Verdacht in einer Solinger Familie

Sexueller Missbrauch: Jugendamtstermin überschnitt sich mit Festnahme

Landgericht Wuppertal
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Landgericht Wuppertal

In einem Verdachtsfall um sexuellen Kindesmissbrauchs in einer Solinger Familie überschnitten sich Maßnahmen des Jugendamtes und der Polizei.

Von Dirk Lotze

Solingen. Das bezeugte eine Mitarbeiterin einer Beratungsstelle am Dienstag im Landgericht Wuppertal. Den Vorwürfen zufolge soll sich der angeklagte, 39 Jahre alte Familienvater vor seiner Festnahme im Juni 2020 bis zu zehn Jahre lang an seinem Sohn und seiner Tochter vergangen haben.

Dazu geht es um den mutmaßlichen Besitz von mehr als 50.000 Fotos und Videos mit kinderpornografischem Inhalt auf Datenträgern. Er soll Bilder seiner Kinder im Internet getauscht haben. Das Mädchen und der Junge sind beide unter 14 Jahre alt. Das Landgericht muss die Anklage unabhängig prüfen. Gegen die Frau des Angeklagten – die Mutter der Kinder – läuft ein eigenes Strafverfahren.

Der Angeklagte arbeitete zuletzt für eine Behörde und gibt an, Schulden zu haben. Er ist vorbestraft wegen Betrugs. Durch ein im Internet aufgetauchtes Foto geriet der Mann Ende 2019 in den Fokus von Staatsanwaltschaft und Polizei. Das Bild soll ein Mädchen bei sexuellen Handlungen zeigen. Die Festnahme des Solingers erfolgte nach weiteren Ermittlungen auf einem Campingplatz bei Köln.

„Wenn Eltern in irgendeiner Form belastet sind, neigen sie eher dazu, es herunterzuspielen.“

Zeugin aus einer Beratungsstelle

Der Zeugin aus der Beratungsstelle zufolge befand sich die Tochter bereits in Jugendtherapie. Später seien Hinweise auf Missbrauch dazu gekommen. Die Familie habe im Frühjahr und Sommer 2020 zusätzliche Beratungsangebote erhalten, diese aber zum Teil nicht wahrgenommen. Einmal habe die Mutter gesagt, sie sei davon ausgegangen, dass ein Termin wegen der Pandemie unmöglich sei. Die Zeugin erläuterte: „Das ist für mich eher ein negatives Zeichen. Wenn es Hinweise auf Missbrauch gibt, wollen Eltern, die nicht damit belastet sind, meistens eine besonders gründliche Aufklärung. Wenn Eltern in irgendeiner Form belastet sind, neigen sie eher dazu, es herunterzuspielen.“

Konkret habe das Jugendamt im Fall der Solinger Familie eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls prüfen wollen. Dazu habe es einen Termin im Sommer 2020 gegeben. Die Festnahme des Angeklagten kam dem zuvor. Die Zeugin erläuterte, der Termin habe aus ihrer Sicht nicht sofort stattfinden müssen: „Es bestand Kontakt mit der Mutter und sie wusste, dass sie sich jeder Zeit melden konnte.“

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