Wald

„Jazz ist Freiheit und Unabhängigkeit“: Prasselnder Applaus für ukrainischen Jazz

Laura Marti, Jazz-Star aus der Ukraine, zu Gast bei den Walder Theatertagen im Zentrum für verfolgte Künste.
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Laura Marti

Tragischer Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Laura Marti im Zentrum für verfolgte Künste.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Selten haben Gast, Programm und Bühne eine eindringlichere Symbiose gebildet als am Freitagabend im Zentrum für verfolgte Künste. Musikalischer Gast zur Wochenend-Finissage dort war die ukrainische Jazz-Größe Laura Marti. Sie, deren Heimatland sich mit so verzweifelter Energie gegen die Beraubung von Freiheit und Integrität wehrt, spielte Stücke von im Dritten Reich verfemten Künstlern wie Oskar Zügler und Valentin Nagel.

Ein tragischer inhaltlicher Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Gute anderthalb Stunden lang hatte die ukrainische Jazz-Größe mit ihren Band-Kollegen einen dichten und immer faszinierender werdenden Klang-Teppich im Meistermannsaal des Zentrums für Verfolgte Künste ausgerollt. Sie ernteten begeisterten Applaus.

Eingeladen hatten die „Walder Theatertage“. „Jazz ist musikalische Freiheit und Unabhängigkeit“, sagte Rainer Daams zur Begrüßung. Auch Dr. Jürgen Kaumkötter vom „Zentrum“ betonte, wie „richtig“ gerade diese Künstler in „seinem“ Museum seien.

Die Band wanderte in ihrem Konzert durch Klangwelten von Jazz, Ethno, Rock und Pop. Laura Marti als Frontsängerin überzeugte vom ersten Moment an durch ihre warme, volle und die Seele berührende Stimme, die mal zart und romantisch klang und im nächsten Moment schräg und bewusst borstig.

Aber auch ihre Begleiter wussten zu überzeugen und erspielten sich im Laufe des Abend Begeisterung und immer wieder spontanen Zwischen-Applaus nach beeindruckenden Soli: Yakiv Tsvietinskyi an der Trompete, Nataliia Lebedieva,  am Piano, Yurii Natsvlishvili,  am Kontrabass und Double BassDmytro Lytvynenko an den Drums.

Dicht und intensiv war der Mix aus vielerlei Gefühlen, den die charismatischen Musiker zu ihren Gäste auf den vollbelegten Sitzreihen hinüberspielten: Flammende Appelle für Freiheit und Frieden waren ebenso dabei wie Trauer und Wehmut  über Verlorenes, Dankbarkeit für neue Chancen.

Diese Dankbarkeit drückte Laura Marti am Schluss auch verbal sehr nachdrücklich aus: „Für alles, was uns hier in Deutschland an Wärme und Herzlichkeit begegnet.“

Mit dem Konzert von Laura Marti beginnt das Finissage-Wochenende der Sonderausstellung „1929/1955 – die erste documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“.

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