Kultur

Kammerspielchen droht endgültiges Aus

Ernst-Werner Quambusch sieht die Zukunft des Kammerspielchen eher düster.
+
Ernst-Werner Quambusch sieht die Zukunft des Kammerspielchen eher düster.

Theaterleiter Ernst-Werner Quambusch kann Arbeit ohne feste Unterstützung nicht fortsetzen.

Von Philipp Müller

Solingen. Wenn am 17. Dezember im Kammerspielchen das Stück „Zwei Frauen und eine Leiche“ auf dem Programm im kleinen Privattheater an der Gräfrather Gerberstraße steht, dann könnte die Leiche das Theater selbst sein. Denn dessen Leiter, Ernst-Werner Quambusch, will die strukturelle Unterfinanzierung von rund 15 000 Euro jährlich nicht mehr aus eigener Tasche finanzieren. Im Kulturausschuss war das Thema. Die Verwaltung schlägt eine andere Organisationsform für das Kammerspielchen vor, was Quambusch ablehnt.

Seit dem 6. Dezember 2011 gibt es das Theater. TV-Größen wie Ingrid Steeger, Claus Wilcke, Michael Lesch oder auch Karsten Speck traten dort bereits auf. Doch seit Anbeginn klagte der Wuppertaler Unternehmer Quambusch über die Unterfinanzierung.

Zuletzt half das Kulturmanagement mit Anmietungen des Theaters. Aber die drei bis vier Termine im Jahr würden ihm jeweils nur 400 Euro in die Kasse bringen, erklärt der 71-jährige Theatermacher. Zu wenig zum Leben. Folglich droht der UG, der Theaterbetrieb Kammerspielchen Unternehmergesellschaft, das Ende. Maximal bis in den Mai kommenden Jahres könne und wolle er den Spielbetrieb aufrechterhalten, sagt Quambusch – für 2023 hat er aber noch keine Gastspiele oder Eigenproduktionen eingeplant.

Der Kulturausschuss wurde jetzt in einer Mitteilung der Verwaltung über die aktuelle Situation informiert. Diese geht auf Fragen der Bezirksbürgermeisterin von Gräfrath, Dr. Ruth Fischer-Bieniek (Grüne), zurück. So heißt es, die Stadt unterstütze in der Regel Vereine, eine Aufnahme des Kammerspielchens in das Budget sei ohne dessen Erweiterung nicht möglich oder es müsse umverteilt werden, wovon das Rathaus jedoch abrät. Grundsätzlich sieht die Kulturverwaltung die Lage so, dass die freie Kulturszene künftig stärker auf privatwirtschaftliche Unterstützung angewiesen sein werde – das gelte dann auch für das Kammerspielchen. Ansonsten verweist das Rathaus auf den Fördermittelmanager, der Vereine und Kultureinrichtungen berät.

Die in der Vorlage angesprochen Stuhlpatenschaften, Firmen kaufen für eine Saison zu erhöhten Preisen Sitzplätze im Theater, kennt Quambusch auch. Das hatte er bereits versucht und kommt aktuell auf drei der 53 Plätze, die so Sponsorengelder einspielen. Fördermittel sieht er als schwierig an, weil diese projektbezogen verteilt werden. Doch das Kammerspielchen brauche einen festen Zuschuss, um den Betrieb aufrechthalten zu können. „Wenn ich im Monat 1000 Euro bekommen würde, ginge es weiter.“ Den Rest will er selbst zuschießen, er arbeitet noch als Geschäftsführer für ein Gummersbacher Unternehmen und schießt die Einkünfte teilweise in sein Baby Kammerspielchen.

Claus Wilcke gibt den Percy Stuart zum Lichterzauber

Er hält auch die Gründung eines Vereins für nicht notwendig, andere Städte wie Düsseldorf oder Köln würden privat geführte Kulturunternehmen durchaus strukturell unterstützen. Ganz hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Jetzt will er das Kammerspielchen zunächst am Freitag, 2. September, im Rahmen des Gräfrather Lichterzaubers bei freiem Eintritt ab 19.30 Uhr mit einer besonderen Show präsentieren. Der 83-jährige Claus Wilcke schlüpft dann wieder in seine Paraderolle des Percy Stuart. Und ab dem 23. September läuft die Komödie „Rache ist süß“ mit Nika von Altenstadt, bekannt aus der TV-Serie Lindenstraße.

Fördermittel

Um Kulturschaffende über Förderangebote, Preise, Ausschreibungen und Wettbewerbe, aber auch zu Fortbildungen, Beratungsangeboten und Veranstaltungen zu informieren, versendet das Solinger Kulturmanagement auf Anfrage regelmäßig Newsletter: https://t1p.de/e0qte

Passend zum Thema: Kammerspielchen leidet in der Corona-Krise

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld

Kommentare