Verein Max-Leven-Zentrum

Jüdische Geschichte erfahrbar machen: Mit Audioguide auf Spurensuche

Sie wollen jüdische Geschichte in besonderen Stadtführungen erfahrbar machen (v. l.): Armin Schulte, Dietmar Gaida, Daniela Tobias, Dr. Horst Sassin und seine Frau Simone Sassin. Foto: Christian Beier
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Sie wollen jüdische Geschichte in besonderen Stadtführungen erfahrbar machen (v. l.): Armin Schulte, Dietmar Gaida, Daniela Tobias, Dr. Horst Sassin und seine Frau Simone Sassin.

Im Festjahr zu 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland bietet der Verein Max-Leven-Zentrum neue Führungen an.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Der Verein Max-Leven-Zentrum Solingen bietet ab sofort Stadtführungen zur jüdischen Geschichte in Solingen an. Sie sind ein Beitrag zum Festjahr „#2021JLID, 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und beschränken sich folglich nicht nur auf die Judenverfolgung im sogenannten Dritten Reich, sondern geben einen Überblick über die vielfältige Geschichte der jüdischen Solinger seit ihrer Erwähnung im Jahr 1568 bis heute. Im Laufe der Zeit konnten wieder Kontakte zu Nachfahren von Familien geknüpft werden, die während der NS-Zeit aus ihrer Heimatstadt vertrieben wurden.

Führungen: Je nach Entfernung der verschiedenen Stationen werden die Rundgänge zu Fuß oder für Fahrradgruppen angeboten. Hilfreich ist, dass für beides ein Audioguide-System zur Verfügung steht, das vom Verein „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ mit Mitteln des Bundesinnenministeriums gefördert wird. „Nur mit solch einer unkomplizierten Technik werden Führungen per Rad überhaupt möglich, und auch zu Fuß sind die nötigen Corona-Abstände zwischen erklärendem Führer und Zuhörerschaft damit unaufwendig einzuhalten“, erläutert Daniela Tobias, die Vorsitzende des Max-Leven-Zentrums.

Die Erklärungen hören die Teilnehmer über zuvor ausgehändigte Kopfhörer, so dass man auch im Gehen Informationen bekommt und nicht an den jeweiligen historischen Stationen im Rudel an den Lippen des Tour-Führers kleben muss. Das dazu gehörende Empfangsgerät ist klein und kann um den Hals gehängt oder an einem Gürtel befestigt werden. Des Weiteren wurden von den zur Verfügung stehenden Fördermitteln Übersetzungen in Englisch, Türkisch und in eine einfache Sprache finanziert, um ein möglichst inklusives Angebot zu schaffen. „Einfache Sprache auch deshalb, weil wir zum Beispiel auch jüngere Jugendliche erreichen wollen oder Menschen, deren Deutschkenntnisse zwar gut, aber noch nicht perfekt sind“, erläutert Daniela Tobias.

Ausstellung des Max-Leven-Zentrums erinnert an Schicksale, Opfer und Täter

Inhalt: Die erste der drei Stadtrundgänge befasst sich mit den jüdischen Kaufleuten in Ohligs, die seit Ende des 19. Jahrhunderts fester Bestandteil des durch den Bahnhof aufstrebenden Ortes waren. Nach der Machtübernahme wurden sie schnell zum Ziel antisemitischer Ideologie.

„Einfache Sprache auch deshalb, weil wir zum Beispiel auch jüngere Jugendliche erreichen wollen.“

Daniela Tobias, Vorsitzende Max-Leven-Zentrum

Der zweite Rundgang handelt vom Schicksal jüdischer Ärztinnen und Ärzte in Solingen-Mitte. Dr. Paul Berkenau, Dr. Emil Kronenberg, das Ehepaar Dr. Ida und Dr. Walter Marcus sowie Dr. Erna Rüppel und Prof. Dr. Eduard Schott mussten ihre Praxen aufgeben, flüchten, untertauchen oder wurden deportiert.

Die Familie Coppel und ihr durch rechte Gesinnung verursachter absurd anmutender Absturz bis zur Deportation und Ermordung von Alexander Coppel ist Thema der dritten Tour. Alle Führungen dauern im Schnitt jeweils zwei Stunden.

Termine: Die erste öffentliche Tour werden Armin Schulte und Daniela Tobias am 9. November um 17.30 Uhr in Ohligs anbieten, am 16. November um 17.30 Uhr wird Dr. Horst Sassin zu den Ärzten und Ärztinnen durch die City führen, und am 3. Dezember um 13 Uhr werden sich Dietmar Gaida und Simone Sassin auf die Spuren der Familie Coppel begeben. Hierbei wird auch der jüdische Friedhof betreten werden können, der ansonsten verschlossen ist: Simone Sassin als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Friedhof wird das möglich machen.

Selbstverständlich seien über die öffentlichen Führungen hinaus nach Absprache individuelle Touren buchbar, sagt Daniela Tobias, die beispielsweise in Ohligs schon einmal mit einer Variante des Händler- und Händlerinnen-Themas viel Erfolg hatte: „Für die katholische Frauenschaft kfd habe ich den Schwerpunkt einer Führung auf die weiblichen Geschäftsleute oder die Ehefrauen der Händler gelegt.“

Führungen

Weitere Informationen, auch die jeweiligen Startpunkte der Führungen gibt es unter: https://t1p.de/d5gk4

Individuelle Führungen können gebucht werden unter Tel. (02 12) 5 94 70 80 oder per E-Mail: info@max-leven-zentrum.de

Die Teilnahme an den Führungen ist kostenlos.

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