Impfstoffaufbereitung

Jeder Tropfen Impfstoff wird genutzt

Apotheker Jan Danielizig bei der Aufbereitung der Biontec-Impfdosen im Impfzentrum. Foto: Christian Beier
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Apotheker Jan Danielizig bei der Aufbereitung der Biontec-Impfdosen im Impfzentrum.

Oft kann bei der Aufbereitung mehr Impfstoff als geplant gewonnen werden. Die Gruppe 2 soll zeitnah geimpft werden.

Solingen. Der aktuelle Mangel an Impfstoff hat die Frage, wie man aus den vorhandenen Fläschchen mehr Impfdosen gewinnen kann, erneut aufleben lassen. Ein Impfarzt aus Bergisch Gladbach hatte sogar eigene sogenannte Zero-Residual-Spritzen eingesetzt, um bei null Verlust sieben statt sechs Impfdosen pro Ampulle zu gewinnen. Das wurde vom Land mit Hinweis auf das Haftungsrisiko verboten – bis weitere Prüfungsergebnisse vorliegen.

Auch Apothekerin Sylvia Weber-Erz, Pharmazeutische Leiterin des Solinger Impfzentrums, hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Es gibt einen Erlass des Ministeriums. Der regelt, welche Spritzen von der Kassenärztlichen Vereinigung zur Verfügung gestellt werden“, erklärt sie die Rechtslage. Auch die derzeit eingesetzten Transcoject-Spritzen hätten dank eines Gummi-Puffers nahezu kein „Totraum-Volumen“.

Deshalb sei es oft möglich, sieben Impfdosen pro Ampulle zu gewinnen. Sylvia Weber-Erz rechnet vor: Zu den 0,45 ml Impfstoff pro Ampulle werden von den Apothekern im Impfzentrum 1,8 ml Kochsalzlösung hinzugefügt, so dass es 2,25 ml Impfstoff ergibt. Da pro Spritze 0,3 ml Vakzin aufgezogen werden, reicht es rechnerisch ganz knapp für sieben Spritzen. „Das gelingt in etwa 50 Prozent der Fälle. Am vergangenen Samstag hatten wir abends auf diese Weise zehn Dosen übrig und haben erfolgreich alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit sie an die berechtigte Gruppe verimpft werden konnten.“

Solingen: Kalkuliert wird mit sechs Dosen pro Ampulle

Sobald aber etwa noch ein Luftbläschen aus der Spritze gedrückt werden muss, reiche es nur für sechs Spritzen – damit wird kalkuliert. „Es ist nicht gestattet, die Reste aus zwei Ampullen zu einer Spritze aufzuziehen“, betont die Apothekerin, die derzeit ein 32-köpfiges Team aus Apothekern und PTA-Kräften für das Impfzentrum organisiert. An den Impftagen mit dem Biontec/Pfizer-Vakzin, also bislang montags, mittwochs, freitags, samstags und sonntags und ab kommender Woche jeden Tag, sind jeweils ein Apotheker und eine PTA-Kraft im Einsatz.

Sylvia Weber-Erz ist Pharmazeutische Leiterin des Impfzentrums.

Im sogenannten Reinraum des Impfzentrums wird die Rekonstitution vorgenommen, also die Überführung des Impfstoffs in seine anwendungsfähige Form. „Das ist beim Astrazeneca-Impfstoff nicht notwendig. Der wird in Injektionsfläschchen mit jeweils zehn Dosen geliefert und muss nur aufgezogen werden“, erklärt Weber-Erz. Alle Impfspritzen sowie die Einhaltung der Kühlung werden akribisch dokumentiert.

Ebenso wie mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die die Impfärzte stellt, hat das Land auch mit der Apothekerkammer Verträge bezüglich des Personals geschlossen. „Wenn jetzt ab März sieben Tage pro Woche jeweils zwölf Stunden geimpft wird, brauchen wir natürlich entsprechend mehr Personal“, so die Apothekerin. Sie ist aber zuversichtlich, gemeinsam mit der stellvertretenden Pharmazeutischen Leiterin Dorothee Böhm genug engagierte Kollegen zu finden.

Gezahlt werde dem pharmazeutischen Personal „ein guter Apotheker-Stundenlohn“. „Die Impfärzte erhalten in der Regel 150 Euro pro Stunde“, so Christopher Schneider, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. Nach Auskunft der KV und des NRW-Gesundheitsministeriums soll in der ersten Märzhälfte auch der Start der Impfgruppe 2 sein. Unter anderem Lehrer und Erzieher unter 65 Jahren könnten dann mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft werden.

Hausarzt-Liste

Nachrücker: Patienten, die zur ersten Impfgruppe gehören, also über 80 Jahre alt sind, können sich bei ihrem Hausarzt auf eine „Reserveliste“ setzen lassen. Bleiben abends im Impfzentrum Dosen übrig, weil es Absagen gab oder mehr aufgezogen werden konnte, werden sie benachrichtigt.

Die aktuellen Entwicklungen zur Corona-Lage in Solingen finden Sie hier.

Standpunkt: Vertrauen ist das A und O

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Vertrauen, das ist das A und O beim Thema Impfen. Zum einen Vertrauen, dass die Impfstoffe, die immerhin in Deutschland mit seinen strengen Prüfungsverfahren eine Zulassung bekommen haben, auch sicher sind. Wirksamkeit und gute Verträglichkeit bestätigen sich jetzt zum Glück in immer mehr Studien weltweit. Gerade jetzt, solange die Impfstoffe noch knapp sind, ist aber auch Vertrauen in die Impfreihenfolge extrem wichtig. Alte und vulnerable Gruppen zuerst – dafür gab es einen großen Konsens. Danach folgen aber jetzt viele Gruppen, die aufgrund einer Krankheit oder ihres beruflichen Einsatzgebietes einen Anspruch auf eine zügige Impfung fordern. Parallel zu den altersmäßig gestaffelten Gruppen sollten jetzt auf jeden Fall Erzieher, Lehrer, Ärzte, medizinisches Personal oder Polizisten schnell geimpft werden. Im Gegenzug muss in der Bevölkerung aber auch die Bereitschaft wachsen, sich mit jedem Impfstoff, der angeboten wird, impfen zu lassen. Wo so viele auf die rettende Impfung für den Weg zurück in unser normales Leben warten, darf es nicht sein, dass auch nur eine Impfdosis verschwendet wird. Gut, aus dem Solinger Impfzentrum zu hören, dass die Bereitschaft, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen, wieder stark gewachsen ist.

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