Höchstgeschwindigkeit noch unklar

Angeklagter rast mit 530 PS starkem BMW durch Wald

Ein Blick auf das Solinger Amtsgericht. Archivfoto: Christian Beier
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Ein Blick auf das Solinger Amtsgericht.

Junger Geschäftsmann kämpft um seinen Führerschein.

Von Dirk Lotze

Solingen. Nach einer nächtlichen Raserfahrt mit einem fremden 530-PS-BMW durch Wald kämpft ein selbstständiger Geschäftsmann (23) um seinen Führerschein. Ein Beifahrer saß neben dem Angeklagten. Das Amtsgericht Solingen hat den Mann mit noch nicht rechtskräftigem Urteil wegen eines rücksichtslosen und verkehrswidrigen Rennens um die persönliche Bestzeit verurteilt. Seine Fahrerlaubnis soll eingezogen werden, damit er sie später neu beantragen muss; zusätzlich soll er 1250 Euro Strafe zahlen. Im Landgericht Wuppertal müssen die Richter den Vorwurf unabhängig überprüfen – und sie werden dazu einen Verkehrsexperten hinzuziehen. Zum Verhandlungsbeginn am Donnerstag stellte eine Polizistin als Zeugin heraus, wie gefährlich die Fahrt durchs Walder Zentrum war: „Da ist es belebt, da ist der Stadtsaal und eine Bushaltestelle. Und Busse fahren auch nachts.“

Bei dem Geschehen vom Frühjahr 2021 fiel der Angeklagte an der Einmündung Rembrandtstraße / Friedrich-Ebert-Straße zwei Polizisten in einem zivilen Funkwagen auf, die Streife wegen nächtlicher Einbrüche fuhren. Der hoch motorisierte BMW erschien aus Richtung Ohligs und folgte der Friedrich-Ebert-Straße nach Norden. Der Motor soll aufgeheult haben, die Reifen hätten gequietscht. Die Polizistin berichtete: „Wir haben uns entschlossen, ihn zu kontrollieren.“

Angeklagter Geschäftsmann gab Geschwindigkeitsverstöße zu

Die anschließende Verfolgungsjagd soll so turbulent verlaufen sein, dass die Beamtin nicht mal Zeit fand, das abnehmbare Blaulicht aufs Dach zu legen. Ihr Kollege sagte, anfangs habe er bemerkt, dass er 120 fuhr: „Danach hab’ ich einfach nur Vollgas gegeben und nicht mehr auf den Tacho geguckt.“ Die Tour sei an den Einmündungen Altenhofer- und Wiedenhofer Straße über rot zeigende Ampeln gegangen. Beim Abbiegen rechts Richtung „Walder Einkaufsstraße“ sei der BMW kurz mit dem Heck ausgebrochen und dann für mehrere Sekunden aus dem Sichtbereich verschwunden. Als die Polizisten ihn auf dem folgenden, geraden Stück wieder sahen, habe er schon fast den Abzweig Stübbener Straße erreicht gehabt. Dort bog der Angeklagte ab, sein Ziel lag in der Nähe. Die Polizisten stellten den BMW auf einem Garagenhof.

Im Landgericht gibt der Angeklagte die Geschwindigkeitsverstöße zu. Kreuzungen habe er nicht bei Rot überfahren. Sein Beifahrer (25) sagte, der BMW sei sein Wagen gewesen – ein Werkstatt-Ersatzfahrzeug, während sein Porsche in Reparatur war. Bei der Fahrt sei eine der Ampeln „gelblich“ gewesen. Wie schnell der Angeklagte tatsächlich fuhr, ist offen. Für den Vorwurf „Rennen gegen sich selbst“ muss das Gericht nachweisen, dass er im Grenzbereich des Machbaren fahren wollte.

Das Zwischenfazit des Vorsitzenden Richters: „Was mich interessiert ist: Wie schnell kann man auf den 350 Metern Einkaufsstraße mit diesem Auto fahren, wenn man weiß, dass man auf die Stübbener Straße abbiegen will?“

Das Gericht erwartet, dass bis zum Sommer ein Gutachten zur möglichen Höchstgeschwindigkeit vorliegt.

Lesen Sie auch: Nach Urteil gegen Wuppertaler Priester: Sind weitere Personen involviert?

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