Ruhestand

Jürgen Bürger hat 40 Jahre für die Jugend gearbeitet

Ende April steht für Jürgen Bürger der Abschied als Leiter der Jugendförderung an. Die ist seit 2019 im Haus der Jugend Dorper Straße untergebracht. Foto: Michael Schütz
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Ende April steht für Jürgen Bürger der Abschied als Leiter der Jugendförderung an. Die ist seit 2019 im Haus der Jugend Dorper Straße untergebracht.

Leiter der Jugendförderung geht in den Ruhestand. Er hat die Notschlafstelle mit aufgebaut.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Das Gebäude, in dem sich Jürgen Bürgers Büro befindet, hat er einst selbst besucht: Als Kind ging er im Haus der Jugend Dorper Straße zum Flöten- und Gitarrenunterricht, auch seine Pfadfindergruppe kam dort zusammen. Dass die städtische Jugendförderung mit ihren Räumen nach der aufwendigen Renovierung nun bei denen angekommen ist, für die sie zuständig ist, freut Bürger. 40 Jahre lang hat er die Sozialarbeit für Kinder und Jugendliche in seiner Heimatstadt mitgestaltet und unter anderem die Notschlafstelle mit aufgebaut. Ende des Monats geht der Leiter der Jugendförderung in den Ruhestand – „mit Wehmut“, wie er bekennt.

Dabei war sein beruflicher Weg ursprünglich ein ganz anderer. Nach der Fachhochschulreife an der Höheren Handelsschule (Friedrich-List-Berufskolleg) machte der gebürtige Solinger eine Ausbildung im gehobenen Dienst beim Finanzamt – das sich damals noch an der Goerdelerstraße befand, direkt neben dem Haus der Jugend. Zwei Jahre war er im Anschluss daran als Sachbearbeiter für die Vermögenssteuer zuständig. Doch Finanzbeamter bis zum Ruhestand bleiben? Das habe er sich nicht vorstellen können, blickt Bürger zurück. Er sattelte um und studierte in Köln Sozialarbeit.

Die Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln, bekam er über Peter Reisener, der Anfang der 80er Jahre als Streetworker in der Klingenstadt arbeitete. „Er hatte die Idee für ein ,Sleep In‘, eine Einrichtung, wo junge Leute unbürokratisch übernachten konnten.“ An der Altenhofer Straße in Wald wurde die Basis für die Notschlafstelle für junge Erwachsene gelegt. Bürger übernahm dort Nachtdienste und absolvierte sein Anerkennungsjahr. 1984 wurde der junge Sozialarbeiter Leiter der Notschlafstelle, die nach einem Brand zur Hermannstraße 10 nach Höhscheid umzog – wo sie auch heute noch ist.

Mit seinem kleinen Team baute er „Die Zehn“ aus. Für die jungen Wohnungslosen habe man Tagesangebote geschaffen, es gab gemeinsames Kochen und Sport. „Gleichzeitig war ich mit dem Jahrespraktikanten in der Szene unterwegs.“ So habe es für die Punks, die sich am Mühlenplatz trafen, regelmäßig Fußballangebote am Weyersberg gegeben. „Wir waren zusammen in der Eifel wandern und haben Fahrten nach Frankreich organisiert.“ Die Notschlafstelle wurde später auch für Minderjährige ab 14 Jahren geöffnet.

Nach fast 20 Jahren Notschlafstelle wechselte Bürger 2002 als Abteilungsleiter zur Jugendförderung. Wichtige Meilensteine für die Solinger Jugend seien seitdem gewesen: die Eröffnung des Rollhauses, das der Jugendstadtrat entscheidend vorantrieb. Das Proberaumhaus Monkeys wurde an den Start gebracht, ebenso das Walder Jugendzentrum Stresi23. Zu Bürgers Aufgaben gehörte es, Träger und eine solide Grundfinanzierung für die Einrichtungen zu finden. Darum gehe es nun auch beim Projekt „FYouture“: Als einzige Modellkommune in NRW hat Solingen neue Wege der Beteiligung junger Menschen ausgelotet. Wichtig sei zudem die Renovierung der Häuser der Jugend Dorper Straße und Gräfrath gewesen.

Viele Veranstaltungen sind für 2022 schon geplant

Das Team der Jugendförderung betreut zudem den Jugendstadtrat, betreibt das Spielmobil, ist für vorbeugenden Jugendschutz zuständig und organisiert Veranstaltungen. Die Corona-Pandemie hat auch diese Arbeit in den vergangenen zwei Jahren ausgebremst. „Diesen Einbruch zu überwinden, wird eine harte Aufgabe sein“, sagt Jürgen Bürger.

Aus dem Förderprogramm „Aufholen nach Corona“ will die Jugendförderung drei Veranstaltungen in der Ohligser Festhalle auf die Beine stellen, darunter ein Konzert und einen Poetry Slam. Am 25. Mai, dem Tag vor Christi Himmelfahrt, findet im Haus der Jugend Dorper Straße das Schülerrockfestival mit einem internationalen Workcamp statt. „Wir sind froh, solche Veranstaltungen jetzt hier am Haus anbieten zu können.“ Die Bärenwoche für Kinder in den Sommerferien soll endlich wieder ohne Beschränkungen ablaufen. Auch bei Angeboten für Kinder und Jugendliche aus der Ukraine werde die Jugendförderung gefragt sein.

Dass er jetzt in den Ruhestand geht, sei angesichts des Umbruchs nicht schlecht, sagt der 64-Jährige. Seine Nachfolgerin wird Patricia Stute, Sachgebietsleiterin vorbeugender Jugendschutz. „Das freut mich sehr.“

Persönliches

Pläne: Jürgen Bürger will sich weiter in der Stadt engagieren. Als Mitglied im Vorstand des Fördervereins Notschlafstelle bringt er sich für seine ehemalige Einrichtung ein. In der evangelischen Gemeinde Ohligs ist er ebenfalls aktiv.

Reise: Auf jeden Fall wird der Vater von zwei erwachsenen Kindern (ein Enkelkind) künftig mehr Zeit für die Familie haben. Und für Reisen. Mitte Mai wollen seine Frau und er mit VW-Bus und Wohnwagen zunächst nach Ameland und anschließend über die Normandie zur Atlantikküste reisen.

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