„Kein Scherz“

Kabarettist Dieter Nuhr seziert den Irrsinn der Gegenwart

Dieter Nuhr hielt sich nicht auf mit derben Späßen, sondern zeigte feinen Humor und zündende Pointen. Archivfoto: Christian Beier
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Dieter Nuhr hielt sich nicht auf mit derben Späßen, sondern zeigte feinen Humor und zündende Pointen.

Publikum hatte großen Spaß im ausverkauften Theater und Konzerthaus.

Von Wolfgang Günther

Solingen. Der Große Konzertsaal im Theater und Konzerthaus war am Montagabend beim Gastspiel von Dieter Nuhr ausverkauft. Nach der Corona-Pause vertauscht der beliebte Kabarettist Radio und Fernsehen mit der Bühne, und geht wieder auf Tournee. „Der Auftritt vor Publikum, die Atmosphäre im Saal, das hat mir in den letzten beiden Jahren sehr gefehlt“, sagte er dem begeisterten Publikum und ergänzte mit Anspielung auf den Krieg: „Das wird aber jetzt keine billige Frontunterhaltung“.

Zu Beginn findet er noch einige verirrte und vergiftete Pfeilspitzen, mit denen er die damaligen Impfverweigerer in der Pandemie beschossen hatte. „Da war die selbst ernannte Humorpolizei besonders aktiv, an den Shitstorm von damals erinnere ich mich noch ganz genau“.

„Kein Scherz!“, steht als Überschrift über seinem neuen Programm und dieser Titel passt genau zum Inhalt. Dieter Nuhr hält sich nicht auf bei billigen Späßen, derben Possen und inhaltslosen Plattitüden, sondern legt mit feinem Humor und zündenden Pointen den Irrsinn des Alltags frei. Er dringt tief ein in die Befindlichkeiten der Menschen, genauer gesagt der Deutschen, und trifft sie bei allem Spaß da, wo es wirklich weh tut.

„Es ist noch nicht lange her, da hatten wir in Deutschland 80 Millionen Virologen, und jetzt plötzlich die gleiche Anzahl an Rüstungsexperten“, wundert er sich über die aktuelle Diskussion um die Lieferung von Waffen in die Ukraine. „Jahrelange Pazifisten werden plötzlich zu zweifelsfreien Befürwortern von Waffenlieferungen. Was ist da passiert?“ Für Dieter Nuhr ist die augenblickliche Kriegsbegeisterung suspekt, das Betrachten von beiden Seiten ist wichtig, es gibt für ihn nicht nur das Gute auf der einen Seite, und das Böse auf der anderen. „Überall gibt es genug Arschlöcher“, stellt er drastisch klar. Dazu hat er auch eine Meinung über den aktuellen Zustand unserer Bundeswehr: „Diese maroden Waffen hätten wir besser aus Hinterhältigkeit den Russen geschickt“.

Lang und breit arbeitet sich der Kabarettist an der Mode des Genderns, dem geschlechtsbewussten Sprachgebrauch ab. Dabei fand er die schönsten Wortspiele und Verdrehungen, mit denen er das Gendern ad absurdum führen möchte, das Publikum hatte seinen hellen Spaß an den komischen Wortverdrehungen.

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Nuhrs Rat: „In unruhigen Zeiten nicht den Verstand verlieren“

Nuhr hatte viel zu erzählen an diesem Abend, aber bei allem Humor werden die Besucher auch die nachdenklichen Passagen des Kabarettisten in Erinnerung behalten. Der lange Applaus für dieses intelligente Programm sorgte für gleich drei Zugaben, in denen Dieter Nuhr mit noch einmal glänzenden Pointen begeisterte, und appellierte, in diesen unruhigen Zeiten nicht ihren Verstand zu verlieren.

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