichtet er. Hauptdarstellerin wäre die Solinger Schauspielerin Uli Wüsthof gewesen.

Dieses Projekt ist nun auf September vertagt worden. „Und wir hoffen sehr, dass die ,Virenlage‘ in Deutschland und Solingen das dann auch tatsächlich zulässt“, sagt er.

Einstweilen bleibt ihm nichts anders übrig, als die kommende Spielzeit einfach mal zu planen, trotz des gefühlt ständigen Damokles-Schwertes, dass die derzeit gültigen Lockerungen für den Kulturbereich wieder zurückgenommen werden müssen. „Aber wir brauchen natürlich Vorlauf, um Stücke einzukaufen und Darsteller zu buchen“, sagt er. Folglich hat er ein ansprechendes Programm für den Herbst zusammengestellt. „Zwei bzw. Drei-Mann-Stücke, mehr sollten ja nicht zeitgleich in einem Ensemble zusammen proben müssen.“

Da dann wieder mehr Gäste ein Theater besuchen dürfen, wird normal geöffnet. Allerdings steht am Eingang Desinfektionsmittel bereit, es müssen Namens- und Adresslisten geführt werden, und es besteht die Pflicht, bis zum Sitzplatz eine Mund-Nase-Maske zu tragen. Pausen gibt es keine.

Quambusch hofft sehr, dass sich sein Stammpublikum von diesen Regeln nicht abhalten lässt. „Uns besuchen viele ältere Theaterfans, die sind natürlich sehr vorsichtig.“ Auch für die kommende Spielzeit bietet er Stuhlpatenschaften an, ein Sponsoring, mit dem er neben den Zuschüssen durch den Förderkreis des kleinen Theaters rechnen muss, um die beliebte Kulturstätte in Gräfrath auch künftig erhalten zu können. Zudem kann er sich eine engere Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturmanagement vorstellen.

Erste Gespräche mit der neuen Leitung habe es schon gegeben. „Im letzten Jahr hatten wir Fitzeks ,Therapie‘ im Programm und ein paar Monate später das Theater Solingen dann erneut, allerdings in einer anderen Inszenierung. Solche unnötigen Kosten könnte man durch Absprachen vermeiden“, ist er sich sicher. „Etwa indem unsere Premieren im Theater laufen und dann zu uns ins kleinere Ambiente kommen und da weiterlaufen.“ Ein einziges Mal habe das in den letzten Jahren geklappt, dann sei die Zusammenarbeit leider wieder im Sande verlaufen.

„Die nicht unerheblichen Fixkosten laufen ja weiter.“
Ernst-Werner Quambusch

Die Vollbremsung runter auf null sei für ein kleines Privattheater wie das Kammerspielchen eine Katastrophe. „Die nicht unerheblichen Fixkosten laufen ja weiter und wenn man denen Einnahmen von nullkommanull gegenüberstellen muss, ist das ein echtes Problem.“ Trotzdem ist er gewillt und hochmotiviert durchzuhalten. Sein großes Netzwerk in namhaften Künstlerkreisen hilft ihm dabei, Qualität zu sichern. Sogar das übernächste Jahr entsteht gerade in seinem Kopf. Mit eigenen Stücken auf Tournee zu gehen, sei eine lukrative Sache. „Das würde ich gerne vermehrt tun.“ 2021 stehe ja auch der zehnjährige Geburtstag an.

Termine

Kommende Premieren im Gräfrather Kammerspielchen an der Gerberstraße: 19. September: Die Eule und das Kätzchen; 10. Oktober: Chaos oder Liebe mit Claus Wilcke; 7. November: Vorsicht, Mrs. Wilson kommt mit Nika von Altenstadt; 5. und 6. Dezember: Thorsten Hamer mit seiner Heinz-Erhardt-Revue; 12. Dezember: Champagner für alle.

Kartenreservierungen sind unter Tel. (02 02) 94 69 99 20 und Tel. (01 74) 9 07 29 95 möglich.

In unserer Stadtteilserie haben wir in diesem Sommer immer eine Woche lang jeweils einen Stadtteil besonders im Blick. In der kommenden Woche wird es Solingen-Mitte sein.

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